Kupfer und Lithium sind wichtig für die Energiewende, Weizen und Mais überlebensnotwendig und ohne Öl und Gas würde die Weltwirtschaft zum Erliegen kommen. Rohstoffe sind für unser Leben unerlässlich. Lohnt es sich angesichts dessen mittels ETFs gezielt auf Rohstoffe zu setzen?

Das erklären wir in diesem Beitrag.

Rohstoffinvestment per Aktien-ETF

Anleger, die per ETF in Rohstoffe investieren möchten, haben zwei Möglichkeiten: Aktien-ETFs und Future-ETFs.

Die erste Möglichkeit ist, über einen klassischen Aktien-ETF in Unternehmen aus der Rohstoffbranche zu investieren. Auf diese Weise investieren Anleger in Firmen, die Rohstoffe abbauen, fördern oder produzieren und können so indirekt an der Preisentwicklung der Rohstoffe teilhaben.

Rohstoffinvestments per Aktien-ETF: Vor- und Nachteile

Der Vorteil dieser Investmentform ist die Einfachheit. Anleger, die bereits in Aktien-ETFs investieren, sind mit den Regeln und Abläufen von ETFs, die Wertpapierindizes replizieren, vertraut. Darüber hinaus sind die in den Indizes enthaltenen Unternehmen oft in vielen unterschiedlichen Bereichen der Rohstoffbranche tätig. Auf diese Weise sind die ETFs über verschiedene Industriesektoren diversifiziert.

Der Nachteil ist, dass neben den Rohstoffpreisen noch weitere Faktoren die Entwicklung der Unternehmen im Rohstoffsektor beeinflussen. Das bedeutet, wenn der Kupferpreis steigt, kann es passieren, dass beim Kurs des Kupfer-ETFs gleichzeitig ein Minus zu sehen ist. Das liegt daran, dass neben dem Kupfer-Preis auch Faktoren wie Unternehmensgewinne, Produktionskosten, politische Risiken, Wechselkurse und der generelle Aktienmarkt Einfluss auf die Aktienkurse haben. Anleger, die in einen Kupfer-ETF investieren, setzen also nicht direkt auf den Rohstoff, sondern auf die wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen im Kupfersektor – wobei die Aktienkurse sich völlig anders entwickeln können als der Kupferpreis.

Darüber hinaus sind Rohstoff-ETFs im Vergleich zu Welt-ETFs deutlich weniger breit gestreut und somit auch um ein Vielfaches riskanter.

>> Welche Risiken Investments in Themen-ETFs mit sich bringen, können Sie hier noch einmal ausführlich nachlesen.

Ein weiterer Aspekt, den Anleger nicht außer Acht lassen sollten, ist, dass viele große Rohstoffunternehmen bereits in den Weltindizes enthalten sind. Hier sollte genau abgewogen werden, ob ein zusätzliches Investment explizit in Rohstoffe zu der jeweiligen Anlagestrategie passt.

Ein Beispiel für einen ETF, der global in Minen investiert, ist der Vaneck Global Mining ETF. Dieser setzt auf eine breite Palette von Bergbauaktien aus den Bereichen Gold, Kohle, Grund- und Industriemetalle oder auch Uran und kombiniert verschiedene Industriesektoren.

  • Sektor: Aktienfonds Rohstoffe Industriemetalle Welt
  • Auflegung: 18.04.2018
  • Ertragsverwendung: thesaurierend
  • Fondsgesellschaft: Vaneck AM
  • ISIN: IE00BDFBTQ78
  • Maximal Drawdown seit Auflage: 38,85%
  • Performance YTD: 12,26%
  • Performance 3 Jahre: 25,67%
  • Performance 5 Jahre: 69,95%
  • Sharpe Ratio 5 Jahre: 0,48
  • Sum. lfd. Kosten: 0,52%
  • Volatilität 5 Jahre: 20,85%
  • Volumen in Mio. EUR: 537

Rohstoffinvestments per Future-ETF

Eine weitere Möglichkeit, in Rohstoffe zu investieren, sind Future-ETFs. Diese bilden keine Aktienindizes, sondern Rohstoffindizes ab. Rohstoffindizes fassen die Preisentwicklung verschiedener Rohstoffe wie Gold, Silber, Öl, Gas oder auch Agrarrohstoffe zusammen. Die Abbildung eines einzelnen Rohstoffs ist nicht möglich, da ETFs in Deutschland mindestens fünf verschiedene Vermögenswerte beinhalten müssen.

