RTX und RDX: Die falschen Russen

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Den russischen Leitindex RTS können Derivate nicht nachbilden. Mit dem RTX und RDX hat die Wiener Börse Abhilfe geschaffen

Der prominente Folkloresänger Ivan Rebroff ist ein Russe wie aus dem Bilderbuch. Doch unter Pelzmütze und Rauschebart steckt in Wahrheit ein Deutscher namens Hans-Rolf Rippert. Auch die russischen Börsenbarometer Russian Traded Index (RTX) und Russian Depositary Index (RDX) kommen nicht aus dem ehemaligen Zarenreich. Sie werden von der Wiener Börse berechnet. Zwar hat die Moskauer Börse mit dem RTS einen eigenen Leitindex. Allerdings wird ein Großteil seiner Aktien kaum gehandelt. Andere Papiere wiederum stehen ausländischen Investoren gar nicht offen. Das macht es für Derivateanbieter unmöglich, den Index nachzubilden.

Die Kursbarometer der Wiener Börse schaffen Abhilfe. Der RTX enthält nur die großen russischen Unternehmen, deren Aktien häufig in Moskau gehandelt werden. Der RDX umfasst dagegen Depositary Receipts. Das
sind Wertpapiere, die Aktienkurse nachbilden. Sie werden auch an Börsen gehandelt, an denen die entsprechenden Aktien nicht gelistet sind. Zudem ermöglichen sie den Zugang zu Aktien, die für Ausländer gesperrt
sind. Im RDX stecken nur Depositary Receipts, die an der Londoner Börse gehandelt werden. Die wichtigsten Entscheidungskriterien für die Aufnahme von Unternehmen sind deren Marktkapitalisierung im Streubesitz und die Handelbarkeit der Wertpapiere.

Konkrete Richtwerte, die dabei mindestens erfüllt sein müssen, gibt es nicht. Außerdem ist die Anzahl der Indexmitglieder unbegrenzt, wobei einzelne Werte dauerhaft nicht mehr als 25 Prozent ausmachen sollen. Über die Zusammensetzung entscheiden halbjährlich zwei Vertreter der Wiener Börse und zwei Vertreter von Emittenten, die Derivate auf die Indizes anbieten.

Derzeit enthalten RTX und RDX dieselben zwölf Unternehmen in nahezu identischer Gewichtung. Dabei entfällt der größte Anteil mit 26 Prozent auf den Erdgasriesen Gazprom. So ähnlich waren sich die beiden Indizes nicht immer: Ende 2005 fehlte Gazprom im RTX noch, weil ausländische Investoren keinen Zugang zu dieser Aktie hatten. Im RDX machte das Unternehmen damals schon 25 Prozent aus. Das ist einer der Hauptgründe dafür, weshalb der RDX bei Derivateanbietern als Basiswert bis heute beliebter ist als der RTX.

Beide Kursbarometer sind am 8. Oktober 1997 bei 1.000 Punkten gestartet. Den RTX berechnet die Wiener Börse auf US-Dollar-Basis, den RDX gibt es sowohl als USDollar- als auch als Euro-Variante. Allerdings bietet der deutsche Markt überwiegend Zertifikate auf die Euro-Version.