Robert Halver über den Kampf der Fed Ohne Rücksicht auf Verluste
Die US-Notenbank hat ihre Happy Hour beendet und sich stattdessen Inflationsbekämpfung auf die Fahnen geschrieben. Was aus rein amerikanischer Sicht Sinn ergibt, kann für den Rest der Welt gravierende wirtschaftliche Konsequenzen haben. Als Mutter aller Notenbanken trägt sie nicht nur nationale, sondern auch große internationale Verantwortung. Dieser muss sie gerecht werden.
Wer zu spät kommt, muss stärker auf die Zinsbremse treten
Die Zeiten sind lange vorbei, als sich das ausgeschüttete Füllhorn der US-Notenbank weitestgehend nur in euphorischen Kursen an Wall Street und hohen Immobilienpreisen niederschlug. Längst hat das viele und zinsgünstige Geld, dem nur begrenzte Waren und Dienstleistungen gegenüberstehen, die Verbraucherinflation erreicht. Wie nicht mehr seit den 80er-Jahren wird die Kaufkraft der Amerikaner regelrecht durch den Wolf gedreht.
Und so hat die Fed ihr Herz für Preisstabilität entdeckt. Da sie zu lange an das Märchen der nur vorübergehenden Inflationsbeschleunigung glaubte, verfolgt sie einen herzhaften Leitzinserhöhungskurs. Dazu hat sie auch aus der bis zum Rand mit Liquidität gefüllten Badewanne den Stöpsel gezogen, sodass jeden Monat knapp 100 Milliarden Dollar abfließen können.
Dass wirklich sinkende Preisraten bislang noch nicht zu erkennen sind, spricht ad hoc für eine weiter harte Zinsknute der Fed. Schon bei Richard Nixon hieß es:
„Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem“
Genau hier beginnt die internationale Verantwortung der US-Geldpolitik. Als Hüterin der Weltleitwährung Dollar ist sie so etwas wie der Leitwolf unter den Zentralbanken, dem sich alle anderen unterordnen müssen. Zieht die Fed die Zügel an, führt dies zu weltweiten Dominoeffekten.
Des einen Freud, des andern Leid: Zinserhöhungen in den USA sind ein legitimes Mittel, um die nationale Inflation zu drücken. Und da sie den US-Dollar ansteigen lassen, wird Amerika auch noch importseitige Inflationsentspannung beschert.
Allerdings findet in anderen Ländern der genau umgekehrte Effekt statt. Davon kann auch der Euro ein Liedchen singen, der seit Jahresende 2021 gegen die amerikanische Währung um ca. 20 Prozent abgewertet hat. Die ohnehin gestiegenen Rohstoffpreise in Europa werden, da sie in Dollar notieren, massiv geboostert.
