Robert Halver über China, USA, Europa Was Europa im Handelskrieg alles falsch macht

Der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, Faustin Archange Touadéra (links), zu Gast beim chinesischen Staatschef Xi Jinping: China arbeitet verstärkt mit afrikanischen Ländern zusammen, um sich Einfluss und Rohstoffe zu sichern. | © Getty Images

Der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, Faustin Archange Touadéra (links), zu Gast beim chinesischen Staatschef Xi Jinping: China arbeitet verstärkt mit afrikanischen Ländern zusammen, um sich Einfluss und Rohstoffe zu sichern. Foto: Getty Images

Amerikas saure, nicht süße Handelspolitik zwingt China, Alternativen zu suchen. So belebt Peking die eurasische Seidenstraße wieder und holt Russland mit ins Boot. Beide Länder verbindet sicher keine Liebesbeziehung, aber für eine Vernunftehe gegen den gemeinsamen Feind USA reicht es allemal. Könnte man auch noch Europa anbinden, würde sich der bislang zeitintensive Seeweg chinesischer Exporte in die westliche Welt erheblich verkürzen.

China hat Trumps Weckruf gehört

Auch mit seinen umfangreichen Investitionen in Afrika geht es China um politische Einflussnahme und natürlich um die Sicherung von Rohstoffen. Doch China denkt noch viel weiter. Bei Rohstoffen geht es auch um die Währungshoheit. In den 70er Jahren haben es die USA geschafft, den Dollar zuerst beim Öl und später bei allen Rohstoffen als Recheneinheit durchzusetzen. Wer irgendwo auf der Welt Rohstoffe kauft, tut dies in Dollar und gibt insofern Amerika ungefragt Kredit. Das machte den US-Dollar zur unangreifbaren Weltleitwährung, zum sicheren Hafen.

Das muss jedoch nicht für alle Zeit in Stein gemeißelt sein. Sollte China „seine“ Rohstoffe in einer Alternativwährung oder sogar in Yuan handeln, würde der Dollar seine Allmacht verlieren. Das bliebe nicht ohne Folgen für die bislang problemlose Finanzierung der gigantischen amerikanischen Kreditblase. Und tatsächlich sind erste chinesische Ambitionen bereits erkennbar.

Nicht zuletzt könnten sich die starken Schwellenländer aus Asien einem immer stärker werdenden China mehr zugeneigt zeigen als dem im Pazifikraum noch dominierenden Platzhirsch Amerika. Als Exportnationen sind sie von den Nebenwirkungen der amerikanischen Handelssanktionen gegen China sicherlich nicht entzückt.

Wenn zwei sich streiten, hat Europa als Dritter keinen Grund, sich zu freuen

Erfreut hat die EU mittlerweile festgestellt, dass Amerika maßgeblich gegen China mobilmacht. Der US-Präsident sieht die Bedrohung China als neuen auch (finanz-)wirtschaftlichen Erzfeind der USA, der auf den früheren militärischen Konkurrenten Sowjetunion folgt. Trump will Amerikas geostrategische Pole Position auch handelspolitisch sichern. Die USA sollen nicht wie das Römische Reich untergehen und Uncle Sam am Ende als gerupftes Huhn dastehen.

Auch wenn Trump durch seine schroffe Art allen handelspolitischen Unmut auf sich zieht, muss klar festgestellt werden, dass China in puncto Protektionismus Weltmeister ist. Sollte Washington Peking Zugeständnisse bei seiner protektionistischen Haltung abringen, eröffnet das auch Chancen für Europas Exporteure.