Roeland Moraal, Robeco

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Roeland Moraal: „Wir brauchen kein Wirtschaftswachstum“

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DAS INVESTMENT.com: Im Zuge der Börsenturbulenzen sind auch Hochzinsanleihen um 6 Prozent eingebrochen. Wer hat verkauft?

Roeland Moraal: Ganz genau im Detail ist das nie zu sagen. Wir hatten ein paar Abflüsse aus dem Markt. Recht wenig von Kleinanlegern, bei den übrigen ging es querbeet. Insgesamt war das Volumen sehr gering. Aber da die Nachfrage nicht ausreichte, sind die Kurse eingebrochen.

DAS INVESTMENT.com: Klingt stark nach 2008.

Moraal: Auf den ersten Blick vielleicht. Interessant ist aber, dass trotz des Einbruchs die Quartalszahlen der Unternehmen noch immer hervorragend sind. Die Geschäftsführer bereiten sich jetzt gut auf schwerere Zeiten vor. Sie sparen Dividenden und halten so Geld in den Unternehmen. Damit fahren sie ihre Schulden zurück.

DAS INVESTMENT.com: Ein unbegründeter Kurseinbruch also?

Moraal: Europäische Hochzinsanleihen haben im Vergleich zu risikofreien Anleihen einen durchschnittlichen Renditeaufschlag von 770 Basispunkten, also 7,7 Prozentpunkten. Das macht insgesamt Renditen von etwa 9,5 Prozent im Jahr. Ein sehr dicker Puffer. Als wir zuletzt Ausfallraten wie jetzt hatten, lag der Renditeaufschlag nur bei 400 Basispunkten.

DAS INVESTMENT.com: Wenn eine Wirtschaftskrise plus kräftiger Pleitewelle kommt, nützen auch 770 Basispunkte nichts.

Moraal: So eine heftige Pleitewelle erwarte ich gar nicht, denn die Unternehmen stehen gut da. Die Cash-Bestände sind über Durchschnitt, die Verschuldungen unter Durchschnitt. Hier wirkt noch die Angst, dass sich 2008 wiederholen könnte.

DAS INVESTMENT.com: Werden Cash-Bestände nicht schrumpfen und Schulden wachsen, wenn das krachende Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre mal länger fort bleibt?

Moraal: Aktienmärkte brauchen solches Wachstum, wir nicht. High-Yield-Bonds bringen ja fest versprochene Zinsen. Hier reichen auch schwache Wachstumsraten von vielleicht einem Prozent im Jahr völlig aus. Sie sind sogar besser als ein Wirtschafts-Boom, denn dann werden die Unternehmer nicht leichtsinnig und bewahren eine gesunde Vorsicht. Außerdem sind die Emissionskonditionen, also das Kleingedruckte, in schwierigen Zeiten anlegerfreundlicher als in fetten Jahren.

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