Patrick Kolb, Portfoliomanager globale Aktien bei Credit Suisse, sieht beim Thema Robotik noch viel Potenzial - auch für Anleger

Patrick Kolb, Portfoliomanager globale Aktien bei Credit Suisse, sieht beim Thema Robotik noch viel Potenzial - auch für Anleger

Robotik-Revolution

„Wir stehen am Anfang eines lang anhaltenden Wachstumszyklus“

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Viele Menschen assoziieren „Roboter“ mit den mechanischen Helden der modernen Science-Fiction-Filme. Tatsächlich entsprechen moderne Roboter diesem „Stereotyp“ wenig. Vielmehr erledigen sie Dinge, zu denen der Mensch nicht in der Lage ist (zum Beispiel den Mars erkunden) oder die heikel sind (zum Beispiel Bomben entschärfen). Ein Roboter ist ein mechanischer oder ein virtuell künstlicher Agent. In der Regel handelt es sich um eine elektromechanische Maschine, die über ein Computerprogramm oder einen elektromechanischen Schaltkreis gesteuert wird. Es existieren autonome und halbautonome Roboter. Ihre Bandbreite reicht von Humanoiden (wie dem Roboter Asimo von Honda) über Industrieroboter, Roboter in der Medizintechnologie, kollektiv programmierte Schwarmroboter, unbemannte Flugkörper bis hin zu mikroskopischen Nanorobotern und automatisierten Anlageberatern (die sogenannten „Robo-Advisors“).
 
Im Zuge des technologischen Fortschritts werden die Maschinen flexibler und zuverlässiger, wodurch sich ihre Einsatzmöglichkeiten erweitern. Schon heute sind die Roboter dem Menschen in ihrer Leistung ebenbürtig oder können sie sogar verbessern. Deshalb haben Robotik-Lösungen bereits in allen Bereichen unserer Gesellschaft Einzug gehalten und sie werden sowohl die Unternehmen als auch unser tägliches Leben noch weiter verändern. In Zukunft sollten Roboter idealerweise Aufgaben erfüllen, bei denen der Einsatz menschlicher Arbeit tendenziell suboptimal wäre, wie beispielsweise:
  • Operative Bereiche mit hohen Arbeitskosten: In vielen Gebieten können Roboter eine kostensparende Alternative darstellen.
  • Funktionen, die Menschen nicht ausführen können, wollen oder sollten (z. B. Aufgaben, die für Menschen gefährlich oder schwierig sind oder monotone und repetitive Tätigkeiten).
  • Bereiche, in denen menschliche Fähigkeiten nicht ausreichen bzw. die ausgesprochen komplex sind (z. B. Datamining, schnelle Datenanalyse).
  • Einsatzkritische Anwendungen, die extreme Präzision, Flexibilität oder Geschwindigkeit erfordern.
 Roboter können also etliche Aufgaben übernehmen, die derzeit noch manuell erledigt werden, und dies oftmals effizienter und kostengünstiger. Wir glauben, die Robotik ist einer der starken Megatrends unserer Zeit, und wir stehen erst am Anfang eines langfristigen Wachstumspfads. Laut einer Studie der Bank of America Merrill Lynch sind die Durchschnittskosten bei Robotern in den vergangenen zehn Jahren um 27 Prozent gesunken und dürften in der kommenden Dekade um weitere 22 Prozent zurückgehen. Vor zehn Jahren mussten für einen modernen Schweißroboter 182.000 US-Dollar bezahlt werden, im Jahr 2014 waren es noch 133.000 US-Dollar. Gleichzeitig wird die Technologie mit der Zeit immer ausgefeilter.
 
Das Marktpotenzial der Robotik ist eindrucksvoll: Laut der Boston Consulting Group (BCG) dürften die weltweiten Ausgaben für Robotik von 15 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 bis 2025 auf 67 Milliarden US-Dollar ansteigen; dies entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 9 Prozent (siehe Abbildung 1).

Weltweiter Robotik-Markt (in Milliarden US-Dollar)


Quelle: The Boston Consulting Group

Hauptwachstumstreiber sind sinkende Komponentenpreise sowie Leistungssteigerungen der Prozessoren. Mit höherer Rechenleistung sinken die Kosten für qualitativ hochwertige Roboter und deren Komponenten rapide. Zudem wird die Programmierung der einzelnen Anwendungen ständig einfacher. Folglich werden Roboter günstiger, kleiner und energieeffizienter. Damit gewinnen sie nicht nur an Flexibilität, sondern auch an Finesse – und das Feld der zukünftigen Anwendungsmöglichkeiten wird breiter, sodass Roboter unseren Alltag immer stärker beeinflussen werden.
 
Als Verbraucher und Bürger werden wir zweifellos vom Erfolg der Robotik profitieren. Allerdings werden wir uns auch mit neuen Herausforderungen im Bereich der Beschäftigung sowie der Aus- und Weiterbildung auseinandersetzen müssen. Durch die Ausweitung des Robotereinsatzes könnten Arbeitsplätze neu zu definieren sein oder sogar wegfallen. Laut einer vom Pew Research Center durchgeführten Expertenbefragung teilen rund 48 Prozent der Befragten die Sorge, dass im Zuge der aktuellen Entwicklungen in der Robotik die Einkommensungleichheiten zunehmen werden. Möglicherweise werden zahlreiche Menschen keine Chance mehr haben, einen Arbeitsplatz zu finden. Einige befürchten sogar einen Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung.
 
Gerade wegen ihres großen Potenzials, Geschäftsprozesse zu revolutionieren und die Effizienz zu steigern, werden die Investitionen in die Robotik zunehmen. Diese Entwicklung wird jedoch auch mit neuartigen Bedrohungen einhergehen. So dürfte beispielsweise die Wahrscheinlichkeit zunehmen, dass Hacker, aus welchen Gründen auch immer, einen Anreiz haben, Zugriff auf verschiedenste Geräte zu bekommen, wie zum Beispiel das selbstfahrende Auto. Darüber hinaus stellen sich künftig womöglich Fragen wie zum Beispiel: „Sind Roboter klüger als Menschen?“ oder „Wie selbstständig agieren autonome Waffensysteme?“
 
Wie aus Abbildung 2 hervorgeht, müssen verstärkt mehr Vorschriften und Anforderungen, insbesondere mit Blick auf Datenschutz, Privatsphäre und Sicherheit von Menschen, berücksichtigt werden.

Umfrage: Wo werden bezüglich Interaktion zwischen Mensch und Technik die heikelsten Fragen zu klären sein (meistgenannte Antworten)

>> Vergrößern
Quelle: The Economist Intelligence Unit Selbst Regierungen erkennen zunehmend, dass die Analyse großer Informationsmengen, die von zahlreichen Behörden und öffentlichen Diensten gesammelt werden, für sie von Interesse sein dürfte. Daher könnte das Anlagethema Sicherheit und Schutz in der Robotik für langfristig orientierte Anleger reizvoll sein, zumal es unserer Ansicht nach erst am Anfang eines lang anhaltenden Wachstumszyklus steht. Es ist davon auszugehen, dass die Robotertechnologie in den nächsten Jahren immense Wertschöpfungsmöglichkeiten durch geringere Arbeitskosten, höhere Sicherheits- und Schutzstandards sowie mehr Flexibilität bereithält.

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