>> Wenn Sie explizit auf einen einzigen Rohstoff setzen möchten, können Sie dazu einen ETC nutzen. Was ETCs genau sind, wie sie funktionieren und welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringen, erklären wir weiter unten.

Wichtig zu beachten ist, dass Rohstoff-ETFs den Preis der Rohstoffe in der Regel nicht direkt widerspiegeln, sondern den von Futures – auch Warenterminkontrakten genannt. Der einfache Grund dafür: Kostenersparnisse.

Denn wenn ein ETF-Anbieter direkt in Rohstoffe wie Öl oder Kupfer investieren wollte, müsste er diese lagern und sich zudem um die Logistik und den Transport kümmern. Bei Edelmetallen wie Gold ist das teilweise noch möglich: „Das liegt daran, dass Gold so teuer ist im Verhältnis zu seiner Größe. Das heißt, es ist total günstig, Gold einzulagern. Deswegen sind ETFs, die auf Edelmetalle setzen, teilweise physisch hinterlegt“, erklärt Jens Rabe, Gründer und Geschäftsführer der Rabe Unternehmensgruppe, auf seinem Youtube-Kanal.

Bei Getreide wie Weizen wäre das ungleich schwieriger. Denn eine Tonne Weizen kostet nur etwas mehr als 100 Euro. Wenn man sich vorstellt, mehrere Millionen Euro in Weizen zu investieren, würde sich das Lagerproblem erheblich verschärfen. Hinzu kommt, dass Weizen in einem Lager nicht viel bringt, da Getreide ähnlich wie Öl dazu da ist, permanent verbraucht zu werden.  

Aus dem großen Lagerungsaufwand, den Rohstoffe wie Getreide oder Öl und Gas mit sich bringen, resultieren Kosten, die auch Anleger stark belasten würden. Aus diesem Grund weichen viele ETF-Anbieter auf den sogenannten Future-Handel aus.

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Futures sind Zertifikate, über die der Kauf eines bestimmten Rohstoffes zu einem spezifischen zukünftigen Zeitpunkt vereinbart wird. „Ein Future ist im Grunde genommen eine Wette oder eine Versicherung auf die Zukunft. Man kann sagen, wir machen ein Geschäft, einer möchte kaufen, einer möchte verkaufen und wir wollen das Geschäft in drei Monaten abschließen. Deswegen legen wir heute fest, was beispielsweise Kupfer in drei Monaten kosten soll. Das dient dazu, dass Produzenten und Verarbeiter sich absichern. Future-Handel ist einer der ältesten Börsenhandel der Welt und in Fällen wie Weizen sehr wichtig für Bauern, Mühlen und große Nahrungsmittelkonzerne“, erklärt Rabe in seinem Youtube-Video.

Futures können elektronisch verwahrt und einfach über die Börse gehandelt werden. Auf diese Weise werden die Kosten für den ETF-Anbieter und somit auch für den Anleger niedrig gehalten.

Trotz der Vorteile bringen Futures jedoch auch eigene Herausforderungen mit sich.

Contango und Backwardation: Die Herausforderungen von Future-ETFs

Eine der Herausforderungen hängt mit den sogenannten „Cost of Carry“, also den Lagerungs- und Versicherungskosten zusammen. „Bei Rohstoffgeschäften handelt es sich um sogenannte Terminkontrakte. Diese unterscheiden sich sowohl in ihren Laufzeiten als auch in ihren Preisen. Da der Verkäufer bei längeren Zeiträumen höhere Lager- und Versicherungskosten hat (Cost of Carry) ist der Preis in der Zukunft oft höher, unabhängig davon, ob er sich wirklich in die Richtung entwickelt“, führt Rabe aus. Dieses Phänomen, bei dem länger laufende Futures einen höheren Preis haben und somit eine steigende Terminkurve bilden, wird Contango genannt. Der umgekehrte Fall, in dem die Kurve nach unten geneigt ist, heißt Backwardation.

