Wer heute sein Geld anlegen will, hat die Qual der Wahl – auch bei den digitalen Angeboten. Robo-Advisors nehmen Anlegern als algorithmische Vermögensverwalter die Arbeit ab: Sie beantworten Fragen zu Ihrer Risikoneigung und Anlagezielen, der Robo erledigt den Rest – von der Portfoliozusammenstellung bis zur regelmäßigen Optimierung.

Aber welcher der zahlreichen Anbieter passt am besten zu welchen Anlegerbedürfnissen? In unserer neuen Serie stellen wir Ihnen wöchentlich zwei Robo-Advisors vor und beleuchten ihre Strategien, Gebührenmodelle und Besonderheiten. Heute: Liqid.

Seit seiner Gründung im Jahr 2016 hat sich Liqid als digitaler Vermögensverwalter mit einem hybriden Betreuungsmodell etabliert. Der Robo-Advisor verwaltet mittlerweile ein Vermögen von über 3 Milliarden Euro und verbindet dabei die Expertise einer globalen Privatbank mit der Effizienz automatisierter Anlagelösungen.

Anlagestrategien und Portfolio-Management

Bei einer Mindestanlagesumme von 100.000 Euro bietet Liqid drei Hauptstrategien an:

  1. Passive Strategie (Global): Regelbasierte, algorithmische Steuerung mit ETFs
  2. Aktive Strategie: Aktives Management durch ein Investmentteam
  3. Nachhaltige Strategie (Global Future): Nachhaltigkeitsorientierte Variante mit ESG-Kriterien

Zusätzlich wurde als Reaktion auf die Zinswende eine kurzlaufende Vermögensverwaltungsstrategie eingeführt, die in geldmarktnahe Instrumente und kurzlaufende Anleihen investiert. 

Jede dieser Strategien ist in verschiedenen Risikostufen verfügbar, wodurch sich insgesamt 60 verschiedene Anlagevarianten ergeben. Seit 2024 können die Portfolios auch mit Private-Equity-Investments kombiniert werden. 

Projizierte jährliche Rendite der verschiedenen Strategien.
Projizierte jährliche Rendite der verschiedenen Strategien. © Liqid

Die Performance der Hauptstrategien im Jahr 2024 ist beachtlich:

  • Liqid Global 100 erzielte 23 Prozent
  • Liqid Global Future 100 kam auf 17,6 Prozent
  • Liqid Select 100 erreichte 21,4 Prozent
Entwicklung der Strategie Global 60 im Vergleich zum Marktdurchschnitt.
Entwicklung der Strategie Global 60 im Vergleich zum Marktdurchschnitt. © Liqid

Die Gesamtkosten setzen sich aus Verwaltungsgebühren zwischen 0,25 Prozent und 0,90 Prozent pro Jahr zusammen, abhängig von der gewählten Strategie und der Höhe des Anlagebetrags, zuzüglich durchschnittlicher Fondskosten von etwa 0,17 Prozent bis 0,25 Prozent pro Jahr. Die Kosten sinken dabei mit steigendem Anlagevolumen.

Investmentprozess und Partnerschaften

Mit einem spezialisierten Expertenteam erfolgt die Portfoliokonstruktion in Zusammenarbeit mit der LGT Bank aus Liechtenstein. Bei den passiven Strategien kommt ein quantitatives Scoring-Modell zum Einsatz, das ETFs nach verschiedenen Kriterien wie Tracking Difference, Kosten und Liquidität bewertet. Die aktiven Strategien profitieren vom Research der LGT Bank, deren Experten die Managerauswahl und Portfolioallokation verantworten.

Zielgruppe und Kundenstruktur

Mit über 10.000 aktiven Kunden und einem durchschnittlichen Anlagevolumen von rund 300.000 Euro pro Kunde (ausgenommen Liqid Private Equity NXT) zielt Liqid auf das gehobene Privatkundensegment mit Anlagevolumina zwischen 100.000 Euro (in einigen Fällen auch 50.000 Euro) und 3 Millionen Euro ab.

Jakob Hafner
Jakob Hafner © Liqid

„Die Mehrzahl unserer Kunden sind zwischen 40 und 65 Jahren alt“, erläutert Jakob Hafner, Investment Product Lead bei Liqid. „Mit Liqid Private Equity NXT gewinnen wir nun zunehmend auch jüngere Anleger. Besonders in der Altersgruppe zwischen 30 und 40 Jahren verzeichnen wir starke Zuwächse – vor allem bei Young Professionals aus Branchen wie Consulting oder Finance.“

Die Kundengewinnung erfolgt über verschiedene Kanäle wie digitales Marketing, Präsenz in Wirtschaftsmedien (Handelsblatt, Zeit, Manager Magazin, Capital), Kundenevents in verschiedenen deutschen Städten sowie Empfehlungsmarketing.

Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmale

Im Vergleich zu klassischen Robo-Advisors hebt sich Liqid durch sein einzigartiges Geschäftsmodell ab. Die strategische Partnerschaft mit der LGT Bank verleiht dem Anbieter eine besondere Expertise in der Vermögensverwaltung. Anders als bei vielen digitalen Vermögensverwaltern setzt Liqid auf ein hybrides Betreuungskonzept: Kunden profitieren nicht nur von der digitalen Plattform, sondern haben auch einen persönlichen Ansprechpartner, den sie in den Standorten Berlin und München treffen können.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Möglichkeit, klassische Anlagestrategien mit Private-Equity-Investments zu kombinieren – ein Angebot, das besonders für vermögende Privatanleger interessant ist.

„Unsere Kunden profitieren von der persönlichen Betreuung durch einen festen Ansprechpartner – telefonisch oder vor Ort in Berlin und München“, sagt Hafner. „Gleichzeitig bieten wir natürlich die Vorteile eines digitalen Vermögensverwalters: Vom bequemen digitalen Onboarding bis hin zum täglich verfügbaren, individuellen Dashboard.“

Ausweitung der Anlagemöglichkeiten geplant

Für die Zukunft plant Liqid die weitere Demokratisierung von Private-Market-Investments und die Ausweitung der Anlagemöglichkeiten. Der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung Family-Office-ähnlicher Allokationen für private Anleger.