Trotz eines starken Börsenjahres 2024 können digitale Vermögensverwalter in Deutschland kaum profitieren. Das zeigt die vierte Ausgabe der Studie „Asset Management im Robo-Advisory“ des Leipziger Vermögensverwalters Evergreen. Für die Studie hat das Unternehmen 21 deutsche Robo-Advisor untersucht – mit einem ernüchternden Fazit: Ohne strategische Neuausrichtung droht vielen Anbietern das Aus.
„Die zahlreichen Abrufe unserer Vorjahresstudie haben gezeigt, dass der Bedarf nach fundierter Einordnung des Robo-Advisory-Markts weiterhin hoch ist“, sagt Iven Kurz, Geschäftsführer und Gründer von Evergreen. Ein Kernthema sei die strategische Differenzierung über Zielgruppen, Mindestanlagesummen und Vertriebswege gewesen.
Drei Strategien dominieren den Markt
Die Studie unterteilt die Robo-Advisor in drei Hauptkategorien:
- Vertriebsorientierte Lösungen wie Bevestor (Sparkassen), Robin (Deutsche Bank) oder Cominvest (Commerzbank) nutzen die digitalen Angebote primär als zusätzlichen Vertriebskanal für hauseigene Produkte.
- Die zweite Gruppe bilden Allrounder wie Evergreen, Gerd Kommer Capital, Ginmon oder Growney. Sie zeichnen sich durch niedrige Einstiegshürden – Mindestanlagen bis 500 Euro – und eigene digitale Plattformen aus. Diese Anbieter sprechen vornehmlich digital affine Privatanleger an.
- Die dritte Kategorie fokussiert sich auf vermögende Kunden. Anbieter wie Estably, Solidvest oder Zeedin verlangen Mindestanlagen ab 10.000 Euro und bieten dafür umfassende Beratung. Einen Sonderfall stellt Liqid dar, das mit einer Mindestanlage von 100.000 Euro und Investments in geschlossene Fonds ausschließlich vermögende Anleger anspricht.
Servicegebühren dominieren die Kostenstruktur
Die Kostenanalyse offenbart ein zentrales Problem: Bei den meisten Robo-Advisorn macht die Servicegebühr den Löwenanteil der Gesamtkosten aus. Diese liegt je nach Anbieter zwischen 0,35 und 1,18 Prozent pro Jahr. Hinzu kommen Depotkosten, ETF-Gebühren und Transaktionskosten.
„Dies ist angesichts des Geschäftsmodells der Robo-Advisor, das hauptsächlich auf der Bereitstellung von Fremdprodukten basiert, insofern interessant, da diese Fremdprodukte in der Regel auch selbstständig erworben werden können“, heißt es in der Studie. Die meisten Anbieter setzen auf passive ETF-Strategien mit statischer Asset-Allokation, die wenig Verwaltungsaufwand erfordern.
Besonders kritisch sehen die Studienautoren das Preis-Leistungs-Verhältnis. Viele Robo-Advisor rechtfertigen ihre Gebühren hauptsächlich durch die Bereitstellung der digitalen Plattform und des Kundenservice – Leistungen, die der Analyse zufolge angesichts der Anlagestrategien überteuert erscheinen.
Niedrigere Performance trotz Börsenboom
Die Performance-Analyse für 2024 zeigt ein gemischtes Bild. Zwar erzielten die meisten Robo-Advisor positive Renditen, diese blieben jedoch häufig unter vergleichbaren ETF-Benchmarks. Die Renditen bewegten sich überwiegend im Bereich von 5 bis 15 Prozent.
Der Großteil der Strategien weist dabei laut Untersuchung ein Risiko-Rendite-Profil auf, das einem 30/70- oder 40/60-Portfolio (Aktien/Anleihen) ähnelt. Wie bereits die letztjährige Studie gezeigt hat, handelt es sich bei den gewählten Strategien jedoch häufig um 50/50- oder sogar 60/40-Allokationen. Das bedeutet: Diese Strategien erzielten trotz eines im Verhältnis höheren Risikoprofils – auch wenn dies in der Volatilität des Jahres 2024 nicht direkt sichtbar ist – insgesamt eine geringere Rendite.
B2B-Geschäft als Rettungsanker
Angesichts stagnierender Kundenzahlen und verwalteter Vermögen setzen immer mehr Robo-Advisor auf B2B-Geschäftsmodelle. „Diese gelten als vielversprechende Option, da sich Dienstleistungen an Unternehmenskunden mit deutlich geringeren Marketingkosten verkaufen lassen“, heißt es in der Studie.
Evergreen und Investify bieten ihre Technologie als API-Lösung an, Whitebox und Growney ermöglichen White-Label-Integrationen. Scalable Capital betreut den Robo-Advisor Oskar, während Investify sich auf die Bereitstellung technischer Infrastruktur für klassische Vermögensverwalter spezialisiert hat.
Wachsender Konkurrenzdruck durch Neobroker
Der größte Druck kommt von Neobrokern wie Trade Republic und Neobanken wie Revolut. Sie bieten Privatanlegern einen besonders einfachen und kostengünstigen Zugang zum Kapitalmarkt. Dieser Trend könnte sich durch das verstärkte Werben von Neobanken und Brokern um Asset-Management-Kunden weiter verstärken. „Diese Unternehmen verfügen häufig über deutlich mehr Kapital und können entsprechend breit angelegte Marketingkampagnen durchführen“, warnt die Studie.
Symptomatisch für diese Entwicklung: Scalable Capital, einer der größten deutschen Robo-Advisor, konzentriert sich verstärkt auf sein Neobroker-Geschäft. Der Aufstieg von Trade Republic scheint diese Strategie zu bestätigen.
Düstere Aussichten für 2025
Für das kommende Jahr zeichnet die Studie ein düsteres Bild. Trotz potenziell weiter sinkender Zinsen, die eigentlich neue Anleger anlocken sollten, bleibt das Wachstum aus. „Eine Konsolidierung des Marktes steht weiterhin aus“, heißt es in der Analyse. Die Wahrscheinlichkeit steige, dass unprofitable Anbieter vom Markt verschwinden oder nur geringe Verkaufserlöse erzielen.
Als mögliche Überlebensstrategien identifiziert die Studie drei Ansätze:
- Die Fokussierung auf vermögende Kunden im Wealth-Ansatz,
- die Einbindung alternativer Assetklassen wie Eltif-Produkte
- oder den vollständigen Rückzug ins B2B-Geschäft.
Für viele Anbieter stelle sich die Frage, ob sie ihr Endkundengeschäft komplett aufgeben und zu reinen Technologie-Dienstleistern werden sollten.
Über die Studie und Evergreen
Im Rahmen dieser Studie wurden 21 Robo-Advisor untersucht. Die verwendeten Daten und Informationen stammen laut Evergreen hauptsächlich aus den Webauftritten der jeweiligen Robo-Advisor. Die Daten für die Auswertung der Performance-Entwicklung hat das Vergleichsportal geldanlage-digital.de zur Verfügung gestellt.
Evergreen ist ein digitaler Vermögensverwalter und Asset Manager mit Sitz in Leipzig. Das 2018 von Iven Kurz gegründet Unternehmen bietet Anlagelösungen für Privatkunden und B2B-Partner an. Die Fonds und Anlageprodukte von Evergreen werden nach nachhaltigen Gesichtspunkten zusammengestellt und aktuell von über 21.000 Kundinnen und Kunden genutzt.
Mehr Infos zu unterschiedlichen Robo-Anbieter finden Sie hier:
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