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in GeldpolitikLesedauer: 5 Minuten

Robert Halver über Währung, Politik und EZB Europa scheint keinen starken Euro mehr zu wollen

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Wegen dieser modernen monetären Theorie wird es übrigens auch kein Investor wagen, Europa aus der Finanzruhe zu bringen. Don’t fight the Fed, hieß es früher. Das gilt heute auch für die EZB. Sie haut jedem böswilligen Spekulanten, der es wagt, massiv europäische Staatsanleihen zu verkaufen, auf die Finger, indem sie selbst kauft.


So werden kräftig steigende Zinsen in angeschlagenen Euro-Ländern verhindert, die ihren Schuldendienst erschweren, wenn nicht sogar unmöglich machen würden. Wegen Bonitätsverlusten, Reformrenitenz und Wirtschaftsschwäche wären sie zwar gerechtfertigt, ordnungspolitisch aber nicht erwünscht.

Und wenn auf diese Weise die Zinsen unterhalb der Inflation liegen, wirkt dies bei der Bekämpfung der Staatsverschuldung so erfolgreich wie der Zaubertrank der Gallier im Kampf gegen die Römer. Die Schulden, wovon Europa mehr als genug hat, werden weginflationiert. Jede Schwindsucht ist willkommen.

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Überhaupt, beim Export ist eine starke Währung so hinderlich wie eine Bleiweste beim Joggen. Das gilt umso mehr für Europa als Exportregion, von Deutschland ganz zu schweigen. Wenn die Binnenkonjunktur wegen diverser Strukturdefizite bewegungsarm ist, soll doch ein brummender Außenhandel für Konjunktur-Mobilität sorgen. Bei der Euro-Beschwichtigung übernimmt die EZB doch gerne die Rolle des Löwenbändigers.

Export-Darwinismus: Nur der Währungsschwache überlebt

Und selbst, wenn die EZB das pandemische Notaufkaufprogramm im Frühjahr 2022 wie geplant beendet, hat sie bereits die Aufstockung des konventionellen im Blick. Als inoffizielle „Export-Förderbank“ wird sie weiter verhindern, dass zu hohe Zinsniveaus der Gemeinschaftswährung Oberwasser bescheren.

Übrigens, Unschuldskinder beim Währungs-Dumping sind Amerika, China und Japan auch nicht. Auch sie laben sich am wirtschaftlichen Jungbrunnen „Export“. Gleiches Recht also auch für Europa. „Schöne“ neue Währungswelt: Ein schwacher Euro ist für unsere (Geld-)Politiker ein guter Euro.


Über den Autor:

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse der Baader Bank in Frankfurt und ist damit für die Einschätzung der internationalen Finanzmärkte zuständig. Der erfahrene Kapitalmarkt- und Börsenkommentator ist durch seine regelmäßigen Medienauftritte bei Fernsehsendern und Radiostationen einem breiten Anleger- und Finanzpublikum bekannt.

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