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Robert Halver Kippt Italien, kippt alles

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Ein hoher Schuldenstand und hohe Neuverschuldung bei gleichzeitig steigenden Kreditzinsen sind der Gift-Cocktail, der langfristig zur Pleite eines Landes führt. Um sich vorzustellen, zu was ein Kreditausfall Italiens führte, braucht man keinen Katastrophen-Regisseur aus Hollywood. Die gewaltigen Kreditabschreibungen auf italienische Staatspapiere in Höhe von 2,3 Bill. Euro würden Europas Banken reihenweise in die Insolvenz treiben. 

Damoklesschwert Target-Saldo

Dann würde auch das Damoklesschwert des Target-Überschusssaldos nicht nur über Finanz-Deutschland schweben, sondern fallen. Über das sogenannte Target-2-System sollten sich Notenbanken im Euroraum ursprünglich bei zwischenzeitlichen Liquiditätsengpässen untereinander aushelfen. Diese treten auf, wenn Euro-Land X nach Euro-Land Y mehr exportiert als umgekehrt oder als Investitionsland gefragter ist. Dann hat X gegenüber Y einen zeitweisen Überschusssaldo, also eine Kreditforderung und Y gegenüber X umgekehrt eine -verbindlichkeit.

Ein dauerhaftes Finanzierungsinstrument sollte daraus nie werden. Doch zu genau dem ist es geworden. Mit seinen permanenten Handelsbilanzüberschüssen und als begehrtes Zielland für flüchtiges Kapital - zuletzt auch aus Italien - hat Deutschland bei der Bundesbank mittlerweile „Dispositionskredite“ vor allem gegenüber der italienischen, aber auch anderen Zentralbanken von fast einer Billion Euro angesammelt. Eine Reduktion, geschweige denn ein Ausgleich dieses deutschen Kreditüberschusses ist gemäß real existierender Wirtschaftsverhältnisse illusorisch. 

Diese Kreditforderungen sind unverzinst, es gibt keine Rückzahlungsvereinbarungen und Sicherheiten, z.B. in Form der italienischen Goldreserven, sind auch nicht hinterlegt.

In normalen Euro-Friedenszeiten ist dieses Kreditvolumen weniger dramatisch als es die schiere Größe nahelegt. Käme es jedoch zu einem italienischen Kreditausfall oder gar einem Italexit aus der Währungsunion, würde die Bundesbank und der für sie letztlich geradestehende Bundeshaushalt einen finanziellen Totalschaden erleben.

Wie wahrscheinlich ist eine italienische Schuldenkrise wirklich?

Italiens Schulden sind nicht nur ein Fluch, sondern auch ein Segen. Sie verleihen Italien ein massives Druckmittel. Wenn schon die kleine griechische Schuldenkrise fast zum Ruin der Währungsunion geführt hätte, würde die viel größere italienische ihren Exodus bedeuten. Kippt Italien, kippt auch das europäische Gemeinschaftswerk, finanziell und geopolitisch.

Wenn Rom mit dieser Drohung nicht wuchern kann, womit sonst? Dass man die römische Erpressungskeule einsetzen würde, zeigt die Warnung, den EU-Haushalt zu blockieren bzw. die Zahlungen an Brüssel einzustellen, wenn man Italien bei der Flüchtlingskrise nicht entgegenkommt.

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