Sauren-Profi Andreas Beys „Robo-Studie wirft neues Licht auf Aktiv-passiv-Debatte“
Neben den Leistungswerten der Robo-Advisor kann auch der Blick auf Dachfonds helfen, die ebenfalls via Indexfonds Kundengelder verwalten. Der Vorteil von ETF-Dachfonds für Außenstehende ist, dass diese die Performance und somit die kumulierte Leistung des Portfoliomanagers – inklusive der eingesetzten Fondsprodukte nach Kosten – deutlich transparenter messen können. Im Sinne des Verbraucherschutzes sollte man auch von den Robo-Advisorn fordern, dass diese ihre Strategien als Dachfonds anbieten.
Der Blick auf ETF-Dachfonds ist auch deshalb wichtig, weil bei ihnen deutlich längere Erfolgsnachweise in Sachen Vermögensverwaltung mit Indexfonds vorliegen als bei Robo-Advisorn. Bereits im Jahr 2007 beziehungsweise 2008 hat Veritas die ersten Dachfonds aufgelegt, die Kundengelder ausschließlich mit ETFs verwalten. Der mit einem ausgewogenen bis chancenorietierten Ertrags-Risiko-Niveau verwaltete Veri ETF Dachfonds (DE0005561674) hat seit Auflage 2007 bis zum 31. Dezember 2020 eine Wertentwicklung von circa 47 Prozent nach Kosten erzielt. Im Vergleich zu vielen aktiv verwalteten Fonds mit vergleichbarem Ertrags-Risiko-Profil ist das ein eher enttäuschendes Ergebnis. So würde der oben erwähnte Veri ETF Dachfonds auch im Vergleich zu den ausgewogen anlegenden Robo-Advisorn auf ein Jahr und zwei Jahre einen schlechteren Platz einnehmen (-5,90 Prozent beziehungsweise 0,68 Prozent nach Kosten). Dagegen hätte der ETF-Dachfonds BSF Managed Index Portfolio, aufgelegt am 10. April 2015 von Blackrock, im Robo-Advisor-Vergleich nach Kosten einen Spitzenplatz eingenommen (ein Jahr: -0,55 Prozent, zwei Jahre: 18,30 Prozent).
Aktivität der Verwalter entscheidend
Die Fondsconsult-Robo-Advisor-Studie 2021 deckt enorme Unterschiede in der Wertentwicklung zwischen Vermögensverwaltern und Dachfondsmanager auf, die via Indexfonds anlegen. Dies lässt auch die Annahme zu, dass ähnliche Beobachtungen festzustellen sind, wenn man sich die Anlageerfolge von Anlageberatern oder Privatanlegern anschauen könnte, die hauptsächlich via Indexfonds Geld anlegen. Anlegen mit Indexfonds führt somit jedenfalls nicht per se zu mehr Rendite nach Kosten.
Die zum Teil deutlichen Performance-Unterschiede machen deutlich, dass die Kosten eines Vermögensverwalters oder eines Dachfondsmanagers sowie die Kosten der Anlageprodukte nur einen relativ geringen Einfluss auf den Gesamterfolg haben. Es sind vielmehr die Strategien beziehungsweise Fähigkeiten und somit die Aktivitäten der Verwalter, die darüber entscheiden, ob Anleger zufriedenstellende Renditen erzielen können oder nicht. Deshalb sollte bei der Auswahl eines Verwalters auch die Überprüfung der Verwalterqualität im Vordergrund stehen. Bei der Kostenanalyse sollte der Fokus auf den Gebühren liegen, die der Portfolioverwalter verlangt (und wofür) und weniger, ob dieser Indexfonds oder aktive Fonds einsetzt.
Das Beispiel Eric Bendahan zeigt, dass regional aktive Fondsmanager nach Kosten auch regelmäßig deutliche Mehrwerte zum Vergleichsindex liefern können. Sie können somit für Verwalter, die über entsprechende Fondsauswahl-Qualitäten verfügen, die bessere Wahl sein. Nicht überraschend, dass Portfoliomanager, die auf aktiv verwaltete Fonds wie die von Eric Bendahan setzen, aufgrund des deutlich höheren Research-Aufwands auch höhere Verwaltungsgebühren aufrufen müssen als Verwalter, die lediglich in Indexfonds anlegen. Entscheidend ist, welche Ergebnisse am Ende nach Kosten erzielt werden.
Fazit
Schaut man sich die Gesamtergebnisse von Verwaltungsstrategien an, die mit Indexprodukten anlegen, lässt sich feststellen: Wie bei anderen Anlageformen gibt es auch hier eine enorme Bandbreite an Leistungsergebnissen. Anlegen mit Indexfonds ist somit nicht per se erfolgreich. Nicht die Kosten der eingesetzten Produkte sind für die Gesamtrendite entscheidend, sondern die Aktivitäten und somit die langfristigen Qualitäten der Portfoliomanager. Je langfristiger die Gesamtstrategie nachweisbar nach Kosten funktioniert, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich der Erfolg fortsetzen kann.
Welche der vielen Indexfonds-Portfolio-Ansätze langfristig zufriedenstellende Ergebnisse liefern werden, lässt sich derzeit noch nicht feststellen. Mehr Transparenz in Sachen Leistungsfähigkeit wäre aber sehr hilfreich. Während bei Vermögensverwaltungen im Fondsmantel ein sehr hohes Maß an Leistungstransparenz inklusive Kostennachweis vorhanden ist, müssen sich Anleger bei Vermögensverwaltungen ohne Fondsmantel auf Studienergebnisse wie die von Fondsconsult verlassen. Für den Verbraucher wäre es generell vorteilhafter, wenn Fonds-Vermögensverwaltungen ihre Verwaltungsstrategien auch als Dachfondsvariante anbieten würden.
Über den Autor:
Anlage- und Steuerexperte Andreas Beys ist Finanzvorstand des Kölner Dachfondshauses Sauren. Er ist außerdem Mitglied im Steuerausschuss und im Altersvorsorgeausschuss des deutschen Fondsverbands BVI.



