Lufthansa im Krisenmodus: Passagierflieger dienen derzeit als Frachter für Schutzmasken | © imago images / Mario Aurich Foto: imago images / Mario Aurich

Robert Halver zur Lufthansa

Ohne staatliches Kuckucksei im Kranichnest

Die Lufthansa hat sich in den letzten Jahren aus eigener Kraft erfolgreich gegen die subventionierte Konkurrenz aus den arabischen und asiatischen Ländern behauptet. Im Übrigen ist die Kranich-Airline systemrelevant. Im Frachtverkehr sorgt sie seit Jahrzehnten für einen reibungslosen deutschen Export.

Bei weiterem Sinkflug drohte der First Class-Logistiker zum Economy-Preis an einen Staatskonzern aus Asien zu gehen. Unsere Unabhängigkeit im Außenhandel wäre bedroht.  

Der Staat gelobt einen schnellen Wiederausstieg aus der Lufthansa

Konkret will sich Vater Staat mit Einlagen von insgesamt 5,7 Milliarden Euro, einem KfW-Kredit von bis zu drei Milliarden und als Aktionär über eine Kapitalerhöhung mit 20 Prozent beteiligen. Das lässt sich der Staat jedoch gut bezahlen. Für seine Kredite erhält er Zinsen bis 9,5 Prozent. Das zahlen an den Zinsmärkten ansonsten nur noch windige Seelenverkäufer.

Nicht zuletzt erhält der Staat seine Lufthansa-Aktien zum Schnäppchenpreis von 2,56 Euro je Aktie. Dieser liegt damit fast 75 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Dennoch wird an der Börse die Rettung höher als dieser Verwässerungseffekt gewertet. Auch mit dem Verzicht auf Dividendenzahlungen und zwei staatlich bestimmten Aufsichtsratsmitgliedern kann der Markt leben.

Denn es sollen unabhängige Wirtschaftsfachleute, keine gesundbetenden Ministerialdirigenten, die unternehmensschädliche Süppchen kochen, an Bord kommen.   

Die Hauptsache ist, dass der Staat keine direkte Sperrminorität von 25 Prozent und einer Stimme erlangt, die er zur politischen Einflussnahme auf Unternehmensentscheidungen missbraucht. Und tatsächlich spricht der Staat davon, nicht nur ein stiller Beteiligter zu sein, sondern auch schnell wieder auszusteigen. Für mich ist das soziale Marktwirtschaft.

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