„Russland ist liquidester Rentenmarkt Osteuropas“

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Bewegung in Bratislava: Der slowakische Staatspräsident Ivan Gasparovic hat gestern den EU-Reformvertrag von Lissabon ratifiziert. Auch Europa öffnet den Slowaken die Tür: Europäische Zentralbank und EU-Komission befürworten den Beitritt des Landes in den Club der Euroländer 2009. Was das für den Rentenmarkt Osteuropas bedeutet, fragte DAS INVESTMENT.com Kerstin Terhardt. Die Managerin der Düsseldorfer HSBC Investments verantwortet die Anlagepolitik des Emerging Europe Bonds (WKN: 974121). Der Rentenfonds wurde bis Anfang dieses Monats unter dem Namen Euro High-Yield von der amerikanischen HSBC-Tochter Halbis Capital Management betreut.

DAS INVESTMENT.com: Zum 1. Januar 2009 könnte die Slowakei den Euro einführen. Nur noch die EU Finanzminister müssen zustimmen. Welche Chancen bieten Anlagen in Slowakischer Krone im letzten halben Jahr vor ihrer Abschaffung?

Kerstin Terhardt: Die Slowakische Krone entwickelte sich in den letzten Jahren glänzend. Jetzt erwarte ich aber nur noch geringe Ertragschancen auf der Währungsseite. Staatsanleihen der Slowakei bieten deutlich geringere Renditen als in anderen Ländern der Region.

DAS INVESTMENT.com: Wie erklären Sie sich das?

Terhardt: Die Slowakei hat bereits sehr weit gegenüber den westeuropäischen Staaten aufgeholt. Die Schuldnerqualität des slowakischen Staates wurde von den Rating-Agenturen hochgestuft. Damit sind Staatsanleihen der Slowakei für uns nicht mehr interessant.

DAS INVESTMENT.com: Aber mit besserem Rating steigen doch die Anleihenkurse.

Terhardt: Tendenziell richtig, allerdings wird eine solche Entwicklung bereits vorweg genommen. Das war auch im Fall der Slowakei so. Die Anleihen notieren aktuell nur noch mit sehr geringen Risikoprämien. Sie haben nur noch geringes Potenzial.

DAS INVESTMENT.com: In welchen Ländern finden Sie derzeit interessantere Investmentchancen?

Terhardt: Die liquidesten Emissionen innerhalb der Region findet man in Russland. Hier investiere ich in Unternehmensanleihen von Emittenten wie Gazprom, Transneft, Vimpelcom und Evraz. Ich setze aber auch auf Bankenanleihen von VTB oder der Sberbank.

DAS INVESTMENT.com: Wie sieht es mit den weniger weit entwickelten Volkswirtschaften Südosteuropas aus?

Terhardt: Im Bereich Staatsanleihen sind Bulgarien und Rumänien, aber auch Serbien derzeit attraktiv. Die lokalen Märkte für Unternehmensanleihen stecken hier dagegen noch in den Kinderschuhen. In den kommenden Jahren rechne ich aber mit einem stark steigenden Emissionsvolumen von Unternehmensanleihen. In der gesamten Region erwarte ich für dieses Segment des Rentenmarktes eine ähnliche Entwicklung wie in Westeuropa in den Neunziger Jahren.

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