Erinnern Sie sich noch an den Januar? Draußen vor dem Rosengarten pfiff der kalte Wind durch die Mannheimer Quadrate, drinnen drängten sich die Massen an den Ständen, und wir alle versuchten, aus dem Kaffeesatz der Fondsbranche zu lesen. „Stimmungsbericht aus Mannheim“ nannten wir das damals. Jetzt, knapp elf Monate später, sitzen wir wieder am Schreibtisch, der nächste Jahreswechsel steht vor der Tür, und es ist Zeit für einen ehrlichen Kassensturz.
Fast ein Jahr später lohnt sich der zweite Blick: Was war bloß Messe-Eindruck, was hat Substanz? Welche Trends haben Fahrt aufgenommen, welche sind versandet, welche haben sich leise, fast unbemerkt verschoben?
1. Private Markets: noch Nische – aber deutlich präsenter
Private Markets waren Anfang 2025 in Mannheim eher ein Randthema. Man wusste: wichtig, wachsend, strategisch relevant. Man sprach darüber – aber selten mit Nachdruck. Heute, elf Monate später, hat sich das Bild verschoben.
Private Markets sind immer noch kein Mainstream-Thema für die breite Beraterschaft, aber sie sind aus der Nische herausgetreten. Man hört deutlich mehr davon. So viel mehr, dass wir dem Thema inzwischen eine eigene Titelgeschichte gewidmet haben.
Auffällig ist vor allem: Die Lautstärke hat zugenommen.





Neo-Broker, die sich lange auf ETFs, Sparpläne und einfache Aktienlogik konzentriert haben, springen auf. Asset Manager betonen ihre Expertise in Private Equity, Private Credit, Infrastruktur oder Eltif-Strukturen. Kaum ein größeres Haus, das nicht zumindest kommunikativ Flagge zeigt.
Die Motive sind dabei relativ klar: Zum einen sind Private Markets eines der wenigen Segmente, in denen noch Margen zu verdienen sind – gerade in einer Welt, in der ETFs, Preisdruck und Vergleichbarkeit das klassische Fondsgeschäft immer stärker aushöhlen.
Zum anderen kommt regulatorisch Bewegung ins Spiel. Die Eltif-Novelle sorgt dafür, dass das Thema langsam, aber spürbar Fahrt aufnimmt. Noch nicht mit Vollgas – aber so, dass man es nicht mehr ignorieren kann.
Wer heute durch die Branche hört, spürt: In Mannheim wird man in wenigen Wochen sehr wahrscheinlich mehr Plakate, mehr Flyer, mehr Panels zu Private Markets sehen als noch Anfang 2025. Die große Demokratisierung steht zwar weiterhin aus. Aber das Thema hat den Sprung vom Zukunftsversprechen zur strategischen Baustelle geschafft.
2. ESG: Normalisierung statt Euphorie
„Das Ende der grünen Welle“ war Anfang des Jahres eine steile These – und sie hat sich im Kern bestätigt. Nachhaltigkeit ist nicht verschwunden. ESG-Fonds gibt es weiterhin. Große Häuser wie die DWS haben zuletzt sogar fünf ESG-Produkte auf Staatsanleihen der Eurozone an den Markt gebracht.
Und doch: Die emotionale Aufladung ist weg.
ESG ist kein Hype mehr, kein Aufreger, kein Differenzierungsmerkmal mit Signalwirkung. Für viele institutionelle Investoren ist Nachhaltigkeit heute schlicht ein Punkt auf der Checkliste. Wichtig, ja. Aber eben einer von vielen.
Auch gesellschaftlich hat sich die Wahrnehmung verschoben. Das Thema Nachhaltigkeit wird weniger öffentlich verhandelt, weniger moralisch aufgeladen, weniger politisch instrumentalisiert – nicht nur in der Finanzbranche, sondern insgesamt.
Hinzu kommt: Regulatorisch wurde nachgeschärft. Neue Vorgaben, klarere Namen, neue Abgrenzungen haben das Thema sachlicher, technischer, komplizierter gemacht. ESG ist heute weniger Vision, mehr Verwaltung. Die Finanzbranche ist desillusioniert von einer Regulierungswut, die sich selbst überarbeitet hat.
Ob das Thema noch einmal emotional auflädt? Möglich. Aber kurzfristig deutet wenig darauf hin. ESG ist angekommen – und gerade deshalb leiser geworden.

