Viele Kunden wünschen sich Ruhestandslösungen, die maximal transparent und flexibel sind. Andererseits soll der avisierte Cashflow im Ruhestand planungssicher sein – und lebenslang zur Verfügung stehen. Mithin sollten die Mindesteinnahmen durch entsprechende Renten aus dem gesetzlichen, privaten und betrieblichen Vorsorgesystem sichergestellt sein.
Daneben können dann auch klug strukturierte Fondsdepots diese Mindesteinnahmen als nachhaltige und handhabbare Lösungen ergänzen.
Im Ruhestand verändern sich die finanziellen Bedürfnisse: In der aktiven Anfangsphase wird meist mehr Geld für Reisen und Hobbys benötigt, in späteren Jahren fallen oft höhere Gesundheitskosten an. Deshalb ist eine flexible Ruhestandsplanung in den einzelnen Lebensphasen essenziell.
Der Praxisfall
Ein verheiratetes Paar mit drei Kindern (3, 7 und 11 Jahre) möchte seine Vorsorgeplanung aktualisieren. Der Ehemann ist als Ingenieur angestellt, die Ehefrau arbeitet in Teilzeit im öffentlichen Dienst. Aufgrund familiärer Verpflichtungen hat der Ehemann seinen Arbeitgeber gewechselt und sein Jahreseinkommen auf 60.000 Euro reduziert.
Die existenziellen Risiken sind bereits umfassend abgesichert. Da die Familie bisher keine professionelle Finanz- und Ruhestandsberatung in Anspruch genommen hat, ist für sie der Überblick über die Leistungen der bestehenden Vorsorgeverträge verloren gegangen. Das Paar möchte seine aktuelle Versorgungssituation im Hinblick auf den Ruhestand mit Hilfe eines zertifizierten Finanzplaners klären. Dieser Ruhestand ist in etwa 25 Jahren geplant.
Das Paar verfügt über zwei Fonds- und Aktiendepots mit jeweils circa 40.000 Euro sowie über Tages- und Festgelder in Höhe von rund 120.000 Euro.
Nach eigener Aussage bevorzugen sie eine Ruhestandsplanung ohne zusätzliche Sparraten in Rentenversicherungen. Die bestehenden Festgelder und Depots bieten jedoch Optimierungspotenzial.
Der Beratungsprozess
Mithilfe einer kundenzentrierten Beratungssoftware wurde im engen Austausch mit den Kunden zuerst ihre Versorgungslücke ermittelt. Hier wurde unterschieden nach einer absoluten Mindesteinnahme und einer wünschenswerten Zielversorgung.
Die Mindestversorgung konnte über die bestehenden Bausteine erreicht werden. Um die wünschenswerte Zielversorgung zu erreichen, müssten zusätzlich zu den bestehenden Verträgen monatlich rund 1.200 Euro mit einer erwarteten Rendite von 5 Prozent p. a. langfristig investiert werden.
Eine transparente und ergebnisoffene Aufklärung über verschiedene Investitionsmöglichkeiten – darunter Rentenversicherungen, Depotsparen, Beteiligungen und Immobilien – verschaffte den Kunden zunächst einen guten Überblick.
Die Kunden tendierten dann in Richtung einer Depotlösung mittels eines Auszahlplans – weshalb der Beratungsfokus auf folgende Aspekte gelegt wurde:
1. Renditereihenfolgerisiko, Marktschwankungen, Cost-Average-Effekt und nicht lineare Wertentwicklungen – diese Themen wurden praxisnah erläutert. Beispielhaft ist die intuitive Bewertung von Charts genannt. Der blaue Kurs A scheint sich optisch besser zu entwickeln, was in der Realität jedoch lediglich auf eine Einmalanlage zutreffen würde. Im Sparplan ist der rote Kurs B erfolgreicher, da sich durch den regelmäßigen Anteilserwerb ein „fairer“ Durchschnittspreis ergibt.
2. Dreiteilige Depotstruktur zur Risikosteuerung erfolgt über eine Core-Satellite-Strategie:
- Investitionsreserve: gespeist aus auslaufenden Festgeldern
- Core-Portfolio: Vermögensverwaltende Fonds mit geringerer Volatilität
- Zusätzliche chancenorientierte Komponenten: weltweit diversifizierte Aktienanlagen zur langfristigen Wertsteigerung („Weltportfolio“)
Die Investitionsreserve bestehend aus kurzläufigen Rentenfonds ermöglicht eine sukzessive Umschichtung in das breit gestreute „Welt-Portfolio“, um langfristige Renditechancen zu nutzen. Im Rahmen dessen kamen sowohl aktive als auch passive Strategien zum Einsatz, die die ESG-Präferenzen der Kunden widerspiegeln. Ein honorarbasiertes Depot mit Rückvergütung von Bestandsprovisionen und ohne Agios sorgt für eine kosteneffiziente Anlage in gemanagte Fonds.
Es wurde auch die Möglichkeit erörtert, mögliche Gewinne aus den volatileren Satellite-Investments im Verlauf der Anlagedauer immer wieder gezielt zu realisieren – so ließe sich das Core-Portfolio sukzessive ausbauen und risikoadjustiert stärken. Dieses strukturierte Ruhestandsportfolio wächst kontinuierlich an und ermöglicht es, später zum Beispiel über einen Auszahlplan beziehungsweise über intelligente Cash-Flow-Funktionen des Fondsdepots regelmäßige Einkünfte zu generieren oder flexibel auf neue Investmentoptionen zu reagieren.
Sparrate absichern
Da die Investitionsreserve nur für die kommenden zehn Jahre ausreicht, ist es erforderlich, sie regelmäßig durch laufendes Arbeitseinkommen aufzufüllen. In diesem Zusammenhang wurde geprüft:
- Lässt sich die gesamte Sparrate für das vorgenannte Depot über eine Berufsunfähigkeitsversicherung absichern?
- Oder stellt, alternativ, ein reduzierter Sparplan mit einer dynamischen Weiterspargarantie im BU-Fall (sogenannte Airbag-Absicherung) die bessere Lösung dar?
Aufgrund der gesundheitlichen Vorgeschichte der Mandanten erwies sich Letzteres als vorteilhafter.
Nach einer Hochrechnung wurde ein kosteneffizienter ETF-basierter Sparplan über eine Rentenversicherung mit einer monatlichen Prämie (Sparrate inklusive Versicherung) von 150 Euro eingerichtet. Im BU-Fall ließe sich diese mit einer zehnprozentigen Passivdynamik weiterführen.
Ergebnis
Im Ergebnis kommt die vorgeschlagene Ruhestandsplanung dem Wunsch der Kunden nach einer investmentorientierten Lösung nach. Gleichzeitig sichern die bestehenden Vorsorgelösungen in Form von Versicherungen lebenslange Einnahmen. Auf diese Weise lässt sich ein sicherer, flexibler und transparenter Cash-Flow im Ruhestand erreichen.
Über den Autor:
Danny Jahn ist Jurist, Certified Financial Planner und seit fast 20 Jahren für MLP als Berater in Dresden tätig. Er verfügt über unterschiedliche Qualifizierungen, beispielsweise als zertifizierter Ruhestandsplaner, und unterrichtet zudem an der MLP Corporate University.

