Raus aus der Komfortzone, rein ins Unternehmertum: Drei Fonds-Experten sprechen über Selbstständigkeit im Asset Management, was sie dabei überrascht hat und welche Tipps sie angehenden Gründern im Fondsgeschäft mit auf den Weg geben.
Gespräch zwischen Elmar Peters, Thorsten Schrieber, Christoph Fröhlich und Alexander Mozer (v.l.n.r.)| Bildquelle: Anna Mutter
Den Traum von der eigenen Investmentboutique – früher oder später hat ihn wohl fast jeder Portfoliomanager einmal. Doch nur wenige wagen den Sprung ins kalte Wasser. Wir sprachen darüber mit Alexander Mozer, viele Jahre Fondsmanager bei Ökoworld und heute selbstständig mit Rezoom, mit Elmar Peters, Ex-Flossbach und nun gemeinsam mit Thorsten Vetter Mitgründer von Praemium Capital Partners und Thorsten Schrieber, Vorstand bei DJE.
DAS INVESTMENT: Herr Mozer, Sie waren lange am Steuer des Ökoworld Ökovision, waren maßgeblich am Wachstum des Fonds beteiligt. 2022 haben Sie sich selbstständig gemacht - warum verlässt man denn den sicheren Job mit festem Gehalt? Wollten Sie sich noch mal etwas beweisen, oder was war der Antrieb?
Alexander Mozer: Ja, das klingt ein bisschen wie bei Die Ärzte: „Warum gehst du nicht zu Onkel Werner in die Werkstatt? Der gibt dir 'ne Festanstellung“ (lacht). Man fragt sich immer wieder, wie man sein Leben gestalten möchte. Was man erreichen möchte. Ich war bei Deka Investment, dann bei der AGI und bei Ökoworld. Das waren alles Festanstellungen und da arbeitet man natürlich immer in einem bestimmten Korsett. Und wenn man sich selbst verwirklichen möchte, ist dieses Korsett meistens ein bisschen eng. Als ich bei Ökoworld angefangen habe, hatte ich eine gewisse Reise vor Augen. Ich habe dann irgendwann gemerkt: Ich bin am Ende der Reise angekommen. Das, was ich erreichen wollte, habe ich erreicht. Ich brauchte ein neues Spielfeld.
In welchem Moment kam diese Erkenntnis?
Mozer: Das war ein Prozess. Ich habe irgendwann festgestellt, dass mich das alles nicht mehr in dieser Intensität gereizt hat. Dass ich etwas Neues brauchte. Schnell wurde mir klar: Das Ideal ist etwas komplett Eigenes, wo ich eigene Ideen verwirklichen kann. Darin lag für mich der Reiz. Es war kein Abwägen zwischen Festanstellung, Geld und Sonstigem, sondern einfach eine Frage der Lebensplanung.
Was haben Sie beim Schritt in die Selbstständigkeit über- und was unterschätzt?
Mozer: Regulatorische Themen hatte ich mir noch schwieriger vorgestellt, als es sich dann tatsächlich gezeigt hat. Auf der anderen Seite ist man plötzlich als One-Man-Show für die Finanzen zuständig, für Personal - und nebenbei soll man noch den Fonds managen. Da hatte ich schon einen gewissen Respekt davor. Aber wenn man dann merkt, wie viel Hilfe man von guten Partnern bekommen kann, relativiert sich das. Nichtsdestotrotz gibt es Tage, wo man wirklich extrem hart arbeiten muss, um alle Dinge mit einem gewissen Qualitätsanspruch hinzukriegen..
Gehen wir mal zu Ihnen über, Herr Schrieber. DJE wird dieses Jahr 50 Jahre alt. Sie sind mit einer Unterbrechung seit 23 Jahren Teil der Geschichte. Bei Ihnen haben viele Talente der Branche angefangen, die heute noch bekannt sind. Überwiegt da Stolz, Wegbereiter gewesen zu sein, oder eher der Schmerz über den Verlust?
