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Macht sich Gedanken zum tobenden Währungskrieg: Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank in Frankfurt | © Getty Images

Robert Halver über den Währungskrieg Dollar-Schwäche heißt Amerika-Stärke

Es war einmal ein Amerika, das das konsumierte, was die Welt produzierte. Und da auch beim Import der Gewinn im Einkauf liegt, war in Washington ein starker US-Dollar beliebt wie Speiseeis im Sommer. Mit Blick auf die überbordende Konsumverschuldung und Olympia-reife Handelsbilanzdefizite stößt das süße Import-Leben der USA aber an seine Grenzen.

Statt die weltweiten Regale leerzukaufen, will Amerika sie selbst befüllen. Zum besseren Export brauchen die USA jetzt einen schwachen Dollar. Die jahrzehntelange Strong-Dollar-Politik von Nixon, Reagan oder Bush Senior ist Geschichte. Mit seinem Zitat „The strong Dollar is killing us“ hat Präsident Trump die neue amerikanische Dollar-Zeitrechnung plastisch eingeläutet. „America First“ gilt heute auch beim Export, ein Ziel, das auch über einen Währungsabwertungskrieg erreicht werden soll.

Der weltweite Kampf um die schwächste Währung

Dabei spielt die US-Notenbank den währungspolitischen Erfüllungsgehilfen, sozusagen den Munitionslieferanten. Sie soll dem amerikanischen Außenhandel den Export-Frieden bringen. Zwar deuten die mittlerweile neun Zinserhöhungen der Fed zunächst auf eine hart restriktive Geldpolitik hin. Doch hatte man damit bis zum letzten Jahr gerade mal so die Inflation ausgeglichen. Allerdings haben aktuell fallende Inflationserwartungen die Fed längst veranlasst, verbal die Wende der Zinswende einzuleiten.

Auch sprechen einzelne Fed-Direktoren bereits davon, die Entblähung der durch Anleihekäufe aufgeblasenen Notenbankbilanz viel frühzeitiger als bislang geplant zu beenden. Zu stark steigende Zinsen und Renditen sollen dem Dollar bloß nicht wie Red Bull Flügel verleihen.

Tatsächlich würden sich die USA heute mit einem starken Dollar den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Die Dollar-Hausse würde die Währungs-Baisse der Schwellenländer einläuten. Kapitalflucht und der Zins- und Tilgungsdienst schnürten den Emerging Markets - die immer noch gerne Schulden in US-Dollar aufnehmen - den Hals zu. Am Ende fehlte den Emerging Markets nicht nur das Geld für Konsum und Investitionen, sondern auch für den Import amerikanischer Produkte und Dienstleistungen. 

Damit wäre auch geostrategisch eine Dollar-Stärke für die USA kontraproduktiv, wo sie doch die Pazifikregion zur wichtigsten Kümmer-Region auserkoren haben. Die wegen Währungsschwäche wirtschaftlich verprellten Schwellenländer wären leichte Beute für China, das das Motto ausrufen würde „Kommet zu mir, die ihr beladen seid von amerikanischer Hartwährungspolitik, Peking will euch erquicken“. Über süß-saure chinesische Machtpolitik - erst die warmen wirtschaftlichen Schmuseeinheiten, dann die eiskalten Abhängigkeiten - würde China seine Machtposition im pazifischen Raum zuungunsten Amerikas ausbauen. Und so favorisiert Amerika friedliche, unaufgeregte Wechselkursbewegungen der Schwellenländer-Währungen zum Dollar.

Grafik 1: Währungen der Schwellenländer zum US-Dollar

Ohnehin ist heutzutage kein starker Dollar mehr nötig, um amerikanische Schuldtitel für ausländische Investoren aufzuhübschen. Die Rolle des willfährigen Financiers hat die US-Notenbank 2008 übernommen und seitdem nicht mehr abgegeben. Peking bietet der US-Notenbank sogar die Bühne dafür. China scheint nämlich immer mal wieder damit zu kokettieren, die in ihrem Besitz befindlichen, umfänglichen US-Staatsanleihen renditeerhöhend und damit konjunktur- und aktienschädlich, aber Dollar-aufwertungsfreundlich auf den Markt zu werfen.

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