Es gibt Fondsstarts, über die spricht in der Branche niemand. Und es gibt den Roundhill Memory ETF (ISIN: US77926X3200). Keine zwei Monate ist der Fonds alt. In dieser kurzen Zeit hat er geschafft, woran sonst selbst die erfolgreichsten Neuauflagen jahrelang arbeiten: Er ist auf über 13 Milliarden US-Dollar angeschwollen und hat nebenbei rund 150 Prozent an Wert zugelegt. So schnell hat kaum je ein ETF die Marke von 10 Milliarden Dollar erreicht.

Der schnellste Zehn-Milliarden-Lauf aller Zeiten

Der New Yorker Nischenanbieter Roundhill Investments brachte den Fonds am 2. April an den US-Markt. Große Ankerinvestoren oder einen nennenswerten Vorlauf gab es dabei nicht. Schon nach zehn Handelstagen stand die erste Milliarde in den Büchern, an einem einzigen besonders starken Tag flossen rund 1,1 Milliarden Dollar zu. Die psychologisch wichtige Schwelle von 10 Milliarden Dollar riss der ETF rund sieben Wochen nach dem Start. Damit zählt er laut Morningstar-Daten, die die „Financial Times“ zitiert, zu den am schnellsten gewachsenen ETFs überhaupt.

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Zum Vergleich: Im Bitcoin-ETF-Boom Anfang 2024 erreichte Blackrocks iShares Bitcoin Trust die Marke von 10 Milliarden Dollar ähnlich schnell, ebenfalls in weniger als zwei Monaten. Klassische Themenfonds benötigen für ihre ersten zehn Milliarden dagegen in der Regel Jahre, sofern sie diese Größe überhaupt jemals erreichen.

Der Zuwachs speist sich dabei zum überwiegenden Teil aus frischen Mittelzuflüssen: Anleger überrannten das Produkt geradezu, über Wochen hinweg fast täglich. Dazu kommt der Kurssprung. Seit dem Start hat sich der Anteilspreis mehr als verdoppelt, von rund 26 auf über 68 Dollar. Zur Einordnung: Für einen Wertzuwachs von rund 150 Prozent braucht ein ETF wie der MSCI World im langjährigen Schnitt über zehn Jahre.

Wette auf drei Aktien

So spektakulär die Zahlen, so simpel ist die Konstruktion dahinter. Der ETF bündelt Hersteller von Speicherchips, also jene Bausteine, die Rechenzentren und große KI-Modelle zum Funktionieren brauchen.

Das Problem für sicherheitsbewusste Anleger: Der Fonds ist extrem eng gefasst. Rund drei Viertel des Vermögens entfallen auf nur drei Titel: die südkoreanischen Konzerne SK Hynix und Samsung Electronics sowie das US-Unternehmen Micron Technology. In den zehn größten Positionen stecken nach Morningstar-Daten sogar mehr als 93 Prozent. Die Kosten des ETF belaufen sich auf 0,65 Prozent pro Jahr.

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Diese drei Namen beherrschen den Weltmarkt für beide Speicherarten nahezu vollständig. Schätzungen zufolge entfallen rund 95 Prozent der globalen Produktion auf sie. Entsprechend steigt und fällt der ETF mit der Performance einer Handvoll Aktien, die noch dazu alle vom selben Trend abhängen. Eine echte Streuung über verschiedene Glieder der KI-Lieferkette gibt es nicht. 

Warum der Hype?

Die Rallye treibt der sogenannte Memory-Superzyklus. Der massive Ausbau von KI-Rechenzentren hat die Nachfrage nach Speicherchips explodieren lassen, während das Angebot knapp bleibt. Die Folge: anziehende Preise, üppige Gewinne bei den Herstellern und Kursfantasie an den Börsen. Micron hat seine Börsenbewertung in diesem Umfeld erstmals über die Billionen-Dollar-Marke gehievt, SK Hynix folgte kurz darauf. Die Schweizer Großbank UBS hob ihr Kursziel für Micron kürzlich von 535 auf 1.625 Dollar an. 

Die Argumentation der Optimisten: Anders als in früheren Halbleiterzyklen machten langfristige Lieferverträge Preise und Auslastung der Hersteller über Jahre planbar. Das stabilisiere den Markt und mache ihn berechenbarer. 

Das Ucits-Problem

Für deutsche Privatanleger hat die Geschichte einen Haken: In dieser Form lässt sich der ETF hierzulande nicht kaufen. Roundhill hat den Fonds in den USA aufgelegt; die europäischen Ucits-Regeln, die hierzulande für Publikumsfonds gelten, erfüllt er nicht.

