Weizenernte in Sachsen-Anhalt: Die Preise für Agrarrohstoffe hängen nicht nur an der Konjunktur, sondern auch am Wetter. | © imago images / Martin Wagner Foto: imago images / Martin Wagner

Rohstoffe im Depot

Was man außer Gold sonst noch braucht

Für Gold war 2020 bisher ein überaus gutes Jahr. Abgesehen von einem kurzen Dip Anfang März ging es praktisch nur nach oben, und vor wenigen Wochen wurde nun auch das alte Allzeithoch auf US-Dollar-Basis aus dem Sommer 2011 geknackt. In vielen anderen wichtigen Währungen (zum Beispiel Euro, Schweizer Franken, britisches Pfund, …) waren die historischen Hochs bereits früher gefallen.

Dabei überrascht die jüngste Entwicklung, die den Goldpreis zeitweise auf über 2.000 US-Dollar je Feinunze nach oben getrieben hat, insofern wenig, als im Rahmen der Corona-Krise praktisch alle großen Volkswirtschaften immense Ausgabenprogramme beschlossen haben, mit denen sie ihre Schuldenstände auf ein völlig neues Niveau anheben werden. Bei einigen Ländern rückt das Ende der Schuldentragfähigkeit bedenklich nahe. Gleichzeitig fluten die Zentralbanken die Märkte mit Liquidität. Beides hat verschlechterte Bonitäten zur Folge und birgt nicht unerhebliche Inflationsgefahren. Eine solide Alternativwährung existiert nicht. Dieses Problem betrifft Dollar, Yen, Euro und so weiter gleichermaßen. Auch aus diesem Grund bleibt die ewige Währung Gold ein sinnvolles Wertaufbewahrungsmittel. Auf Sicht von zwölf Monaten sehen wir deshalb Potenzial bis auf 2.300 Dollar, was einem Anstieg von annähernd 20 Prozent entspräche. Noch größer sind die Chancen für Silber, bei dem erheblicher Nachholbedarf bis auf 36 Dollar (plus 33 Prozent) besteht.

10 bis 15 Prozent Rohstoffanteil am Gesamtdepot

Auch wenn Commodities in den vergangenen sieben Jahren im Vergleich zu anderen Assetklassen stark underperformt haben und in den zurückliegenden zwölf Monaten im wahrsten Sinne des Wortes nur Edelmetalle glänzen konnten, sollte bei der Depotstrukturierung der gesamte Rohstoffbereich berücksichtigt werden. Denn nur auf diese Weise lässt sich der Diversifikationseffekt, der mit entsprechenden Engagements innerhalb eines breit ausgerichteten Portfolios verbunden ist, vollumfänglich nutzen. Während sich Industriemetalle tendenziell positiv mit der Konjunktur entwickeln, sind Edelmetalle und hier insbesondere Gold als Versicherung gegen das Versagen der Geldpolitik anzusehen. Energierohstoffe reagieren stark zyklisch auf veränderte weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen, wobei lokale Konflikte, beispielsweise im Persischen Golf, wie auch Unstimmigkeiten innerhalb der Opec-Plus-Staaten oder politische Sanktionsmaßnahmen (zum Beispiel Iran-Embargo) ebenfalls für Preisausschläge sorgen können.

Agrarrohstoffe korrelieren dagegen kaum mit dem globalen Wirtschaftswachstum. Kurz- bis mittelfristig sind es insbesondere exogene Schocks, wie unerwartete Wetterkapriolen, die die Preisentwicklung am Futures-Markt beeinflussen. Langfristig werden abnehmende Anbauflächen und die steigende Weltbevölkerung, insbesondere in den Entwicklungsländern, die Preisentwicklung bestimmen. Für den S&P GSCI Agriculture Index halten wir innerhalb von zwölf Monaten einen Anstieg um zirka 30 Prozent für durchaus realistisch. Insgesamt erscheint übrigens ein Rohstoffanteil von 10 bis 15 Prozent am Gesamtportfolio als sinnvoll.

Mischung aus ETCs und Rohstoffaktien

Grundsätzlich gibt es verschiedene Wege, in die genannten Rohstoffsegmente zu investieren. Direktinvestments können dabei unter anderem in Form von Exchange Traded Commodities (ETCs) oder Futures getätigt werden. Mittels dieser Finanzprodukte partizipieren Investoren nahezu 1:1 an der Wertentwicklung des jeweiligen Basiswertes. Besonders erfahrene und risikobewusste Investoren können darüber hinaus auch auf Futures und ETCs mit Hebelmechanismus zurückgreifen, über die eine überproportionale Partizipation an Preisveränderungen des jeweiligen Underlyings realisiert werden kann. Allerdings sind in diesem Fall auch extreme Verluste möglich.

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