Andreas Beys (Kolumnist)Lesedauer: 9 Minuten

Sauren-Profi Andreas Beys „Robo-Studie wirft neues Licht auf Aktiv-passiv-Debatte“

Roboter-Huftier auf einer Messe in Ningbo/China
Roboter-Huftier auf einer Messe in Ningbo/China: Robo-Investoren beherrschen ihr Handwerk keinesfalls besser als menschliche Anlageprofis, meint Andreas Beys von der Fondsgesellschaft Sauren. | Foto: imago images / Xinhua
Andreas Beys, Foto: Sauren

Eine intensiv geführte Diskussion erlebt in diesen Tagen neues Futter. Viele digitale Vermögensverwalter, sogenannte Robo-Advisor, die Indexfonds einsetzen und ihren Anlegern eine auf wissenschaftlicher Basis professionelle Vermögensverwaltung versprechen, locken mit verlässlich höheren Renditen als bei gängigen Vermögensanlagen und Vermögensverwaltungen – insbesondere nach Kosten. Bisher fehlte jedoch der Nachweis, ob sich die Theorie dieser Finanzdienstleister auch erfolgreich in der Praxis umsetzen lässt. Fondsconsult hat nun mit seiner 3. Robo-Advisor-Studie etwas Licht in die Leistungen digitaler Vermögensverwalter gebracht. Die Ergebnisse der Studie sind ernüchternd. Bei genauerer Betrachtung überraschen sie aber nicht. Sie helfen jedoch, einige wichtige Missverständnisse in Sachen aktiv versus passiv auszuräumen.

Aktiv-passiv-Debatte pauschal geführt

Gerade bei Privatanlegern führt die öffentliche Diskussion über aktives oder passives Anlegen teils zu großen Missverständnissen. Immer mehr Anleger bewerten beispielsweise die bekannten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus den USA zu diesem Thema über. Sie nehmen sie als generellen Nachweis für die langfristige Überlegenheit von günstigen Indexfonds.

Fachlich gesehen ist diese Betrachtungsweise zu pauschal. Vor allem ist es ein Trugschluss, dass sich diese wissenschaftlichen Erkenntnisse bezogen auf Standard-Aktien USA – zu anderen Marktsegmenten gibt es keine anerkannten wissenschaftlichen Arbeiten zu aktiv versus passiv – ohne Weiteres übertragen lassen. Etwa auf multi-regionale Aktien (zum Beispiel Aktien Global), eine andere Anlageklasse (zum Beispiel Anleihen) oder auf den Bereich Multi-Asset.

Zudem muss man bedenken, dass die Wissenschaftler bekannter Arbeiten zum Thema aktiv versus passiv auf Datenbanken zurückgegriffen haben, die vor allem quantitative Daten wie Wertenwicklung und Risikokennzahlen bereitstellen. Die Einflüsse zum Beispiel von Fondsmanager-Wechseln oder Fondsvolumen-Veränderungen auf die Leistungen der Fonds wurden kaum berücksichtigt. Zieht man diese Faktoren hinzu, verändert sich automatisch die Datenlage und damit auch die Wertung.

Ein Beispiel aus der Praxis: Fondsmanager Eric Bendahan. Als Senior Fondsmanager ist er seit zwei Jahrzehnten aktiv und verfolgt eine eher pragmatische Anlagephilosophie mit Ausrichtung auf europäische Aktien. Von 2005 bis September 2014 konnte der Bendahan mit seinem Oyster European Opportunities seinen Vergleichsindex nach Kosten pro Jahr um circa 0,9 Prozent per annum schlagen (siehe Chart).

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Eric Bendahan verließ im September 2014 die Fondsgesellschaft Oyster und verwaltet seit 2015 den Eleva European Selection. Seitdem konnte er seine Outperformance nach Kosten zum Vergleichsindex sogar auf 2,7 Prozent p.a. ausweiten, während sein alter Fonds vom Nachfolger eher durchschnittlich erfolgreich verwaltet wurde (siehe folgenden Chartvergleich).

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Man sieht deutlich, dass Herr Bendahan über relativ verlässliche Fähigkeiten verfügt, nach Kosten eine höhere Rendite als der Markt zu erzielen, und dies über einen langen Zeitraum. Es gibt ausreichend viele Beispiele, um mit Hilfe solcher Fondsmanager ganze Portfolien bestücken und verwalten zu können. Das zeigt: Aktive Fonds müssen qualifizierter analysiert werden, als es Datenbanken tun können. Datenbankwissen führt jedenfalls nicht per se zu einem endgültigen und überlegenen Gesamtüberblick. Es ist meist nur der Anfang einer qualifizierten Fondsanalyse.

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