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Gregor Holek, RCM

Gregor Holek, RCM

Russland: Aufschwung oder Bärenmarkt-Rally?

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Holek managt zusammen mit seinen Teamkollegen die Osteuropa-Fonds der Gesellschaft, unter anderem den Aktienfonds RCM-Osteuropa (WKN: 973 205). DAS INVESTMENT.com: Die beiden russischen Aktienindizes RTS und Micex sind in den letzten Tagen stark gefallen. Am Ölpreis kann das nicht liegen – der hat sich seit seinem Tiefstand im Februar bis heute fast verdoppelt. Was ist an der Moskauer Börse los? Gregor Holek: Das liegt in der Natur der Sache. Sehen wir uns doch den Micex-Index an: Zwischen Februar und Anfang Juni hat er sich verdoppelt. Die – zugegebenermaßen extrem starken – Verluste der letzten Tage sind nichts anderes als eine notwendige Kurskorrektur. DAS INVESTMENT.com: Die hohen Kursverluste haben also nichts mit den Fundamentaldaten zu tun? Holek: Nein, das ist die ganz normale Volatilität der Börsen. Die Aktie der russischen Staatsbank Sberbank ist beispielsweise an einem einzigen Tag 15 Prozent in die Höhe geschossen; nach kräftigen Verlusten am Vortag – wie soll man das mit den Fundamentaldaten erklären? DAS INVESTMENT.com: Wo sehen Sie Chancen und Risiken auf dem russischen Markt? Holek: Der Markt korreliert sehr stark mit dem Ölpreis. DAS INVESTMENT.com: Ist das ein Risiko? Holek: Ich sehe das eher als eine Chance. Im Zuge der Finanzkrise brach die Nachfrage nach Öl und Gas zwar ein, mittel- bis langfristig wird sie aber wieder steigen. Vor allem China dürfte dabei als treibende Kraft fungieren: Das Land ist hungrig nach Energie. Die Zusammenarbeit zwischen Russland und China wird sich in Zukunft immer enger gestalten. DAS INVESTMENT.com: Und wo liegen die Risiken? Holek: Ganz klar im institutionellen Bereich. Das russische Rechtssystem hätte schon längst generalüberholt werden müssen. Die russischen Gerichte sind nicht unabhängig: Der Kreml mischt sich nur zu gerne in das Wirtschaftsgeschehen ein. DAS INVESTMENT.com: Das klingt ja nicht gerade nach einem Top-Investmentstandort. Holek: Dafür locken in Russland hohe Renditen als Risikoprämien. DAS INVESTMENT.com: Hat das Land noch etwas anderes als Öl und Gas zu bieten? Holek: Holz und Waffen. DAS INVESTMENT.com: Und sonst? Holek: Vielleicht noch Raumfahrttechnik. Nein, im Ernst, außer seinen natürlichen Ressourcen hat Russland nicht viel zu bieten. Abgesehen von Waffen und der Raumfahrt fehlt dem Land technisches Know-How. Die Spitzentechnologien werden immer noch im Westen eingekauft, wie das Beispiel Opel eindrucksvoll zeigt. DAS INVESTMENT.com: Wie wirken sich politische Konflikte, wie beispielsweise der Georgien-Krieg, bei dem sich Russland offen gegen „den Westen“ gewendet hat, auf den Investmentstandort und die Investitionsbereitschaft westlicher Anleger aus? Holek: Um politische Konflikte mache ich mir nicht so viele Sorgen. DAS INVESTMENT.com: Warum nicht? Schließlich stellen sie ein großes Verlustrisiko dar. Holek: Wenn es Geld zu verdienen gilt, sind Investoren bereit, gewisse Risiken einzugehen. Die politischen Unruhen sind in der hohen Risikoprämie enthalten. Man betrachtet eher die Cashflows der Unternehmen, in die man investieren will, als die politische Gesamtsituation. DAS INVESTMENT.com: Ihr RCM-Osteuropa-Fonds hat im laufenden Jahr ein Plus von rund 30 Prozent erzielt und liegt knapp 10 Prozentpunkte über dem Vergleichsindex MSCI EM Eastern Europe. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis? Holek: Der Optimismus. DAS INVESTMENT.com: Bitte? Holek: Wir sehen derzeit mehr Chancen als Risiken auf dem russischen Markt und sind nicht so vorsichtig wie manche Mitbewerber. So sind wir seit Jahresanfang voll investiert und haben Finanzwerte sowie die Energiebranche übergewichtet. Geografisch bildet Russland den Schwerpunkt, in großem Abstand folgen die Türkei und Polen. DAS INVESTMENT.com: Zu ihren Top-Positionen gehören Gazprom, Lukoil und die Sberbank. Wie sehen Sie die kurz- und mittelfristige Entwicklung dieser Unternehmen? Holek: Bei der Sberbank gehen wir davon aus, dass der Anteil der faulen Kredite, die nicht bedient werden können, auf bis zu 20 Prozent steigen wird. DAS INVESTMENT.com: Die Sberbank ist ja die größte Bank Osteuropas. Wie kamen Sie nach der Finanzkrise dazu, rund 5 Prozent des Fondsvermögens ausgerechnet in eine Bank anzulegen? Holek: Der russische Staat sitzt noch immer auf enormen Fremdwährungsreserven aus dem Energieexportgeschäft. Die großen, systemwichtigen Banken werden also vom Staat gestützt. Im Gegensatz zur westlichen Welt gab es in Russland auch keine Bankenkrise, sondern nur eine ganz normale, wenn auch sehr ausgeprägte Wirtschaftskrise. Zweifellos ist der Wirtschaftsabschwung in Russland sehr stark. Von Verhältnissen wie im Jahre 1998 sind wir aber weit entfernt. DAS INVESTMENT.com: Und was ist mit Lukoil und Gazprom? Holek: Die beiden Unternehmen sind immer noch relativ billig und versprechen gute Renditen. Außerdem kommt niemand, der in Russland investieren will, an Gazprom vorbei: Gazprom ist Russland. DAS INVESTMENT.com: Nun handeln manche Analysten und Fondsmanager GUS-Länder wie Ukraine und Kasachstan als Geheimtipp. Was halten Sie davon? Holek: Nicht viel. DAS INVESTMENT.com: Warum? Holek: In der Ukraine sieht es auf der politischen Ebene nicht nur schlecht, sondern katastrophal aus. Seit der sogenannten orangenen Revolution in 2004 gibt es dort eine große politische Instabilität. Reformen sind nur sehr schwer umzusetzen. Auch die Nachfrage nach dem wichtigsten Exportartikel des Landes – dem Stahl – ist im Zuge der Wirtschaftskrise eingebrochen; es ist nicht abzusehen, wann sie sich erholen wird. Wir halten Ukraine keinesfalls für einen guten Tipp und sind auch nicht investiert. DAS INVESTMENT.com: Und Kasachstan? Holek: Dort spielt sich die gleiche Geschichte wie in Russland ab: Die Währung, der Tenge, ist abgewertet, die Banken kämpfen mit Finanzierungsproblemen. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Kredite über Fremdkapital finanziert wurden. Und eben dieses Fremdkapital ist derzeit nicht zu bekommen. Chancen sehen wir bei den Rohstoff-Firmen Kazakhmys und ENRC. Nach der Abwertung des Tenge können sie zu sehr wettbewerbsfähigen Preisen produzieren. Das heißt: Auch bei niedrigen Rohstoffpreisen machen diese Unternehmen gute Gewinne.

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