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Roundtable zum Vertrieb von Fondspolicen „Mifid ist ein Monster“

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Pradetto: Ich glaube, dass Selbstkritik durchaus angebracht ist. Die Qualität des Maklers sehe ich noch lange nicht dort, wo sie hingehört. Ich stimme aber meinen Kollegen insofern zu, dass sie schon weitaus besser ist als ihr Ruf – und dass wir inzwischen schon von einem Jammern auf hohem Niveau sprechen müssen. Makler zeigen inzwischen eine sehr große Bereitschaft zur Fortbildung. Die ganze Branche hat mit „Gut Beraten“ eine sehr gute Initiative gestartet, die auf hohem Niveau auch angenommen wird. Man findet natürlich immer einen Berater, der mal eine katastrophale Beratung abliefert. Gehen Sie aber mal in eine Bank und gucken sich da die durchschnittliche Beratungsqualität an. Es ist nicht automatisch so, dass Banker oder Vermögensberater überlegen sind, wenn es um Kapitalanlagen geht.

Viele Kunden entscheiden sich bei Abschluss der Fondspolice für eine Auswahl an Fonds – und rühren sie danach nicht mehr an. Ist das ein Beratungsfehler?

Heisig:
Es kann einer sein. Der Berater ist schon aufgefordert, den Vertragsverlauf des Kunden zu begleiten, und zwar in Abhängigkeit davon, wie selbstgesteuert solch eine Police über den Vertragsverlauf gestaltet ist. Wenn der Vermittler über die ganze Vertragslaufzeit nicht agiert, können schon Zweifel aufkommen, ob er seinen Beraterpflichten nachkommt.
Pradetto: Ich sehe das genau gegenteilig. Ich glaube, das ist eine der wahnsinnigen Stärken der Fondspolice gegenüber dem Aktienfonds. Jeder kennt doch die Untersuchungen, bei denen ein Affe per Pfeilwurf Fonds auswählt, die sich dann besser entwickeln als die von Experten ausgesuchten. Im Endeffekt weiß niemand, auch nicht der Experte, wie Märkte sich genau entwickeln. Was man aber weiß, ist, dass jedes Mal, wenn man bei einer Bank den Aktienfonds wechselt, man einen neuen Ausgabeaufschlag zahlt und man einen Teil des Vermögens an den Bankberater verliert. Deswegen wird dort tendenziell auch viel zu früh umgedeckt. Bei einer Fondspolice passiert das nicht.

Kieper: Wir halten es für sinnvoll, wenn der Versicherer den Vermittlern einmal im Jahr eine Orientierung gibt, wie sich die Fonds, die der Kunde individuell bespart, entwickeln und ob diese noch tragbar sind, etwa bei einem Wechsel der Anlagestrategie. In einem solchen Fall ist der Versicherer gefordert, den Berater zu informieren und Alternativen zu zeigen.
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