Rücksichtsloser als Psychopathen: Folgen exzessiver Banker-Boni

Das Boni-System mache Börsenhändler zu asozialen Menschen – diese Behauptung stellte Thomas Noll in einem Interview mit „Spiegel Online“ auf. Der Schweizer Psychiater hatte in einer Studie Persönlichkeitsmerkmale und Kooperationsverhalten von Börsenhändlern untersucht und mit dem der Gesamtbevölkerung sowie Menschen mit Persönlichkeitsstörungen (Psychopathen) verglichen.

Das Ergebnis: Die Händler wiesen insgesamt weniger psychopathische Merkmale als die Normalbevölkerung auf. In Situationen, in denen es auf Kooperation mit Anderen ankam, verhielten sie sich jedoch nicht nur egoistischer und rücksichtsloser als andere Menschen, sondern schnitten sogar schlechter ab als Psychopathen. Oft war es den Händlern sogar wichtiger, ihren Konkurrenten zu schaden, als selbst Gewinne zu machen.

Dies beweise, dass das rücksichtslose Verhalten der Broker nicht in deren Persönlichkeit, sondern vielmehr in deren Umfeld begründet liegt, erklärt Noll gegenüber „Spiegel Online“. „Das System macht die Händler zu asozialen Menschen.“ Denn ihr rücksichtsloses Verhalten sei situationsbedingt: Da sie per se kein Bedürfnis hätten, anderen Menschen zu schaden, täten sie das nur, weil ein solches Verhalten belohnt werde.

„Die Welt der Händler ist sehr stark auf Geld fokussiert“, so Noll weiter. Das nehme ungesunde Ausmaße an. Exzessive Boni tragen laut dem Experten dazu bei, die Leute zu korrumpieren. „Es gibt keine richtigen Hierarchien, Titel zählen wenig. Die Händler können sich nur durch Geld und Statussymbole definieren.“ Und da die meisten Händler beim Jobeinstieg noch sehr jung seien, lassen sie sich laut Noll besonders stark von dem System beeinflussen.

Als Maßnahme gegen rücksichtsloses Verhalten schlägt Noll ein Bonus-Malus-System vor, das die Händler nicht nur für ihre Erfolge belohnen, sondern auch für Verluste bestrafen würde. Denn wenn sie etwas zu verlieren hätten, würden sie sich genauer überlegen, ob sie bestimmte Risiken eingehen wollen.

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