Die Teilnehmer des Roundtables zur Zukunft der Fondsindustrie (von links): Christophe Hefti von UBS Fondcenter, Dirk Goergen von der DWS, Matthias Memminger von Bain & Company, Achim Küssner von Schroders, Carsten Wittrock von Zeb und DAS-INVESTMENT-Chefredakteur Ansgar Neisius. | © Andreas Mann

Roundtable

„Macht hat, wer den Kundenzugang hat“

DAS INVESTMENT: Diverse Studien aus jüngerer Zeit sagen der Fondsindustrie schwere Zeiten voraus. Ist die Lage tatsächlich ernst?

Achim Küssner, Sprecher der Geschäftsführung von Schroders Deutschland
Foto: Andreas Mann

Achim Küssner: Wir sind in einem ganz normalen Industriezyklus. Die Branche kommt langsam aus der Pubertät heraus und muss sich neu orientieren. Dazu gibt es von rechts und links Gegenwind aus der Regulierung und von den Kapitalmärkten. Die Frage ist: Wo will die Industrie hin, wenn sie erwachsen wird? Die Antwort darauf hat sie lange Zeit vor sich hergeschoben. Zur Erinnerung: Die letzten zehn Jahre waren mehr oder minder Bullenmärkte, und es ging der Branche gut.

Matthias Memminger: Am Ende eines Reifeprozesses findet eine Auslese statt. Übrig bleiben einerseits ein paar sehr große Fondsanbieter, die ihr Geschäftsmodell global skalieren können, und andererseits einige kleinere, fokussierte Nischenanbieter. Dazwischen gibt es die mittelgroßen Fondsgesellschaften, etwa die Hälfte aller heute existierenden, die zu klein oder zu wenig fokussiert und damit vom Aussterben bedroht sind.

Carsten Wittrock: Der Industrie ging es bis zur Finanzkrise sehr gut, und in den letzten Jahren immer noch gut. Obwohl die Maßnahmen bekannt wären, stehen die Gesellschaften immer noch vor einem relativ hohen Kostenblock. Im Verhältnis zu den betreuten Kundengeldern hat dieser zwar abgenommen, weil die Kapitalmärkte gut gelaufen sind, aber absolut gesehen nicht. Das ganze Thema ist also nichts Neues. Nur die Methoden und Tools, die zur Kostensenkung einsetzbar sind, Stichwort Digitalisierung, haben sich erweitert.

Dirk Goergen: Nicht unterschätzen darf man die jüngste Entwicklung durch die Mifid-II-Regulierung und deren Folgen für den Beratungsprozess. Der Gesetzgeber möchte weg vom Produktvertrieb, hin zu einer wirklichen Beratungssituation am Kunden. Ein Thema der Vertriebseinheiten, das meines Erachtens durch die Fondsgesellschaften aktiv begleitet werden sollte. Die Industrie muss sich fragen, wie sie sich bei den Vertriebspartnern verstärkt einbringen und deren Beratungsprozess unterstützen kann.

Christophe Hefti: Die Rahmenbedingungen haben sich fundamentaler verändert, als dass man lediglich von einem Reifeprozess und von Kostenmanagement sprechen könnte. Vor ein paar Jahren hatten wir noch keine Produktschlacht „aktiv“ gegen „passiv“. Zudem waren die Vertriebswege relativ klar vorgegeben. Transparenzanforderungen und verfügbare Fondsdaten waren überschaubar und die Komplexität nur bedingt hoch. Nun ist sie aufgrund von Mifid II und weiteren Regulierungen stark gestiegen. Gleichzeitig sinken die Margen. Jedoch erkenne ich bei den wenigsten Anbietern, dass sie sich fragen, wo sie in der Wertschöpfungskette künftig stehen wollen. Will man Vermögensverwalter, vertriebsorientierter Partner oder Service-Anbieter sein?

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