Thorsten Schrieber: Also ich muss sagen, dass ich immer ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Mitarbeitern gepflegt habe. Der Stolz überwiegt. Die Leute, die gegangen sind, sind unterschiedliche Wege gegangen - in die komplette Selbstständigkeit wie etwa Stefan Hornung mit Squad, andere sind heute Geschäftsführer bei Versicherern und so weiter. Alle sind irgendwie ihren Weg gegangen und befinden sich heute teilweise auch auf der Kundenseite. Das macht es ja auch für uns manchmal einfacher. Das positive Momentum gilt bis heute. Das ist aber, glaube ich, auch dem geschuldet, wie man grundsätzlich mit den Leuten umgeht und sie in der Firma entwickelt hat.
Sie haben bei DJE in all den Jahrzehnten auch viel Pionierarbeit geleistet, gerade in den frühen 2000ern mit der eigenen KVG. Heute ist das Abenteuer Selbstständigkeit ja viel leichter, man hat viele Partner, bei denen man sich andocken kann. Sie haben damals trotzdem nicht gezögert, das alles auf sich zu nehmen. Wenn Sie heute nochmal 30 wären, würde Sie das nochmal reizen, so etwas ganz alleine aufzuziehen?
Schrieber: Da muss ich ein wenig ausholen: Als ich 2001 zu Dr. Jens Ehrhardt kam - ich war vorher Geschäftsführer der Credit Suisse Asset Management in Deutschland -, war ich Mitarbeiter Nummer zwölf und wir hatten 400 Millionen Euro an Assets. Das war gewissermaßen wie eine Selbstständigkeit. Wie ein Start-up, das jedoch schon ein paar Jahre am Markt war. Insofern kann ich diesen Schritt gut nachvollziehen.
Und, würden Sie heute den Sprung noch einmal wagen?
Schrieber: Ich würde ihn immer wieder gehen. Der Schritt in die komplette Selbstständigkeit wäre heute sogar noch einfacher. Es gibt Haftungsdächer, man kann Dinge outsourcen und auslagern und sich auf das konzentrieren, was man am besten kann. Das macht es heute so attraktiv. Und insofern kann ich jeden verstehen, der rausgehen möchte und die One-Man-Show sein will, von der Herr Mozer eben sprach. Ich würde diesen Schritt jedem ans Herz legen, der den Drive hat, eigenverantwortlich tätig zu sein.
Gehen wir mal zu Ihnen, Herr Peters. Sie waren lange bei Flossbach von Storch. Wenn man so lange bei einer so namhaften Adresse war, schwingt natürlich immer ein gewisser Druck mit. Wie gehen Sie damit um, gerade wenn man etwas Eigenes auflegt?
Elmar Peters: Ich habe das nie als Druck empfunden. Ganz im Gegenteil: Ich empfinde es als Freude darüber, eigene Ideen konsequent in unseren Produkten umsetzen zu können. Man steht ja nun einmal für eine bestimmte Art von Investieren und möchte diese umsetzen.
Sie machen einen Mischfonds in einem Markt voller etablierter Namen und großer Player, mit Herr Schrieber sitzt sogar einer neben Ihnen. Da muss man sich differenzieren und eine Nische finden. Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Peters: Wir sind nicht gestartet und haben gesagt: Was machen andere in diesem Markt und wo müssen wir unsere Nische finden. Nein, wir sind Überzeugungstäter und stehen für unseren Investmentstil ein. Wir haben Grundwerte, dass wir zum Beispiel keine zu hohe Verschuldung bei Unternehmen akzeptieren. Wir wollen Unternehmen finden, die einen hohen Cashflow und einen Wettbewerbsschutz haben. Unternehmen, die vielleicht wieder ein bisschen kleiner sind, als das in den letzten Jahren möglich war. Diesen Investmentansatz haben wir viele Jahre lang beim alten Arbeitgeber umgesetzt und wollen das jetzt so weiterführen. Deswegen haben wir unsere eigene Gesellschaft gegründet und einen eigenen Fonds aufgelegt, in den wir auch unser eigenes Geld reingepackt haben.
Braucht es dafür eine andere Kommunikation als früher?
Peters: Absolut, es ist ein „back to the roots“ auf vielen Ebenen. Man fängt wirklich ganz von vorne an. Man besucht viele viele Kunden, führt Gespräche, erklärt die eigene Story, probiert zu überzeugen, wofür man steht und geht im Grunde den Weg, den wir alle vor vielen Jahren schon einmal gegangen sind.
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