Ein Goldbarren: Der Goldpreis stieg im ersten Halbjahr 2016 so stark wie seit 1980 nicht mehr. Foto: Getty Images

Ein Goldbarren: Der Goldpreis stieg im ersten Halbjahr 2016 so stark wie seit 1980 nicht mehr. Foto: Getty Images

Rohstoff-Investments

Profi-Investoren skeptischer gegenüber Gold-Boom

Nach einem fulminanten Jahresauftakt lässt die Dynamik am Goldmarkt nach. Der Preis ist im August um rund ein Prozent gesunken, während zugleich die US-Wirtschaft Fahrt aufgenommen hat. Damit hat sich die Attraktivität von Gold als sicherer Hafen verringert. Seit einem Zweijahreshoch am 6. Juli hat sich Gold um 2,5 Prozent verbilligt. Am Montag stieg der Goldpreis bis Mittag um 0,2 Prozent auf 1.338,45 Dollar.

„Die Leute glauben nicht an eine Gold-Rally“, sagt Frank Holmes, Chef des Vermögensverwalters U.S. Global Investors in San Antonio. „Das zeigt der jüngste Rücksetzer beim Goldpreis - die US-Arbeitsmarktzahlen waren so gut. Wenn gute Konjunkturdaten vorgelegt werden, steigen die Zinsen, und der Goldpreis geht nach unten.“

Die Netto-Long-Positionen bei Gold-Terminkontrakten und -Optionen, mit denen Investoren auf einen steigenden Goldpreis setzen, sind nach Angaben der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) in der Woche zum 9. August um 4,3 Prozent gesunken auf 255.773 Kontrakte. Die Kontrakte sind seit einem Allzeithoch am 5. Juli mit 286.921 um elf Prozent gefallen.

Sinkendes Interesse an Gold

Das Interesse an Gold hat abgenommen, seit die Aktienmärkte steigen. Erst in der vergangenen Woche kletterte der Standard & Poor’s 500 Index auf ein neues Allzeithoch. Hingegen sank das Vermögen im SPDR Gold Shares, dem größten mit Gold unterlegten börsennotierten Fonds (ETF), in drei der letzten fünf Wochen.

Händler sehen nach den jüngsten US-Konjunkturdaten eine Chance von 42 Prozent, dass die Federal Reserve bis zum Jahresende die Zinsen erhöht. Anfang Juni wurde die Wahrscheinlichkeit nur bei 12 Prozent gesehen.

Eine mögliche dreimalige Zinsanhebung durch die Fed bis Ende 2017 bedeutet Pictet Wealth Management zufolge, dass für eine anhaltende Goldrally, ausgehend vom höchsten Preis seit fast zwei Jahren wenig Raum besteht. Der Goldpreis werde wahrscheinlich nicht höher als 1.430 Dollar steigen und dürfte sich im Bereich um 1.250 Dollar bis 1.300 Dollar stabilisieren, sagt Luc Luyet, Währungsstratege bei Pictet Group.

Kurswechsel bei Investoren

Der jüngste Rückzug aus Gold markiert einen Kurswechsel bei Investoren, die zuvor in diesem Jahr ihre Investments ausgebaut hatten. Fonds wetteten auf einen steigenden Preis, seit die Netto-Long-Positionen im Januar überwogen. Für dieses Jahr kommt der Goldpreis auch immer noch auf ein Plus von 27 Prozent. Und die globalen Bestände in Gold-ETF erreichten in der vergangenen Woche ein Dreijahreshoch.

Anleger werden nach Einschätzung von Vic Sperandeo, Chef des Vermögensverwalters EAM Partners in Dallas, wieder zu Gold zurückfinden, wenn die Zentralbanken nur noch schwer Munition finden. „Sie können die Zinsen nicht senken, die Bank von England zeigt jetzt, dass sie ihre quantitative geldpolitische Lockerung nicht ausweiten kann, weil es keine geeigneten Bonds gibt - also was kauft man? Man kauft Gold.“

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