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Russland-Ukraine Krise „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, über den Kauf europäischer Aktien nachzudenken“

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Investitionen in europäische Unternehmen lohnen sich


Die Aktien einiger europäischer Unternehmen, die in Russland tätig sind, wurden aus meiner Sicht durch die Entwicklungen unverhältnismäßig stark abgestraft. Das deutet unserer Meinung nach darauf hin, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, über den Kauf europäischer Aktien nachzudenken.

Es gibt unterschiedliche Gründe, europäische Unternehmen in einem positiven Licht zu sehen. Wenn man beispielsweise über die kurzfristige Schwäche der Konjunkturdaten hinwegsieht, waren die Umsatzergebnisse auf Unternehmensniveau in der Tat besser als erwartet. Die Umsätze europäischer Unternehmen präsentierten sich im zweiten Quartal 2014 insgesamt solide. Hinzu kommen die generell positiven Prognosen für die nächsten zwei oder drei Quartale. Da ist es nicht schwer, in Hinsicht auf die Wachstumsaussichten für europäische Unternehmen optimistisch zu sein.

Schwacher Euro macht europäische Unternehmen konkurrenzfähig

Tatsache ist, ein großer Teil des erwarteten Wachstums stammt von außerhalb der europäischen Grenzen. Die Umsatzzahlen europäischer Unternehmen für das zweite Quartal veranschaulichen dies recht gut. Denn ein großer Anteil kommt aus Nordamerika und China. Diese Märkte sind solide gewachsen und für viele Unternehmen in Deutschland und anderenorts viel wichtiger als Russland.

Ich glaube, europäische Unternehmen dürften auch durch den abschwächenden Euro Rückenwind erhalten. Die Währung fiel von 1,40 US-Dollar noch am 6. Mai 2014 auf unter 1,30 US-Dollar am 11. September.  Das wirkt sich jetzt schon auf die Unternehmensumsätze in Europa aus. Wir gehen davon aus, dass dies eine gute Entwicklung für europäische Aktien ist. Denn eine schwächere Währung könnte diese Unternehmen sogar noch konkurrenzfähiger machen.

Dividendenrendite macht europäische Aktien attraktiv


Eine weitere Dynamik, die europäische Aktien derzeit für uns attraktiv macht, ist die durchschnittliche Dividendenrendite des Stoxx 600, dem europäischen Gegenstück zum S&P 500 Index. Denn sie ist deutlich attraktiver als in den USA. Das bedeutet, Anleger erhalten eine Ausschüttung nur dafür, dass sie die Aktien dieser Unternehmen halten. Dies insbesondere zu einer Zeit, zu der (Stand: 1. September 2014) zehnjährige deutsche Bundesanleihen weniger als 1 Prozent Rendite brachten. Dabei wird das Potenzial weiterer, zukünftiger Verbesserungen der Unternehmensumsätze und Gewinnspannen noch gar nicht einmal berücksichtigt.

Aktien von Automobilherstellern und Finanzwesen im Fokus

Insbesondere deutsche Aktien erscheinen uns zunehmend attraktiv und inmitten der russischen Krise können wir Wert entdecken. Wir mögen Aktien im Sektor zyklische Konsumgüter, denn ihre Bewertungen sind im Vergleich zu anderen Sektoren, wie Gesundheitswesen und nichtzyklische Konsumgüter, niedrig.

Wir finden in dieser Sparte viele Unternehmen mit soliden Bilanzen, gutem Cashflow und einer guten Geschäftsführung. Dabei gefallen uns Automobilhersteller, Einzelhändler, Aktien aus dem Freizeitbereich und Finanzwesen, einschließlich Banken, ganz besonders gut. Wir favorisieren generell auch Industriewerte und halten Unternehmen für besonders attraktiv, die derzeit umstrukturiert werden.

Bei allen Krisen oder anderweitigen Marktverwerfungen ist es wichtig, das Gesamtbild nicht aus dem Auge zu verlieren. Wenn wir investieren, erstreckt sich unser Zeithorizont über Jahre und nicht nur über Monate. Wir verhalten uns sehr oft dem Trend entgegenläufig und sind bisweilen auch früh dran. Nichtsdestotrotz sehen wir keinen Grund dafür, nicht weiterhin an Orten nach langfristigem Wert zu suchen, an denen andere nur kurzfristige Risiken sehen – in diesem Fall in Europa.

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