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Brexit-Befürworter: Großbritannien will nach dem EU-Abschied an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen.  | © Imago Images Foto: Imago Images

Robert Halver zum Brexit

Überleben in freier Wildbahn

Wie gehen EU und Großbritannien nach einer Übergangszeit vor allem handelsseitig miteinander um? So manch ein Beobachter meint, dass die einsamen Briten im Beziehungspoker gegen die große EU mit 27 Staaten ebenso untergehen, wie die Titanic nach der Kollision mit dem Eisberg. Doch sind die Trümpfe wirklich so einseitig zugunsten der EU verteilt?

Nie hat der britische Löwe lauter gebrüllt

Tatsächlich scheint Großbritannien ohne Handelsabkommen mehr zu verlieren zu haben. Bei einem No Deal ist für britische Unternehmen der Zugang zum Binnenmarkt verschlossen oder sie müssen beim Export gemäß den Regeln der Welthandelsorganisation höhere als die bisherigen EU-Zölle bezahlen.

Trotzdem will Premierminister Boris Johnson gegen Europa klare Kante zeigen. Das Schicksal seiner an Europa gescheiterten Amtsvorgängerin Theresa May will er nicht erleiden, die von den Auseinandersetzungen mit Brüssel politisch aufgefressen und dann auch noch von ihren eigenen Abgeordneten gemeuchelt wurde. Er will in die Fußstapfen mindestens der Eisernen Lady Margaret Thatcher, wenn nicht sogar in die Winston Churchills, treten. 

Also setzt Johnson auf maximale Provokation und droht selbst mit einem No Deal. Bis Ende des Jahres und ohne jede Verlängerungsoption will er einen Freihandelsvertrag mit der EU schließen. Das wäre selbst für alle Helden der britischen Geschichte inklusive Lord Nelson nicht zu schaffen.

Der Handelsvertrag der EU mit Südamerika hat 14 und der mit Kanada acht Jahre gebraucht. Und Johnson scheint besonders viel Spinat gegessen zu haben und stark wie Popeye zu sein. Er will sich keinem wirtschafts-, steuer-, subventions-, arbeits- und umweltpolitischem EU-Standard beugen. Nein! Doch! Ohh!

Johnson nutzt die Kriegslist der „Flucht nach vorne“. Er droht Brüssel mit einem „Singapur an der Themse“, einem Wirtschaftsstandort, in dem für Investoren über Steuer-, Sozial-, Regulierungs- und Umweltdumping sowie lockerste Geldpolitik Milch und Honig fließen. Wenn die britischen Standortvorteile die Handelsnachteile mit der EU bei einem No Deal überkompensieren, wäre es für ausländische Unternehmen dennoch attraktiv, im Vereinigten Königreich zu investieren.  

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