„Rohöl ist nicht knapp“

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Der Ölpreis bestimmt wieder einmal das Geschehen an der Börse. Aktuell besorgt ein neues Rekordhoch von 135 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) Rohöl die Anleger weltweit. Zur Perspektive der Rohstoffmärkte fragte DAS INVESTMENT.com Christoph Eibl, Vorstand und Leiter des Handels der Tiberius Gruppe. Das Unternehmen aus dem schweizerischen Zug managt den Derivate-Fonds Tiberius Absolute Return Commodity (WKN: A0M6XM), der sowohl auf steigende als auch fallende Preise für verschiedene Rohstoffe setzt. 

DAS INVESTMENT.com: Wie beurteilen Sie den neuesten Ölpreisrekord? 

Christoph Eibl: Die fundamentalen Marktdaten rechtfertigen einen Preis von mehr als 130 Dollar derzeit nicht. Rohöl ist momentan nicht knapp. Der Preisdruck kommt vielmehr durch die derzeit hohe Nachfrage nach verarbeiteten Ölprodukten wie zum Beispiel Benzin zustande. 

DAS INVESTMENT.com: Viele Experten begründen die Verteuerung unter anderem mit dem rasant wachsenden Energiehunger in Asien. 

Eibl: Die Asiaten konsumieren heute schon  unter Vollgas-Bedingungen. Der Verbrauch kann dort kaum noch gesteigert werden. Außerdem ist die Weltwirtschaft auf dem Weg in die Rezession. Den Anfang machen die USA. Die Theorie, dass sich die Schwellenländer davon abkoppeln könnten, halte ich für kühn. 

DAS INVESTMENT.com: Wie wirkt sich das auf den gesamten Rohstoffmarkt aus? 

Eibl: Der vor sieben Jahren gestartete Aufwärtstrend am Rohstoffmarkt dürfte sich noch einige Jahre lang fortsetzen. Wir glauben aber, dass in diesem übergeordneten Zyklus auch Schwächephasen möglich und notwendig sind. Dieses Szenario halten wir für die kommenden Monate für wahrscheinlich. 

DAS INVESTMENT.com: Welche Rohstoffe sind für Sie derzeit trotzdem attraktiv? 

Eibl: Platin läuft wunderbar. Mehr als 80 Prozent der weltweiten Ressourcen befinden sich in Südafrika. Die Angebotsseite für diesen Rohstoff ist beinahe monopolartig von diesem einen Land abhängig. Benötigt wird Platin vor allem für Katalysatoren, die durch den Klimawandel immer stärker nachgefragt werden. 

DAS INVESTMENT.com: Und welche Rohstoffe shorten Sie jetzt? 

Eibl: Wir halten Silber gegenüber Gold für zu teuer. Denn Silber ist nicht nur ein Edelmetall, sondern dient auch als Werkstoff in der Industrie. Durch den anstehenden Konjunkturabschwung dürfte die Produktion und mit ihr die Silbernachfrage nachlassen. 

DAS INVESTMENT.com: Wie investieren Sie im Bereich Soft Commodities? 

Eibl: Wir haben in den letzten Monaten darauf gesetzt, dass sich das Preisverhältnis zwischen Weizen und Mais normalisiert. Der Weizenpreis ging in diesem Jahr durch die Decke. Der Maispreis dagegen stieg nur moderat. Abgesehen davon glauben wir, dass der Mais auf Jahressicht noch Potenzial hat. 

DAS INVESTMENT.com: Termingeschäfte mit Agrarrohstoffen werden oft als Ursache für den Anstieg der Lebensmittelpreise angeführt. 

Eibl: So pauschal kann das nicht beantwortet werden. Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen Rohstoffen, für die es einen aktiven Börsenhandel gibt und solche, bei denen das nicht der Fall ist. Am Reismarkt zum Beispiel sind kaum Investoren über die Börsen aktiv. Der Preisanstieg muss demnach auch andere Gründe haben - zum Beispiel ein knappes Angebot.

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