Robert Mathu, Chef der Börse in Kigali, Ruanda<br>(Foto: CMAC)

Robert Mathu, Chef der Börse in Kigali, Ruanda
(Foto: CMAC)

Ruandas Börsenchef: „Wir schaffen gerade die Grundlagen für einen Anleihemarkt“

DAS INVESTMENT.com: Wie würden Sie den aktuellen Status afrikanischer Anleihemärkte beschreiben?

Robert Mathu: Die Rentenmärkte sind noch jung und gerade dabei, sich zu einem wichtigen Finanzinstrument zu entwickeln. Schließlich sind sie nötig, damit sich die afrikanischen Länder ihre Wirtschaft finanzieren können. Gerade für den Ausbau der Infrastruktur sind langlaufende Anleihen bestens geeignet.

DAS INVESTMENT.com: Wie sieht es konkret in Ihrem Heimatland Ruanda aus?

Mathu: Wir schaffen gerade die Grundlagen, damit sich ein Bondmarkt entwickeln kann. Hier in der ostafrikanischen Region ist vor allem der Markt in Kenia vergleichsweise groß und dynamisch. Es gibt inzwischen Anleihen mit bis zu 50 Jahren Laufzeit. Handelsvolumen und –aktivität nehmen zu. Eine bemerkenswerte Entwicklung. Aber sie hat einige Jahre gedauert.

DAS INVESTMENT.com: Was kommt jetzt?

Mathu: Inzwischen gehen mehr und mehr afrikanische Länder an die internationalen Kapitalmärkte, um dort Staatsanleihen zu platzieren. Das ist wichtig und richtig, damit sie an die enormen Geldmengen kommen, die sie für Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur brauchen. Das hohe Interesse internationaler Anleger zeigt mir, dass sich afrikanische Länder zu vielversprechenden Investmentregionen entwickeln können, wenn nicht sogar zum nächsten Ziel auf der Suche nach Wachstum und hohen Renditen.

DAS INVESTMENT.com: Demnach sind internationale Anleger willkommen.

Mathu: Auf jeden Fall. Sie bringen Disziplin in den Markt und bringen ihn dazu, sich mehr nach den Wünschen von Investoren zu richten.

DAS INVESTMENT.com: Internationale Rating-Agenturen bewerten die Anleihen afrikanischer Länder recht schlecht. Ist das nicht unfair angesichts der vergleichsweise niedrigen Schuldenquoten?

Mathu: Die US-Agenturen bewerten Anleihen aus Schwellenländern generell nicht sonderlich gut. Die meisten afrikanischen liegen im spekulativen Bereich. Das macht die Kreditaufnahme für sie sehr teuer. Mag sein, dass die Agenturen in der Vergangenheit gute Gründe dafür hatten. Denn sie haben bewertet, wie gut diese Länder ihre Schulden in harten Dollar zurückzahlen können. Jetzt machen sie das immer noch so, da sie afrikanische Schuldner immer aus dem internationalen Blickwinkel betrachten, aus dem Blickwinkel des Dollar.

DAS INVESTMENT.com: Wird sich das bald mal ändern?

Mathu: So schnell nicht, weil es ja um internationales Kapital geht. Aber Rating-Agenturen sollten ihre Bewertungsrichtlinien durchaus mehr den Eigenheiten und Gegebenheiten der einzelnen afrikanischen Wirtschaften anpassen. Die unterscheiden sich mitunter in vielerlei Hinsicht stark voneinander, trotzdem liegen ihre Ratings sehr nahe beieinander. Hinzu kommt die Sache mit der Währung. Die Ratings sollten lieber beurteilen, wie gut die Länder ihre Schulden in lokaler Währung bedienen können, und nicht im Dollar.

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