Wer heute sein Geld anlegen will, hat die Qual der Wahl – auch bei den digitalen Angeboten. Robo-Advisors nehmen Anlegern als algorithmische Vermögensverwalter die Arbeit ab: Sie beantworten Fragen zu Ihrer Risikoneigung und Anlagezielen, der Robo erledigt den Rest – von der Portfoliozusammenstellung bis zur regelmäßigen Optimierung.

Aber welcher der zahlreichen Anbieter passt am besten zu welchen Anlegerbedürfnissen? In unserer neuen Serie stellen wir Ihnen wöchentlich zwei Robo-Advisors vor und beleuchten ihre Strategien, Gebührenmodelle und Besonderheiten.

Fidelity zählt zu den großen internationalen Asset-Managern, die auch im Bereich der digitalen Vermögensverwaltung aktiv sind. Im Interview erläutert Oliver Dreiskämper, Head of Proposition von Fidelity, die Strategie des hauseigenen Robo-Advisors, der seit 2018 am Markt ist.

DAS INVESTMENT: Seit wann gibt es Ihren Robo-Advisor und wie hat sich das Geschäftsmodell entwickelt?

Oliver Dreiskämper
Oliver Dreiskämper © Fidelity

Oliver Dreiskämper: Wir sind seit 2018 am Markt. Ursprünglich war die Idee, eine zentrale Plattform für B2C- und B2B-Geschäft über verschiedene Länder hinweg aufzubauen. Was wir aber festgestellt haben: Eine einheitliche Logik lässt sich nicht einfach über viele Länder transportieren, da die Regulatorien und der Go-to-Market-Ansatz sich von Japan bis Deutschland stark unterscheiden. Deshalb sind wir zu einem lokalisierten Ansatz übergegangen. Die Vertriebswege werden lokalisiert, während die Investmentlösungen und die Mechanik im Hintergrund weiterhin standardisiert für verschiedene Märkte genutzt werden können. Heute sind wir in Großbritannien über den Beraterkanal und in Deutschland über den Online-Kanal aktiv.

Welche Anlagestrategien bieten Sie an und nach welchen Kriterien wählen Sie die Anlageprodukte aus?

Dreiskämper: Wir bieten sieben verschiedene Strategien an, die sich im Risikoprofil unterscheiden. Diese sind über einen Risiko-Parameter kalibriert, der auf einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren ausgelegt ist. Das Spektrum reicht von einem sehr konservativen Portfolio mit überwiegend Anleihen bis hin zu einer Strategie mit 90 Prozent Aktien und 10 Prozent alternativen Assets.

Die sieben Anlagestrategien von Fidelity im Überblick.
Die sieben Anlagestrategien von Fidelity im Überblick. © Fidelity

Bei der Produktauswahl verfolgen wir einen „Open Architecture“-Ansatz. Wir bilden beispielsweise den amerikanischen Markt über verschiedene externe Portfoliomanager ab, aufgeteilt nach Strategien wie Value, Growth oder Momentum. Nur etwa 20 bis 30 Prozent der Investments stammen aus unserem eigenen Haus. Viele unserer Partner sind institutionelle Manager, die hauptsächlich Mandate für Pensionskassen verwalten und keine vergleichbaren Publikumsfonds anbieten.

Wie hat sich die Performance Ihrer Hauptstrategien in den vergangenen drei Jahren entwickelt?

Dreiskämper: Die Strategien 5 bis 7 sind bei uns am beliebtesten, wobei die klare Mehrheit bei Strategie 5 liegt. In den letzten drei Jahren haben wir bei Strategie 5 rund 14 Prozent erzielt, bei Strategie 6 knapp 16 Prozent und bei Strategie 7 etwa 19,5 Prozent. Zur Einordnung: Strategie 1 hat eine Aktienquote von 15 Prozent, während Strategie 7 mit 90 Prozent Aktien und 10 Prozent alternativen Assets die risikoreichste Variante darstellt.

Anmerkung der Redaktion: Die Anlagestrategien 1 und 2 werden aktuell in Folge eines niedrigen Ertrags-Kosten-Verhältnisses nicht angeboten.

Wertentwicklung seit Auflagebeginn im Vergleich der Strategie 1 und Strategie 7.
Wertentwicklung seit Auflagebeginn im Vergleich der Strategie 1 und Strategie 7. © Fidelity

Wie würden Sie Ihren durchschnittlichen Kunden beschreiben und über welche Kanäle gewinnen Sie neue Kunden?

