Rohstoff-Fondsmanager im Gespräch „Darum hat der Goldpreis nichts mehr mit der Produktion zu tun“

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Rohstoffmärkte folgen einem zyklischen Verlauf. Welche Faktoren sprechen dafür, dass wir unmittelbar vor einem Boom stehen könnten?

Relativ viele. Betrachten wir Gold: Die Unternehmensseite hat die Kosten erheblich gesenkt, die Margen sind stark angesprungen, aber es gibt ein Problem. Die großen Unternehmen müssen jedes Jahr relativ viel Gold ersetzen, zwischen 5 und 6 Millionen Unzen pro Jahr. Das ist sehr teuer geworden. Sie großen Goldproduzenten verdienen zwar relativ viel aus dem Cash-Flow, aber nach den Investitionen, die sie tätigen müssen, um die Produktion aufrechtzuerhalten, verlieren sie Geld. Bei einem Goldpreis von 1.200 oder 1.300 Dollar kann man sehr wirtschaftlich Gold fördern, aber wenn man große Projekte dazu braucht, ist es sehr teuer geworden. Es wurde zwar viel in Exploration investiert, aber die Erfolgsquote war vergleichsweise gering. In Afrika lohnen sich daher viele Projekte aufgrund der politischen und infrastrukturellen Herausforderungen nicht.

Was spricht noch für einen Aufschwung?

Aktuell sind viele Unternehmen im Rohstoffsektor eher niedrig bewertet, zudem haben sich die Metallpreise stabilisiert, ETFs haben wieder Zuflüsse. Die Rohstoffunternehmen haben großes Potenzial nach oben. Viele der Rohstoff-Veteranen, die seit 30 Jahren in diesem Sektor agieren, erzählen mir, sie hätten eine derartige Situation noch nie gesehen. Sie sammeln gerade stark wieder Aktien ein und kaufen Produzenten auf. In den letzten Jahren waren die Spezialisten im Markt unter sich. Nun höre ich von meinen Brokern in Kanada und Australien, dass die Generalisten aufgrund der niedrigen Bewertungen wieder in den Markt zurückkehren und investieren. Rohstoffmärkte werden auch wieder zunehmend als Absicherung für andere Sektoren interessant.

Erwarten Sie einen Boom bei der Auflegung neuer Rohstoff-Fonds von Fondsgesellschaften?

Das wird sicher irgendwann wieder kommen, aber nicht kurzfristig. Der gesamte Rohstoffsektor hat ein großes Problem, und das ist der eklatante Mangel an Experten.
Dadurch, dass sich die Rohstoffpreise in den letzten 20 Jahren insgesamt bei weitem nicht so entwickelt haben wie von der Fondsindustrie gewünscht, war dieser Sektor nicht wirklich attraktiv, um dafür Fachleute auszubilden. Es fehlt also überall an jungen Unternehmern und an Geologen und anderen Experten. Wir haben eine bis zwei Generationen verloren. Meine größte Herausforderung als Fondsmanager ist es, fachkundiges Management von Rohstoffunternehmen zu finden im Alter von 30 bis 50 Jahren, die einem gewissen Track record aufweisen.

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