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Ölförderung in Kanada: Die Regierungen dürften durch weitere geldpolitische Anreize dazu beitragen, die Abwärtseffekte des Virus auf die Wirtschaftsaktivität auszugleichen.  | © imago images / Design Pics Foto: imago images / Design Pics

Rohstoffinvestments

Welche Folgen die Viruskrise für Rohstoffanleger hat

Zweifelsohne bringt das neuartige Coronavirus vielen Menschen Leid. Der Ernst der Lage sollte keinesfalls verharmlost werden. Bei Anlegern weltweit sorgt das Virus für eine gewisse Panik, denn im Zuge seiner Ausbreitung sind volatile Marktreaktionen zu beobachten. Es stellt sich die Frage, ob die häufig panikartigen, kurzfristigen Reaktionen der Märkte auf derartige Schocks berechtigt sind.

Es ist unfraglich, dass die Besorgnis um die möglichen wirtschaftlichen Schäden durch das Coronavirus die Rohstoffpreise und entsprechende Aktienwerte belastet. Es bleibt dennoch unsere Überzeugung, dass sich die fundamentalen langfristigen Trends ungeachtet des Ausbruchs nicht wesentlich ändern dürften. Jüngste Konjunkturberichte signalisierten zudem eine Erholung der Weltwirtschaft. Die Regierungen dürften durch weitere geldpolitische Anreize dazu beitragen, die Abwärtseffekte des Virus auf die Wirtschaftsaktivität auszugleichen. Darüber hinaus bewirken gesunkene Rohstoffpreise niedrigere Kosten für die Verbraucher, insbesondere bei Kraftstoffen, was wiederum Anreize für verstärkten Konsum bietet.

 Coronavirus-Folgen dürften nur kurzlebig sein

Die flächendeckende Quarantäne in China wird die Rohstoffnachfrage beeinflussen. Nach unserer Überzeugung dürften die Folgen aber nur kurzlebig sein, da das Wetter im Frühjahr wärmer wird, die Ausbreitung des Virus an Fahrt verliert und Impfstoffe und Medikamententherapien entwickelt werden. Zwar birgt die aktuelle Lage viele Unsicherheiten, doch aus der SARS-Epidemie von 2003 haben die Marktteilnehmer gelernt, dass sich die Märkte rasch stark erholen, sobald das Virus eingedämmt werden kann.

 Unterdessen hat die chinesische Zentralbank kürzlich beträchtliche Kapitalspritzen für das Bankensystem des Landes angekündigt, um den schwächelnden inländischen Aktienmarkt zu stützen. Dennoch bleiben die Sorgen um die Bedrohung, die das Coronavirus für die weltweite Ölnachfrage darstellt, bestehen.

China ist der größte Ölimporteur und der zweitgrößte Ölverbraucher der Welt. Derzeit verbraucht das Land nach Angaben der Internationalen Energieagentur rund 13,5 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, also fast zehnmal mehr, als es selbst fördert. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus legen den Reiseverkehr in China zu einem Zeitpunkt lahm, zu dem sich die Kraftstofflagerbestände saisonal bedingt in der Regel aufbauen. In diesem Umfeld führt die Angst vor einem Überangebot an Rohöl zu hoher Preisvolatilität, auch wenn die Nachfrageschwankung nur kurzfristig bleiben dürfte.

Was Anleger jetzt im Blick behalten sollten

Auf Unternehmens- und Branchenebene sind die Trends bei vielen Rohstoffunternehmen des Energie- und Materialsektors im Hinblick auf Kostenkontrolle und Investitionsdisziplin nach wie vor positiv. Dies sollte höheren Renditen und Cashflows den Weg ebnen. Das erwirtschaftete Kapital könnte dafür eingesetzt werden, um die Bilanzen zu verbessern und Liquidität an Aktionäre zurückzugeben. In der Berichtssaison für das vierte Quartal 2019 haben die meisten Rohstoffunternehmen Finanzergebnisse und Prognosen gemeldet, die die Konsenserwartungen der Analysten erfüllten oder sogar übertrafen.

Nach unserer Überzeugung ist absehbar, dass nach Jahren schwacher Renditen in den rohstofflastigen Branchen allmählich immer mehr Anleger Kapital anlegen: Sie sind völlig zu Recht skeptisch, ob die aktuell niedrigen Bewertungen dem zu erwartenden global höheren Verbrauch entsprechen. Im Energiesektor waren die zuvor schwachen Renditen teilweise auf die Investitionen zurückzuführen, die auf dem Höhepunkt des letzten Konjunkturzyklus getätigt wurden, als die Entwicklungschancen begrenzt und die Investitionskosten relativ hoch waren. Dagegen bot das Investitionsumfeld in den vergangenen Jahren zahlreiche Chancen, Vorhaben mit viel robusteren und nachhaltigeren Renditeprofilen auf den Weg zu bringen.

 Auch wenn wir die Folgen des Coronavirus zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersagen können, gelten Rohstoffe generell als sehr anfällig für Nachfrageschwächen. Aktien mit Rohstoffbezug wurden von den Anlegern aus unserer Sicht insbesondere im Vergleich zum breiteren Markt übermäßig abgestraft. In einer Zeit, in der an den Märkten Stimmung und Momentum dominieren, können Aktien von Unternehmen des Energie- und Rohstoffsektors, deren längerfristige Fundamentaldaten weiterhin solide sind, Chancen bieten.

Viele Rohstoffaktien haben in den vergangenen Tagen ihre Kursgewinne aus dem vierten Quartal 2019 vollständig abgegeben und notieren wieder nahe an ihren Vieljahres- und in einigen Fällen Allzeittiefs. Im aktuellen Umfeld stocken wir unsere Kernpositionen auf und legen dabei besonderen Fokus auf Qualitätsunternehmen mit soliden Bilanzen, deren Bewertungen uns zuvor voll ausgereizt erschienen.

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