Rohstoffmärkte Steigt Öl bald wieder auf 100 US-Dollar?

Ein Arbeiter bei Ölbohrungen in Nord Dakota, USA. Die Aussichten für die Anlageklasse Öl bleiben herausfordernd. (Foto: Getty Images)

Ein Arbeiter bei Ölbohrungen in Nord Dakota, USA. Die Aussichten für die Anlageklasse Öl bleiben herausfordernd. (Foto: Getty Images)

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Anfang Mai dieses Jahres erholte sich Rohöl der Sorte Brent auf fast 68 US-Dollar pro Barrel. West Texas Intermediate (WTI) nahm eine ähnliche Entwicklung, indem es Anfang Juni einen Höchststand von mehr als 61 US-Dollar erreichte. Manche sahen sich dadurch veranlasst zu behaupten, dieser Rohstoff würde letztendlich 100 US-Dollar erreichen – ein zuletzt im September 2014 festgestelltes Niveau. In der Zwischenzeit sind die Notierungen wieder auf unter 52 bzw. 44 US-Dollar zurückgefallen, womit die Gewinne seit Jahresbeginn vernichtet wurden.

Nach Auffassung von Stephen Jones, Chief Investment Officer von Kames Capital, werden der stärker werdende US-Dollar, das steigende Angebot und die mangelnde weltweite Nachfrage die Erdölkurse weiterhin bremsen. „Ein Ölpreis in dreistelliger Höhe werden wir so schnell nicht mehr sehen“, merkt er an. „Auch wenn die Kurse nach früheren Tiefständen sprunghaft angezogen haben, so war dies zu erwarten, haben sie sich doch im Verlauf des vergangenen Jahres im Wert halbiert. Es ist einfach eine Tatsache, dass die Aussichten für diese Anlagenklasse herausfordernd bleiben.“

Energieverbrauch wird effizienter

Die fundamentalen Rahmenbedingungen für Erdöl blieben dieselben, auch wenn im bisherigen Verlauf des Jahres die Talsohle erreicht wurde und eine Art temporäre Erholung eingesetzt habe: „Die fundamentale Ausgangslage bleibt die gleiche: Die Anzahl der Bohranlagen in den USA erhöht sich nun wieder, bestehende Lieferanten steigern ihre Produktion und weltweit fehlt es an Wirtschaftswachstum, was die Nachfrage weiterhin dämpft.“

Auch die Ereignisse in Griechenland und China dämpfen die Energiepreise im Allgemeinen. Ersteres kämpft um den Verbleib in der Eurozone und Letzteres beschäftigt sich mit der Verlangsamung seiner Wachstumsrate. Hinzu kommt die Tatsache, dass der Energieverbrauch effizienter und sparsamer gestaltet wird, so Jones.

„Mit zwei Großverbrauchern von Rohstoffen – Europa und China –, die eine Verlangsamung des Wachstums erleben, und der Tatsache, dass Erdöl zunehmend effizient verwendet wird, gibt es weiterhin Gegenwind“, erläutert Jones. „Daher werden Ölnotierungen zwischen 40 und 65 US-Dollar ihr Gleichgewicht finden und voraussichtlich einige Zeit dort verharren. Das bedeutet, dass Öl keine attraktive Anlage darstellt.“

Auch andere Rohstoffe lösen Zweifel aus

Es ist nicht nur das Öl, das Zweifel auslöst. Jones gibt an, dass zum Beispiel auch Eisenerz aufgrund des überreichlichen Angebots unter Druck bleibt: „Eisenerznotierungen haben im Juli erneut eine äußerst schwierige Phase durchlitten, die den sprunghaften Anstieg in letzter Zeit zunichtemachte. Betrachtet man unser Aktienportfolio, shorten wir weiterhin Minenunternehmen“, sagt er.

„Ebenso wie beim Öl liegt das Angebot deutlich über der Nachfrage und tatsächlich verwenden viele Anleger diese Aktien derzeit als Finanzierungsquelle für andere Gelegenheiten. Daher werden Aktien von Rohstoffunternehmen von uns untergewichtet, und wir meiden sie auch aus der Top-Down-Perspektive.“