Für Ucits-Fonds gilt grundsätzlich die sogenannte 5/10/40-Regel: Ein einzelner Emittent darf in der Regel höchstens zehn Prozent des Fondsvermögens ausmachen; alle Emittentenpositionen von jeweils mehr als fünf Prozent dürfen zusammen 40 Prozent nicht überschreiten. Für indexnachbildende Ucits-ETFs gelten zwar Sonderregeln, sofern sie die Vorgaben für Indexfonds erfüllen. Roundhill steuert den Fonds jedoch aktiv. Zudem sprengt ein Portfolio, das drei Viertel seines Gewichts auf nur drei Aktien legt, die genannten Grenzen ohnehin um ein Vielfaches. Die regulatorische Klammer, die europäische Anleger vor genau solchen Klumpenrisiken schützen soll, macht das US-Erfolgsmodell auf dem hiesigen Markt also schlicht unmöglich.

Roundhill plant Rückkehr nach Europa

Spannend wird es deshalb bei der Frage, was der Anbieter als Nächstes vorhat. Roundhill ist mit rund 21 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen ein eher kleines, auf Themenprodukte spezialisiertes Haus. Nun bereitet das Unternehmen offenbar ein Comeback in Europa vor, gut zweieinhalb Jahre, nachdem es sich vom Kontinent zurückgezogen hatte.

Die erste Europa-Episode geriet zur Enttäuschung: Der einzige hier gelistete Fonds, ein Metaverse-Produkt im Ucits-Mantel, sammelte in anderthalb Jahren nur rund 1,7 Millionen Euro ein; im Oktober 2023 zog Roundhill ihn wieder zurück. Seitdem hat das Unternehmen sein US-Angebot deutlich verbreitert, etwa mit gehebelten Produkten, Optionsstrategien und steueroptimierten Bausteinen.

Nun registriert das Unternehmen wachsendes Interesse europäischer Investoren und lotet Berichten zufolge bereits mögliche Partner für einen Markteintritt aus. Ganz oben auf der Liste: eine europäische Variante des Memory-ETFs. Offen ist allerdings genau jene Frage, an der die Originalfassung scheitert: ob sich die hochkonzentrierte Strategie überhaupt in ein Ucits-konformes Vehikel überführen lässt, ohne ihren Charakter zu verlieren. 

Alternativen für europäische Anleger

Einen direkten Ucits-Ersatz für den hoch konzentrierten Roundhill-Fonds finden europäische Anleger nicht. Das US-Original bündelt rund 30 Prozent SK Hynix, 28 Prozent Micron und knapp 20 Prozent Samsung in einem einzigen Produkt. Eine derart extreme Konzentration verhindern in Europa genau die Ucits-Regeln, die schon den Fonds selbst blockieren. Wer Samsung, SK Hynix und Micron dennoch gemeinsam über einen ETF abbilden will, muss auf breitere KI- oder Halbleiterfonds ausweichen.

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Am ehesten gelingt das mit thematischen KI- und Big-Data-ETFs, die alle drei Speicherkonzerne zugleich führen, wenn auch in deutlich kleineren Anteilen. Die stärkste Näherung bietet derzeit der Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data ETF (ISIN: IE00BGV5VN51): Samsung, SK Hynix und Micron kommen hier zusammen auf grob 18 Prozent des Fondsvermögens. In einer ähnlichen Größenordnung liegt der Global X Artificial Intelligence ETF (ISIN: IE0000XTDDA8), der die drei Titel ebenfalls auf rund 18 Prozent gewichtet. In beiden Fällen handelt es sich aber um KI-Fonds, in denen Speicher nur einen Baustein neben vielen anderen Technologiewerten bildet. 

Ein Sonderfall sind Korea-ETFs. Sie liefern die höchsten Einzelgewichte bei Samsung und SK Hynix, lassen Micron als US-Konzern aber außen vor. Der Xtrackers MSCI Korea ETF (ISIN: LU0292100046) etwa hält rund 28,5 Prozent Samsung und 18,6 Prozent SK Hynix, der iShares MSCI Korea ETF (ISIN: IE00B0M63391) kommt auf rund 28,1 und 17,9 Prozent. Was auf dem Papier ein Engagement in der südkoreanischen Wirtschaft ist, entpuppt sich damit längst als Wette auf das Hochleistungsgeschäft mit KI-Speicher.