Rumänien auf Wachstumskurs Mit großen Schritten zum Euro

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Ausländische Investitionen und Kapitalmärkte

Die ausländischen Direktinvestitionen in Rumänien stiegen laut der rumänischen Zentralbank (BNR) während der ersten zwei Monate des Jahres 2015 um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 409 Millionen Euro.

Strukturreformen werden unserer Meinung nach das Anlegervertrauen in Rumänien steigern – beispielsweise Initiativen für eine bessere Vorhersagbarkeit der Haushaltspolitik in Verbindung mit einer neuen IWF-Vereinbarung. Wir denken auch, dass die Maßnahmen, die zur Erleichterung des Anlegerzugangs zum lokalen Kapitalmarkt ergriffen wurden, positiv sind. Denn so können mehr ausländische Investitionen nach Rumänien gebracht werden.

Wir denken, die Entwicklung des Kapitalmarkts und eine höhere Liquidität der Bukarester Börse wären hilfreich, um mehr ausländische Anleger ins Land zu bringen. Wir sehen auch die berechenbare Haushaltspolitik als äußerst wichtig zur Anregung von Investitionen. Die Verabschiedung neuer Gesetze beziehungsweise die Änderung bestehender Gesetze durch Dringlichkeitsanordnungen muss daher vermieden werden. Unseres Erachtens müssen alle Änderungen das Parlament und einen öffentlichen Konsultationsprozess durchlaufen. Das muss zu einer grundlegenden Komponente des legislativen Prozesses werden.

Investmentchancen – und Risiken

Rumänische Aktien erscheinen uns im Vergleich zu anderen Ländern der Region generell unterbewertet. Im März 2015 lag beispielsweise das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des BET Index Romania bei 9,9. Demgegenüber lag es im XU100 Index in der Türkei bei 10,1, im WIG Index in Polen bei 14,4 und im BUX Index in Ungarn bei 13,6. Wir halten auch die Dividendenrenditen rumänischer Aktien für attraktiv.

Wir sehen nach wie vor gute Chancen in den Sektoren Energie- und Infrastruktur. Wichtige Treiber müssen weiterhin Privatisierungen (einschließlich Börsengänge staatlicher Betriebe) sein, die in Effizienzoptimierungen, eine bessere Corporate Governance und einer verbesserten Absorption der Rumänien zugewiesenen EU-Mittel resultieren. Wir können bei der allgemeinen Konjunkturerholung auch ein weiteres Wachstum des Binnenkonsums beobachten. Das dürfte die Erholung im Banksektor beschleunigen.

Zu den Risiken von Anlagen in Rumänien zählen die politische Volatilität, die bisher noch ausstehende Neuvereinbarung mit dem IWF, Verzögerungen bei der Umsetzung von Strukturreformen und eine niedrige Absorption von EU-Mitteln. Die unzureichende Vorhersagbarkeit ist ebenfalls nach wie vor ein Problem, das viele Anleger abschreckt. Eine nicht angekündigte Steuer auf Spezialbauten, die die Gewinnspannen von Unternehmen im Energiesektor stark reduziert, wurde kurz nach dem Börsengang eines Unternehmens in diesem Sektor eingeführt. Auch die regulierte Ertragsrate für Stromanbieter wurde nur wenige Monate nach dem Börsengang eines der größten Elektrizitätsunternehmen in Rumänien gesenkt.

Rumänien und der Euro

Rumäniens Ziel, bis 2019 den Euro zu übernehmen, ist unserer Meinung nach realistisch. Voraussetzung dafür ist, dass das Wirtschaftswachstum des Landes sich stetig fortsetzt und sich in einigen Schlüsselbereichen weiter verbessern kann. Zur Beurteilung der Bereitschaft des Landes zur Übernahme des Euro können laut der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) mehrere Übergangsindikatoren herangezogen werden. Hierzu zählen die Privatisierung großer und kleiner Unternehmen, die Umstrukturierung von Unternehmen und deren Governance, Preisliberalisierung, Handel, ein Forex-System und eine Wettbewerbspolitik. Im Vergleich zur Situation anderer Länder zum Zeitpunkt der Übernahme des Euro, wie Slowakei (2009), Estland (2011), Lettland (2014) und Litauen (2015), muss Rumänien unserer Meinung nach immer noch einige Korrekturen vornehmen – beispielsweise bei der Umstrukturierung von Unternehmen und deren Governance sowie bei der Wettbewerbspolitik. Fortschritte in diesen Bereichen würden dem Wachstumspotenzial Rumäniens enorm dienen. Außerdem würden sie sicherstellen, dass das Land für sein Ziel – die Übernahme des Euro bis 2019 – besser vorbereitet ist.

Mehr Liquidität für die rumänischen Märkte

Das quantitative Lockerungsprogramm (QE) der Europäischen Zentralbank (EZB) soll den Märkten Liquidität zuführen. Das dürfte sich unserer Meinung nach auch positiv auf den rumänischen Kapitalmarkt auswirken. Außerdem bietet das QE-Programm der rumänischen Zentralbank mehr Handlungsspielraum in Hinsicht auf geldpolitische Lockerungen. So senkte die Rumänische Nationalbank (BNR) ihren Leitzins im März auf einen Rekordtiefstand von 2 Prozent. Gleichzeitig sind wir der Ansicht, dass der Abwärtsdruck als Folge des QE-Programms der EZB auf Einlagezinsen und Staatsanleihen ausländische Investitionen und den Konsum zusätzlich stimulieren wird.

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