Und bei den fünf BRICS-Ländern solle es nicht bleiben. Angeblich könnten bis zu 40 weitere Staaten dem neuen Währungsbund beitreten, so die Türkei, Argentinien, Venezuela, Thailand, Ägypten, Saudi-Arabien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate. Alle hätten mit Amerika ein Hühnchen zu rupfen, weil es seine Hegemonie und Dollar-Dominanz zu ihren Lasten ausnutze und mangelnde Wertschätzung zeige. Immerhin entfalle allein auf die BRICS-Staaten ein Viertel der Welt-Wirtschaftsleistung.
Und die Euphorie der Politiker aus diesen Ländern kennt offenbar kein Limit. Die neue Währung soll in digitaler Form zur international anerkannten Handelsvaluta werden und mit autonomer und robuster Währungsinfrastruktur ebenso im weltweiten Finanzsektor für Furore sorgen.
Alternative Währungen vor großen Aufgaben
Doch ist die Schaffung einer alternativen Welt-Währung eine Herkules-Aufgabe, mit der sich selbst die Helden der griechischen Mythologie schwertäten. Wenn man sich nur die früheren Abstimmungsprobleme zwischen den im Vergleich wenigen transatlantischen Währungen betrachtet, weiß man, was auf die Teilnehmer einer neuen Währung zukommt. Es wird ein Hauen und Stechen und große Abstimmungsprobleme geben, auch, da der neue Währungsverbund noch keine entsprechende Expertise hat.
Daher solle die neue Währung Rohstoff und vor allem Gold gedeckt sein. Denn viele „Neu-Währungsverbündete“ säßen auf riesigen Rohstoffvorkommen. Man erinnert sich wohl an die gute alte Zeit des Gold-Standards, als neue Kredite nur gegen die Sicherheit von Gold vergeben werden konnten. So solle die neue Währung der Volatilität des US-Dollars entgehen, der schon lange nicht mehr Gold-gedeckt ist.
Käme es zu diesem Szenario, wäre dies der größte Paukenschlag in der Finanzwelt seit dem Zweiten Weltkrieg und ebenso der größte Angriff auf die bislang einzige Weltleitwährung US-Dollar. Dieser würde massiv an Attraktivität einbüßen, was Gold, das negativ mit dem Dollar korreliert ist, schon massiven Auftrieb verleihen würde. Vor allem aber die neue Bedeutung von Gold als Währungssicherheit ließe das Edelmetall aufsteigen wie ein mit Helium gefüllter Ballon.
Aber selbst eine Gold gedeckte Währung ist nicht ohne. Zunächst ist geopolitisches Mütchen kühlen gegenüber den USA allein keine vernünftige Währungsstrategie. Und wird man wirklich die Währungsabhängigkeit von Amerika durch die von China ersetzen wollen? Daher rudern Währungsexperten auch schon zurück.
Sie wissen, dass es im Übergang zur neuen Währung massive Reibungsverluste im Welthandel geben würde. Und zwar ist die westliche Welt dringend auf Rohstoffe angewiesen, aber was nutzen sie, wenn sie nicht verkauft werden? Die Rohstoff-Länder haben doch kein Interesse, ihre wichtigen westlichen Abnehmerländer zu vergraulen oder gar zu verlieren. Insgesamt ist damit eine Währungsalternative zum US-Dollar eher ein langfristiges Ziel.
Doch sollte die Vision einer neuen Weltwährung nicht nur als Augenkrankheit abgetan werden. Der Westen muss aus seiner spätrömischen Dekadenz herauskommen. Wenn er nicht mit der Zeit geht, geht er mit der Zeit.
Insgesamt muss Gold auf diese „schöne neue Währungs-Welt“ noch warten. Aber auch schon die aktuelle Gemengelage spricht dafür, bis zu 10 Prozent seines Vermögens in Edelmetallen zu halten. Es ist das wertstabilste Gut der Erde und kann im Bedarfsfall jederzeit in Papiergeld eingetauscht werden. Diese Sicherheit ist es mir wert.
Über den Autor:
Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse der Baader Bank in Frankfurt und ist damit für die Einschätzung der internationalen Finanzmärkte zuständig. Der erfahrene Kapitalmarkt- und Börsenkommentator ist durch seine regelmäßigen Medienauftritte bei Fernsehsendern und Radiostationen einem breiten Anleger- und Finanzpublikum bekannt.