Dreiskämper: Wir haben zwei unterschiedliche Hauptzielgruppen: Zum einen unsere Bestandskunden, die typischerweise zwischen 55 und 65 Jahre alt sind. Zum anderen gewinnen wir verstärkt jüngere Neukunden zwischen 28 und 35 Jahren, die oft mit kleineren Beträgen von 500 bis 3.000 Euro einsteigen. Der Durchschnitt liegt bei etwa 5.000 Euro Erstanlage und steigt dann in dieser Altersgruppe auf 10.000 Euro.   

Sie haben die Mindestanlagesumme von 5.000 auf 500 Euro gesenkt. Was war der Grund dafür?

Dreiskämper: Viele potenzielle Kunden sind noch weit weg vom Thema Geldanlage. Wenn man etwas nicht versteht, ist es schwierig, gleich 5.000 Euro zu investieren. Wir wollen einen einfachen Start ermöglichen, um Vertrauen aufzubauen. Diese Strategie funktioniert besonders gut bei jüngeren Kunden über Corporate Benefits und andere Kampagnen.

Wie sieht es mit der Möglichkeit von Sparplänen aus?

Dreiskämper: Sparpläne sind ab 50 Euro monatlich möglich.

Wer sind aus Ihrer Sicht die Hauptwettbewerber im Bereich Robo-Advisor?

Dreiskämper: Der Markt ist mit über 30 Anbietern relativ breit aufgestellt. Da wir rein digital unterwegs sind, konzentrieren wir uns auf die online-fokussierten Anbieter. Dazu gehören Scalable Capital über ihre eigenen Vertriebswege und Anbieter aus dem Frankfurter Raum. Anbieter wie Liqid bewegen sich in einem anderen Kundensegment mit größeren Anlagesummen.

Wie sieht die Kundenbetreuung bei Ihnen aus? Können Anleger auch personalisierte Strategien wählen oder sind die Portfolios standardisiert?

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Dreiskämper: Im Hintergrund arbeiten wir mit sieben Standardportfolios. Jeder Kunde hat natürlich sein eigenes Depot, das überwacht wird und einen Algorithmus zur individuellen Steuerung hat. Die Grundlage bleibt aber ein standardisiertes Portfolio, das wir regelmäßig überwachen und neu kalibrieren. Auf der Serviceseite bieten wir Online-Unterstützung und ein Serviceteam für telefonische Anfragen. Es gibt aber keine persönlich zugeordneten Berater.

Haben Sie ein eigenes Investmentteam oder arbeiten Sie mit externen Partnern für die Portfoliosteuerung zusammen? Wie oft wird das Portfolio angepasst?

Dreiskämper: Wir haben bei Fidelity ein Investment Committee, das die strategische Allokation einmal jährlich überprüft. Darunter gibt es taktische Anpassungen, die bis zu dreimal im Monat im Rahmen von 5 bis 10 Prozent vorgenommen werden können. Die Portfolios werden täglich überwacht. Zusätzlich haben wir individuelle Portfoliomanager in den verschiedenen Märkten, die innerhalb ihrer Strategien unabhängig agieren können.

Spielt KI bei Ihnen eine Rolle in der Strategieentwicklung? Falls nicht, planen Sie einen künftigen Einsatz?

Dreiskämper: Aktuell nutzen wir keine KI. Ich sehe den sinnvollen Einsatz vor allem in der Aktienanalyse und der Auswertung von Informationen. Dort können sich die Portfoliomanager durch KI-Unterstützung viel Arbeit erleichtern. KI-optimierte mathematische Modelle sehe ich noch nicht als überlegen an gegenüber menschlich entwickelten Modellen, da sie auf denselben Daten basieren. Komplett KI-entwickelte Anlagemodelle sind derzeit nicht geplant.

Wie sehen Ihre Wachstumsziele und Pläne für die nächsten Monate und Jahre aus? Sind möglicherweise neue Anlagestrategien geplant?

Dreiskämper: Wir planen, unser Portfolio an Strategien zu erweitern, beispielsweise durch kostengünstigere Modelle neben unserem aktiven Ansatz. Ein weiterer Fokus liegt auf der Verbesserung unseres digitalen Auftritts und dem Launch einer App. Aktuell haben wir noch separate Login-Bereiche, die wir zusammenführen wollen, um das Kundenerlebnis ganzheitlicher zu gestalten.