Robuste Riesen

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(Quelle: DAS INVESTMENT) Mit dem brasilianischen Markt konnten russische Aktien im laufenden Jahr nicht mithalten, doch die beiden übrigen Mitglieder des Bric-Quartetts der vier Schwellenländer-Giganten, Indien und China, haben sie weit hinter sich gelassen. Denn der russische Markt hat anders als chinesische und indische Aktien nicht nachgegeben: Der Aktienindex RDX notierte Anfang Juni fast exakt auf dem gleichen Niveau wie zu Jahresbeginn. "Welchen besseren sicheren Hafen gibt es als Russland?", fragte die in Moskau erscheinende englischsprachige Tageszeitung "The Moscow Times" kürzlich aus diesem Anlass und erklärte auch gleich, was weiter für russische Aktien spricht: Der Rubel sei unterbewertet, russische Aktien hätten sich anders als viele andere Schwellenländer-Papiere bereits 2007 nur moderat entwickelt und seien im Vergleich zu diesen daher günstig bewertet. Und schließlich gebe es den Rohstoff-Boom, einen der wichtigsten Treiber des russischen Aktienmarkts. Die Börsen rohstoffreicher Länder wie Russland und Brasilien werden sich im laufenden Jahr besonders gut entwickeln, ist Allan Conway überzeugt. Der Leiter des Schwellenländer-Teams bei der Fondsgesellschaft Schroders erklärt: "Wir sind von der Rohstoff-Story überzeugt, denn es gibt einen strukturellen Wandel auf der Nachfrage-Seite." Das kommt zunehmend auch den russischen Energieriesen wie Lukoil, Rozneft und Gazprom zugute: Gerade hat der Premierminister Wladimir Putin angekündigt, die Ölförder-Steuern zu senken. Das bedeutet bei anhaltend hohen Preisen höhere Gewinne für die Ölkonzerne. Der Ex-Präsident sorgt gemeinsam mit seinem Nachfolger Dimitri Medwedew ohnehin für gute Stimmung: Eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Liberalisierung steht ganz oben auf ihrer Agenda, Russland soll bis 2020 eine der führenden Wirtschaftsnationen weltweit werden und die Russen ein "Volk von Investoren". Schon heute sind sie ein Volk der Konsumenten und damit die zweite wichtige Stütze der Wirtschaft: Eine wachsende Mittelschicht konsumiert immer mehr Waren, der Einzelhandelsumsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent. Und der Staat, der am Rohstoff-Boom weiter kräftig mitverdient, tritt als Großinvestor auf: Die Regierung plant Infrastrukturprojekte in dreistelliger Milliardenhöhe. Allein die Vorbereitung der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotchi an der russischen Riviera am Schwarzen Meer soll 12 Milliarden Dollar verschlingen; 30 Milliarden Dollar sollen in Eisenbahn- und Straßennetze fließen. Kapitalmarktexperten sprechen mittlerweile von einem "Dreamteam" an Russlands Spitze und sind entsprechend optimistisch für den russischen Aktienmarkt. "Wir sind der Meinung, dass Russland sich auch weiter von der aktuellen weltweiten Wachstumsschwäche lösen kann und der Binnenkonsum stark bleiben wird", schreiben die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley in einem aktuellen Schwellenländer-Report. Russland ist nun Top-Schwellenland im Modell-Portfolio der Bank.