Sector Investing, BlackRock
Die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen nimmt weltweit deutlich zu – angetrieben durch zentrale technologische Wachstumstrends wie künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien, Energiespeicherung und Elektromobilität. Gleichzeitig stößt das Angebot bei vielen Metallen und Mineralien an Grenzen. Diese Kombination könnte in den kommenden Jahren zu höheren Rohstoffpreisen führen – mit entsprechenden Auswirkungen auf Produzenten und Märkte.
Evy Hambro, Leiter des BlackRock-Rohstoff-Teams und Portfoliomanager des BGF World Mining und BGF World Gold, unterstreicht vor dem aktuellen Hintergrund des Kriegs im Nahen Osten: „Die Volatilität, die in solchen Situationen typischerweise auftritt, bietet Anlegern Chancen, das eigene Portfolio zu überprüfen und Kursbewegungen zu nutzen, die ohne diese Ereignisse nicht entstanden wären.“
Kupfer: Zentraler Rohstoff der Energiewende
Kupfer ist exemplarisch für die Entwicklungen im Rohstoffmarkt. Steigt die Kupfernachfrage bis 2028 wie prognostiziert um mehr als 3 Millionen Tonnen, entspricht das der gesamten derzeitigen Jahresproduktion der fünf größten Kupferminen weltweit (Quelle: Morgan Stanley Research, Stand: 15.12.2025). Der Ausbau der Stromnetze, Elektromobilität und Clean-Tech-Anwendungen treiben den Bedarf massiv an.
Auf der Angebotsseite zeigen sich jedoch deutliche Einschränkungen: In den vergangenen zehn Jahren verfolgte die Bergbauindustrie eine zurückhaltende Investitionsstrategie, neue Projekte wurden nur vorsichtig umgesetzt. Aktuell werden rund 7 Prozent der weltweiten Kupferproduktionskapazitäten nicht genutzt (BlackRock, Stand: 15.12.2025).
Hambro betont die sich daraus ergebenden Chancen: „Investoren beginnen, sich für die indirekten Profiteure der weltweiten Investitionen zu interessieren – etwa im Bereich KI, Rechenzentren oder Stromnetze. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten, von denen Anleger profitieren können.“
Weitere strategisch wichtige Metalle
Neben Kupfer gewinnen auch andere strategisch relevante Rohstoffe an Bedeutung, darunter Aluminium, Silber, Seltene Erden, Lithium und Uran. Diese Materialien sind unverzichtbar für Batterietechnologien, Halbleiter, Verteidigungstechnologien und erneuerbare Energiesysteme.
Doch in vielen Fällen ist es für Rohstoffproduzenten wirtschaftlich günstiger, bestehende Produktionskapazitäten am Markt zu übernehmen, als neue Minen zu entwickeln – ein Treiber für Übernahmen und Fusionen im Sektor. Auffällig ist, dass die Bewertungen vieler Rohstoffunternehmen die strukturellen Chancen derzeit noch nicht vollständig berücksichtigen.
Rohstoffe sind für die nationale Sicherheit essentiell
Der Zugang zu kritischen Rohstoffen wird zunehmend zu einem geopolitischen Thema. Besonders die Abhängigkeit von Chinas Raffinerien zur Verarbeitung zahlreicher Rohstoffe sorgt international für Besorgnis. Die im Handelskonflikt zwischen den USA und China verschärften Exportbeschränkungen für Seltene Erden machen die politische Dimension deutlich.
Hambro: „Die Energiemärkte durchlaufen derzeit eine turbulente Phase. Anhaltende geopolitische Spannungen und die aktuellen tragischen Ereignisse im Nahen Osten haben die Preise nach oben getrieben. Je nachdem, wie lange diese Entwicklungen anhalten, bleiben die Preise volatil, und die Aktien in diesem Sektor spiegeln diese Volatilität wider.“
Regierungen reagieren nach Möglichkeit mit dem Aufbau lokaler Produktionskapazitäten und strategischen Partnerschaften mit Rohstoffunternehmen. Dabei dürften dauerhaft höhere Preise unabdingbar sein, um ausreichende Investitionen in neue Förderprojekte zu sichern.
Nachhaltige Produktion als Erfolgsfaktor
Neben geopolitischen Aspekten gewinnt die verantwortungsvolle Produktion von Rohstoffen an Bedeutung. Umwelt- und Sozialstandards sind entscheidend, um eine „soziale Betriebslizenz“ für die Rohstoffbranche sicherzustellen. Unternehmen, die die Interessen von Anwohnern, Mitarbeitenden, Investoren und Regulierungsbehörden nicht ausreichend berücksichtigen, riskieren langfristig Produktionsausfälle und Reputationsschäden.
Gold: Absicherung und struktureller Profiteur
Gold spielt in diesem Umfeld eine besondere Rolle. Die jüngste Preisentwicklung wurde vor allem durch zunehmende Sorgen vor steigenden Schuldenständen der öffentlichen Haushalte vorrangig in den entwickelten Ländern getrieben: Investoren und Zentralbanken nutzen Gold als Absicherung gegen die Abwertung von Fiat-Währungen.
Hambro erinnert mit Blick auf Gold an frühere Krisen: „In der globalen Finanzkrise 2008 fiel Gold zunächst, als die Märkte nachgaben und Investoren rasch in Cash-Positionen, vor allem den US-Dollar, umschichteten. Nachdem sich diese Bewegungen stabilisiert hatten, entwickelte sich Gold sehr gut, und Anleger wurden für ihre Geduld belohnt.“
Für die kommenden Jahre wird ein moderat weiter steigender Goldpreis erwartet. Treiber bleiben die wachsende Staatsverschuldung, der anhaltende Finanzierungsbedarf öffentlicher Haushalte und tendenziell niedrigere Realzinsen. Besonders Goldminenaktien erscheinen attraktiv, da Analystenschätzungen häufig noch nicht das hohe, möglicherweise weiterhin steigende Preisniveau des Edelmetalls berücksichtigen.
Fazit: Chancen in einem herausfordernden Umfeld
Die Kombination aus strukturell getriebenem Nachfragewachstum, geopolitischen Spannungen und begrenztem Angebot schafft ein potenziell attraktives Umfeld für ausgewählte Rohstoffe und Produzenten. Evy Hambro, der Leiter des BlackRock-Rohstoff-Teams, betont: „Anleger sollten angesichts der aktuellen Lage an den Märkten nicht in Panik geraten und sich auf die Rolle ihrer Vermögenswerte im Portfolio konzentrieren, für die sie ursprünglich vorgesehen waren.“ Gleichzeitig bleiben Nachhaltigkeit, verantwortungsvolle Produktion und geopolitische Ausbalancierung der Assets zentrale Voraussetzungen für den langfristigen Erfolg im Rohstoffsektor.
Rohstoffe, Gold und KI als Anlagechance: