LinkedIn DAS INVESTMENT
Suche

Themen-Experte Märkte verstehen, Chancen nutzen

ANZEIGE
Aktualisiert am in Märkte verstehen, Chancen nutzenLesedauer: 8 Minuten
ANZEIGE

Alternde Bevölkerung Robotik wird zum Mega-Anlagethema

Seite 2 / 2

Bremst die Alterung das Wachstum?

In vielen Industrieländern und in China wird es in den nächsten 20 Jahren weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter geben (siehe die orangen Balken in Grafik 2). Die Folgen der Alterung auf das Wachstum lassen sich jedoch abmildern. Eine Möglichkeit, ihr Schrumpfen zu kompensieren, besteht darin, den Beitrag von Frauen, unterrepräsentierten Gruppen und Personen kurz vor oder im Rentenalter in die Erwerbstätigkeit zu holen. Alternativ kann man auch versuchen, Arbeitskräfte aus anderen Ländern anzuwerben.

Dank eines variablen Mixes aus diesen Maßnahmen ist in den vergangenen 20 Jahren die Erwerbsbevölkerung in den G7-Staaten gewachsen und in der Folge auch die dortige Wirtschaft (siehe Grafik 2). In Kanada, den USA und Großbritannien wurde der Effekt der Zunahme der Erwerbstätigen durch Zuwanderung (gelbe Balken) sowie – außer in den USA – durch eine steigende Erwerbsbeteiligung anderer Gruppen (rosa Balken) dadurch verstärkt, dass die Bevölkerung im Erwerbsalter (orange Balken) weiter zugenommen hat und sich auch die Beschäftigungsquote leicht erhöhte, da mehr Arbeitssuchende einen Arbeitsplatz fanden (grüne Balken). In Europa reichte der Schub durch die Migration und eine höhere Erwerbsbeteiligung, um die rückläufige Zahl der Menschen im Erwerbsalter wettzumachen. Nicht so in Japan, obwohl dort die Erwerbsbeteiligungsquote anderer Gruppen vergleichsweise stark zugenommen hat.

Zukunft der Arbeitsmärkte: Frauen und Migration als Schlüssel zum Wachstum trotz alternder Bevölkerung

Deutlich anders stellt sich die Lage jedoch für die kommenden 20 Jahre dar. Sehen wir uns zunächst den potenziellen Beitrag der Erwerbsbeteiligung und der Migration zum künftigen Zuwachs der Erwerbstätigen an. Bei der Erwerbsbeteiligung gehen wir davon aus, dass in den Industrieländern im selben Tempo wie bislang mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt drängen werden, sodass sich die bestehende geschlechtsspezifische Lücke sukzessive schließen wird. Außerdem dürfte sich das durchschnittliche Renteneintrittsalter dem gesetzlichen Rentenalter in den jeweiligen Ländern annähern. In den USA, Großbritannien und Kanada würde dieser Anstieg der Erwerbsbeteiligung ausreichen, um den Alterungseffekt weitgehend zu kompensieren (in der Grafik 2 sind die rosa Balken größer als die orangen) – aber nicht in Europa und Japan.

Was die Zuwanderung betrifft, so gehen wir von Migrationstrends aus, die sich wieder auf das Niveau vor der Pandemie einpendeln werden. In Kanada und Großbritannien hatte sie in den letzten drei Jahren deutlich zugenommen, wie nationale Statistiken zeigen. Auch wenn wir davon ausgehen, dass die Zuwanderung sich wieder auf Vor-Corona-Niveau verlangsamt, dürfte sie in den nächsten 20 Jahren in Kanada, Großbritannien und den USA erheblich zum Anstieg der Erwerbsbevölkerung beitragen, während ihr Beitrag in Europa und Japan geringer ausfallen wird. Setzen sich die aktuellen Migrationstrends in Kanada und Großbritannien fort, würde das den Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter fast vollständig kompensieren.

 

Uns ist aber bewusst, dass sich Migrationstrends nur schwer präzise vorhersagen lassen, zumal Einwanderung in vielen Ländern ein heikles politisches Thema geworden ist. Aber wie die schwarzen Punkte in der Grafik 2 zeigen (und unter Berücksichtigung der obigen Annahmen), dürfte der geschätzte Anstieg der Erwerbsbevölkerung durch Migration sowie die Beteiligung von Frauen und über 60-Jährigen wohl kaum ausreichen, dass die Erwerbsbevölkerung weiter so schnell wächst wie bisher beziehungsweise in Europa und Japan nicht schrumpft. Einige Länder könnten daher versuchen, angesichts einer kleineren Erwerbsbevölkerung die Produktivität zu steigern, etwa durch Investitionen in die Automatisierung.

Grafik 2: Anpassung allein kann die Folgen der Alterung nicht kompensieren. Beiträge zum Wachstum der Erwerbsbevölkerung, letzte 20 Jahre und nächste 20 Jahre im Vergleich

Quelle: BlackRock Investment Institute, OECD und Vereinte Nationen (UN) mit Daten von Haver, März 2024. Anmerkung: Die schwarzen Punkte zeigen den durchschnittlichen jährlichen Beitrag zum Wachstum der Erwerbsbevölkerung durch Migration, Bevölkerungswachstum, Erwerbsbeteiligung und Beschäftigungsquote der angegebenen Länder in den letzten 20 Jahren und gemäß Schätzungen in den nächsten 20 Jahren. Bei den Projektionen gehen wir davon aus, dass sich die Migrationstrends vor der Pandemie (2017-2019) fortsetzen, die Erwerbsbeteiligung von Frauen weiter gemäß dem Trend von 2015-2019 steigt und das tatsächliche Renteneintrittsalter das derzeit gesetzlich festgelegte Rentenalter erreicht. Die beiden zuletzt genannten Faktoren ergeben zusammen den geschätzten Beitrag der Erwerbsbeteiligung. Die Angaben für die Eurozone entsprechen dem gewichteten Durchschnitt von Italien, Deutschland und Frankreich.

Laut einer Studie (Acemoglu und Restrepo 2021) wurde in Ländern mit alternder Bevölkerung in den vergangenen 30 Jahren tatsächlich verstärkt in Robotertechnik investiert. Die Autoren kommen in der Studie zu dem Schluss, dass mit der Automatisierung auch die Produktivität steigt. Roboter kommen bislang vor allem in der Fertigung zum Einsatz. Fortschritte dank künstlicher Intelligenz könnten künftig weitere Produktivitätsgewinne ermöglichen – auch in Dienstleistungsbranchen – und so stärker dienstleistungsorientierten Ländern zugutekommen. Das ist eine Entwicklung, die wir sehr genau im Blick behalten.

Warum ist das Thema Demografie für Anleger wichtig?

Wir glauben, dass die demografischen Trends und ihre Auswirkungen auf Wachstum, Inflation, Zinsen und Staatsverschuldung erhebliche Anlagechancen bieten können, aber auch Risiken bergen, die Anleger berücksichtigen sollten. Obwohl wir mit vergleichbaren Trends in Ländern mit schrumpfender Bevölkerung im Erwerbsalter rechnen, erwarten wir große Unterschiede zwischen den Ländern und Sektoren, je nachdem, wie schnell und weitreichend sich der demografische Wandel vollzieht und wie die Politik darauf reagiert. Von dieser Divergenz können Anleger unseres Erachtens profitieren, indem sie selektiv vorgehen und dynamisch anlegen.

 

 

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen
PDF nur für Sie. Weitergabe? Fragen Sie uns.