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Ferrari und iPhone-Werbung in China: Die Volkswirtschaft unterscheidet sich aus Sicht von Robert Halver kaum noch von westlichen Staaten | © Getty Images

Robert Halver blickt nach Fernost China hat keinen Glorienschein

In den 80er Jahren pilgerten westliche Industriemanager nach Japan, um dort das vermeintliche Konjunkturwunder zu bestaunen und es dann in den Heimatländern zu kopieren. Doch basierte Japans Wirtschaftssause nur auf einem zinsgünstigen Schneeballsystem. Ende der 80er Jahre platzte die Seifenblase und das Land zahlt bis heute für seinen Super-GAU mit den drei Übers: Überschuldung, Überteuerung und Überalterung. Aus dem früheren Mythos Japan ist heute ein mahnendes Beispiel geworden.

Das Reich der Mitte ist zu schnell gewachsen

Anfang der 90er Jahre hat alles angefangen. Zuerst wurde China zur billigsten Drehbank der Welt, dann zur Export- und anschließend so dynamisch wie kein anderes Land zuvor zum Industrie- und Hightech-Land. Aber ist in China tatsächlich alles Gold, was wirtschaftlich glänzt? Kann eine Volkswirtschaft wirklich 30 Jahre lang zwischen sechs und über 10 Prozent wachsen, ohne dafür einen hohen Preis zu bezahlen. Nicht umsonst sprach der deutsche Wirtschaftsminister Ludwig Erhard vom „Maßhalten“, damit sich die deutsche Nachkriegswirtschaft nicht überhitzt.

Für seine Geschwindigkeit beim Aufschwung bezahlt China zunächst mit einer unglaublichen Umweltverschmutzung und Städten im Dauersmog, nicht im Nebel wie San Francisco. Hinzu kommt Chinas Gesamtverschuldung, der gegenüber Japan schon fast als Hort der Finanzstabilität gilt. Daneben gibt es viele Schattenbanken und Zombie-Staatsunternehmen, die künstlich am Leben gehalten werden, um Menschen in Lohn und Brot zu halten. Denn nichts fürchtet Peking mehr als soziale Unruhen von massenhaft Desillusionierten. Vor diesem Hintergrund kann sich Marktwirtschaft, bei der produktives Sterben verlustbringender Firmen oder ganzer Branchen stattfindet, nur verhalten entwickeln.

China ist in der schnöden Wirtschaftsrealität eines Industrielandes angekommen

Ohnehin zeigen sich auf der Straße des chinesischen Aufschwungs mittlerweile Schlaglöcher. Die Wunderjahre der wirtschaftlich problemlosen Kinderzeit sind vorbei. China befindet sich in der Pubertät. Die Produktion im asiatischen Hinterland ist inzwischen vielfach günstiger als in China. Viele Industriefirmen haben rübergemacht. Als Schwellenland ist es eben einfach, über Billiglöhne Exportweltmeister zu werden. Als Industrieland jedoch eine stabile Binnenkonjunktur bei Beschäftigungsproblemen und zuschlagender Inflation zu erhalten, ist viel schwieriger. Dieses Schicksal ist nicht spezifisch chinesisch, sondern alle früheren Schwellenländer haben es erlitten.

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