Contango 

Stellen wir uns vor, ein Anleger möchte Kupfer kaufen, benötigt es aber erst in ein paar Monaten. Heute kostet Kupfer 100 Euro pro Tonne. Der Anleger entscheidet sich, einen Future zu kaufen, der ihm garantiert, dass er in drei Monaten Kupfer für 105 Euro pro Tonne bekommt. Diese Situation nennt man Contango: Der Preis für die Lieferung in der Zukunft ist höher als der aktuelle Spotpreis. 

Eine Contango-Situation kommt oft vor. Neben den Lagerungskosten kommt auch ein kurzfristiges Überangebot an einem Rohstoff als Grund dafür infrage. Außerdem richtet sich der Preis an der Börse nach den Erwartungen der Anleger. Gehen sie davon aus, dass der Rohstoffpreis künftig steigt, bewerten sie auch ein Future mit späterem Liefertermin höher. 

 

Für ETF-Anbieter und -Anleger wird die nach oben tendierende Kurve zum Problem, da ETF-Anbieter die meisten Rohstoffe – wie bereits erklärt – nicht lagern können. Wenn ein kurzlaufender Future ausläuft, kann der ETF-Anbieter das Geschäft also nicht abschließen, da der Rohstoff dann geliefert würde. Stattdessen muss er das Geld in einen länger laufenden Future umschichten. Das heißt, die ETF-Anbieter verkaufen ihren Future und kaufen dafür den nächsten. Die Futures werden quasi „gerollt“. Dabei kommt es zu sogenannten „Rollverlusten“.

„Das bedeutet, dass Rohstoff-ETFs auf die Dauer verlieren werden, außer die physisch replizierten“, erklärt Rabe.

Verläuft die Future-Kurve also immer in Contango-Form?

Nein. Es kann auch sein, dass die Kurve der Terminkontrakte nach unten geneigt ist, eine sogenannte Backwardation.

Backwardation 

Nehmen wir an, es gibt Bedenken über mögliche Lieferengpässe, etwa durch Streiks in Minen oder schlechte Wetterbedingungen, die die Kupferproduktion beeinträchtigen könnten. In diesem Szenario kostet Kupfer aktuell 100 Euro pro Tonne, aber ein Future, der in drei Monaten geliefert wird, kostet nur 95 Euro. Das nennt man Backwardation: Der Preis für die zukünftige Lieferung ist niedriger als der aktuelle Spotpreis. 

In diesem Fall könnten teurere, kürzerlaufende Futures in günstigere gerollt werden, sodass Rollgewinne möglich sind.

Rohstoff-Future-ETFs: Rollverluste fressen Rendite

Weitere Informationen
Quelle Fondsdaten: FWW 2025

Der Vergleich des Future-ETFs iShares Diversified Commodity Swap Ucits ETF mit dem bereits oben vorgestellten Rohstoff-Aktien-ETF Vaneck Global Mining zeigt, dass der Future-ETF im Vergleich zum Aktien-ETF eher seitwärts tendiert. Dies liegt daran, dass Rollverluste die potenziellen Gewinne aus steigenden Rohstoffpreisen, von denen Anleger gerne profitieren würden, teilweise aufzehren.

Ein Rückschluss von der Entwicklung des Rohstoffpreises auf die Performance eines auf Futures basierenden ETFs ist daher nicht möglich. Denn: Der Tagespreis eines Rohstoffs kann stark vom Futurepreis abweichen.

„Wenn ich einen S&P-500-ETF kaufe, will ich, dass der den S&P 500 abbildet, wenn ich einen Dax-ETF kaufe, will ich, dass er den Dax abbildet und wenn ich einen Kupfer-ETF kaufe, will ich, dass er den Kupferpreis abbildet. Das tut er aber nicht“, sagt Rabe.

Im Gegensatz zu Aktien oder festverzinslichen Wertpapieren gibt es bei Rohstoffen zudem keine eindeutige theoretische Herleitung dafür, wie eine bestimmte Terminkurve aussehen muss. Die Preise der Terminkontrakte ergeben sich alleine durch Angebot und Nachfrage. Kürzerlaufende Terminkontrakte reagieren tendenziell stärker auf geopolitische Entwicklungen und Lieferengpässe.

