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Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

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Der japanische Premierminister Shinzo Abe tritt zurück: Seinem Nachfolger hinterlässt er eine herausfordernde politische Agenda. | © imago images / ZUMA Wire Foto: imago images / ZUMA Wire

Rücktritt von Shinzo Abe

Die Zukunft japanischer Aktien bleibt ungewiss

Am 28. August verkündet der Premierminister Shinzo Abe, dass er aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten wolle. Die Marktreaktionen waren ziemlich verhalten. An Japans makroökonomisch orientierter Politik dürfte sich zunächst nichts ändern. Doch langfristig könnten die politischen Herausforderungen zu Marktvolatilität und einer unterdurchschnittlichen Wertentwicklung japanischer Risikoanlagen führen.

Rückkehr des Wirtschaftswachstums in Japan

Was bedeutet Abes Rücktritt für die Märkte? Seine Wirtschaftspolitik – Abenomics genannt – hat Japan geprägt und aus der Deflation geführt. Vier Faktoren kennzeichneten seine Politik und gewährleisteten die politische Stabilität des Landes.

1) Die Bilanz der Bank of Japan (BOJ). Der Premierminister hatte immer ein konkretes Ziel vor Augen: Eine durchschnittliche Inflationsrate von 2 Prozent. Im Jahr 2013 ernannte er daher Haruhiko Kuroda zum japanischen Zentralbankchef. Unter seiner Führung wurde unter anderem die Negativzinspolitik beschlossen, einschließlich massiver qualitativer und quantitativer Lockerung.

2) Außenpolitik. Shinzo Abe pflegt eine gute Beziehung zum amtierenden Präsidenten Donald Trump. Sein Engagement für eine amerikanisch-japanische Allianz trug dazu bei, dass sich der Druck auf Japans Devisen- und Handelspolitik verringerte. Die Bank of Japan war damit in der Lage, den japanischen Yen (JPY) abzuwerten, ohne dass die USA zu viel Druck auf die Währung ausübt.

Abes Außenpolitik war pragmatisch: Trotz seines Bekenntnisses zum US-Japan-Bündnis gefährdet er nicht die Beziehung zu China. Das Gegenteil ist der Fall: Tatsächlich verbesserte sich das Verhältnis Japans zu China – so dass der chinesische Präsident Xi Jinping in diesem Jahr sogar zu seinem ersten Besuch nach Japan eingeladen wurde.

Japan profitiert vom globalen Wachstum, was zum Großteil den guten Beziehungen zu den USA und China zu verdanken ist. In Kombination mit dem schwachen Yen sind die japanischen Unternehmensgewinne rasch gestiegen, was Abe gleichzeitig dazu verholfen hat, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen.

3) Innenpolitik. Sein Pragmatismus spiegelt sich ebenfalls in der Innenpolitik wider. Es gelang ihm der Schwenk von einer Wachstums- zu einer Verteilungspolitik. Japans Wähler zollten seinen Bemühungen Anerkennung – was wiederum zur Schwächung der Oppositionsparteien beitrug.

4) Geldpolitik. Die Erhöhung der japanischen Umsatzsteuer in den Jahren 2014 und 2019 wurde lautstark kritisiert. Dennoch gelang es der Regierung unter Abe zumindest, die Priorisierung der Sparpolitik des Finanzministeriums zu begrenzen und ihre Ausgabenpolitik flexibler zu gestalten.

Vor welchen Herausforderungen Abes Nachfolger steht

Mit dem Rücktritt von Shinzo Abe stellt sich allerdings die Frage, wer die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt künftig leiten wird – und vor allem wie.

Die Außen- und Sicherheitspolitik dürfte sich schwieriger gestalten. Nicht nur die US-Wahlen führen zu mehr Unsicherheit, sondern die jüngsten Spannungen zwischen den USA und China erschweren es Japan, seine bisherige Außenpolitik gegenüber beiden Ländern aufrecht zu erhalten.

Der aktuell schwache US-Dollar wird sich ebenfalls für den Nachfolger Abes als Herausforderung darstellen. Eine Politik der Schwächung des Yen dürfte angesichts der stagnierenden wirtschaftlichen Erholung der USA sowie der weiterhin auf Lockerung setzenden Fiskalpolitik der Zentralbanken schwerer zu verfolgen sein.

Wir glauben, dass diese Herausforderungen mittel- bis langfristig zu einem erhöhten Risiko politischer Instabilität führen wird – was wiederum mehr Volatilität an den Finanzmärkten mit sich bringen und die Rendite japanischer Risikoanlagen belasten könnte. Ebenso ist in diesem Fall mit Unruhe am japanischen Anleihenmarkt zu rechnen.

Anleger sollten die politischen Herausforderungen sowie die mögliche Marktvolatilität in ihre Entscheidung für oder gegen japanische Anlagen einfließen lassen. Unerlässlich ist dafür, die Politik des Nachfolgers zu beobachten. Das könnte bei der Entscheidung helfen, ob sich Investments lohnen oder ob sich Anleger zunächst aus dem Markt zurückziehen sollten.

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