Für Anleger, die langfristig investieren und ihre ETFs einfach liegen lassen wollen, sind Future-ETFs daher nicht geeignet. „Wer sich für Rohstoffe interessiert, muss sich viel mehr mit dem Thema beschäftigen. Das ist ein ganz anderes Spielfeld. Deswegen sind ETFs auf Rohstoffe überhaupt nichts, um die ins Depot zu legen“, erläutert Rabe.

Und wie sieht es mit Rohstoff-ETCs aus?

 

Rohstoff-ETCs: Schuldverschreibung auf einzelne Rohstoffe

Rohstoff-ETCs (Exchange Traded Commodities) unterscheiden sich von Rohstoff-ETFs (Exchange Traded Funds) in einigen wesentlichen Punkten:

  • ETCs sind Schuldverschreibungen, keine Fonds
  • Sie können die Entwicklung eines einzelnen Rohstoffs abbilden
  • Ermöglichen einfache Investitionen in Rohstoffe wie Gold über die Börse
  • Keine direkten Kosten für Lieferung und Lagerung des Rohstoffs für Anleger

Ein Beispiel für einen Rohstoff-ETC ist der aufgelegte Wisdomtree European Natural Gas ETC. Mit dem ETC soll die Wertentwicklung des BNP Paribas Rolling Futures W0 TZ Index vor Gebühren und Aufwendungen abgebildet werden. Der Index misst die Gesamtrendite auf Basis der zugrunde liegenden ICE Dutch TTF Gas Futures-Kontrakte.

Vorteile von Rohstoff-ETCs

  • Flexibilität: Können auch einzelne Rohstoffe abbilden, was ETFs in Deutschland nicht dürfen
  • Einfacher Zugang zu Rohstoffmärkten für Kleinanleger
  • Keine direkten Lager- oder Lieferkosten

Nachteile von Rohstoff-ETCs

  • Emittentenrisiko: Bei Insolvenz des Herausgebers kann das investierte Geld verloren gehen
  • Geringere Sicherheit im Vergleich zu ETFs, da keine Pflicht zum Kauf und zur Verwahrung der zugrunde liegenden Vermögenswerte in einem Sondervermögen besteht

Zusammengefasst bieten Rohstoff-ETCs eine flexible Möglichkeit, in einzelne Rohstoffe zu investieren, bringen aber ein höheres Risiko mit sich als Rohstoff-ETFs. Die Entscheidung für oder gegen ein ETC hängt von der individuellen Risikobereitschaft und den Anlagezielen ab.

In Rohstoff-ETFs investieren – ja oder nein?

Rohstoffe sind generell gut geeignet, um das Risiko deiner Geldanlange breiter zu streuen und neben Aktien auf weitere Anlageklassen zu verteilen. So können Rohstoffe in Marktphasen, in denen Aktien schwächeln, beispielsweise gut performen und umgekehrt.

Der Nachteil ist jedoch, dass Rohstoffe als eigene Anlageklasse auch ihre ganz eigenen Regeln haben. Damit tragen sie zwar zur Diversifizierung deines Portfolios bei, bedeuten allerdings auch mehr Aufwand. Denn: Um mit Future-ETFs Geld zu verdienen, müssen Anleger nicht nur den aktuellen Rohstoffpreis, sondern auch die Preise an den Terminmärkten im Auge behalten, um gegebenfalls kurzfristig eingreifen zu können. Als langfristige Investments, die man kauft und anschließend im Depot liegen lässt, eignen sich  Rohstoff-Future-ETFs nicht.

Rohstoff-Aktien-ETFs sind im Gegensatz zu Future-ETFs deutlich einfacher zu händeln, die eigentlich gewünschte Diversifikation zu Aktieninvestments bieten sie aber natürlich nicht. Darüber hinaus sind viele Aktien aus Rohstoff-ETFs bereits in den großen Welt-Indizes enthalten.

Daher gilt wie immer: Anleger sollten sich vor der Geldanlage genau über die entsprechende Anlage informieren und überlegen, ob sie zu ihrem Risikoprofil und ihrer Strategie passt.