Frank Hübner, stellvertretender Chefvolkswirt bei Sal. Oppenheim

Frank Hübner, stellvertretender Chefvolkswirt bei Sal. Oppenheim

Sal-Oppenheim-Volkswirt über die Zinswende

„Unser Ausblick ist optimistischer als der der Fed“

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Herr Hübner, alle reden von der Zinswende in den USA. Wann kommt sie denn endlich?

Für mich ist der Zeitpunkt nicht entscheidend. Viel wichtiger ist doch, wie lange und wie stark die Fed die Zinsen anheben wird. Fed-Präsidentin Janet Yellen sieht das offenbar ähnlich: Nach der Juni-Sitzung des Offenmarktauschusses der amerikanischen Notenbank (FOMC) empfahl sie, die Frage nach dem Startpunkt der Leitzinserhöhungen in der öffentlichen Diskussion nicht zu hoch zu hängen. Stattdessen solle das gesamte von der Fed projizierte Verlaufsmuster des Zinspfades im Mittelpunkt stehen.

Wagen Sie trotzdem eine Prognose, wann die zinspolitische Normalisierung beginnt?

Von der anstehenden FOMC-Tagung sind noch keine geldpolitischen Entscheidungen zu erwarten. Viele „Fed-Watcher“ erwarten jedoch mit Spannung die Kommunikation der Fed im Anschluss an die Sitzung: Gibt die Notenbank eindeutige Signale für das Timing des ersten Schrittes im anstehenden zinspolitischen Normalisierungsprozess? Die Fed wird die Leitzinswende nur einleiten, wenn sie eindeutig der Meinung ist, dass eine geldpolitische Notfallmedikation für die US-Wirtschaft nicht mehr notwendig ist.

Und was wird die Fed dann tun?

Wenn sie sich auf den Weg macht, wird sie diesen recht vorsichtig beschreiten und noch einige Zeit darauf bedacht sein, expansive Impulse ins System zu geben. Im Juni haben die FOMC-Mitglieder projiziert, dass der Leitzins noch Ende 2017 unter 3% liegen wird. Das ist deutlich unter dem langfristig neutralen Geldmarktsatz von 3,75%. Auf diesem vorgezeichneten Pfad bliebe die Fed noch mehr als 2 Jahre lang geldpolitisch auf dem Gas. Und das obwohl sie laut der eigenen Prognosen schon im kommenden Jahr die Ziele ihres dualen Mandats erreichen wird, was Inflation und Arbeitslosigkeit angeht.

Wieso tut die Fed das?

Vor der Finanzkrise berücksichtigte die Fed mit ihrer Politik, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis sich geldpolitische Impulse auf die Realwirtschaft auswirken. Mit ihrem jetzigen Ausblick weicht sie von einer vorausschauenden, „vor der Kurve“ agierenden Geldpolitik ab. Das ist nicht ohne Risiken. Es bringt aber auch zum Ausdruck, dass die US-Notenbanker angesichts der globalen Risikolage und der noch nicht völlig ausgeräumten Deflationssorgen in den USA noch Unbehagen verspüren.

Wie sollte die Fed Ihrer Meinung nach vorgehen?

Eine Lösung kann darin bestehen, dass sie das Timing der Zinswende mit dem anschließenden Tempo ihrer geldpolitischen Normalisierung verknüpfen. Kommt der erste Zinsschritt zeitnah, erhöht das die Chance, dass die Fed den Erhöhungszyklus (gesamt-) wirtschaftlich erträglich schrittweise durchführen kann. Gibt sie den Startschuss zu spät, erhöht sich das Risiko für ein heftigeres „Entschleunigungsmanöver“. Unser Ausblick für die US-Wirtschaft in diesem und im nächsten Jahr fällt sogar etwas optimistischer aus als der der Fed. Von daher sind für uns die Voraussetzungen für einen Start in den geldpolitischen Normalisierungsprozess gegeben. Warum noch länger warten? Nicht nur im Wanderurlaub gilt: Wer ohne Hast ans Ziel kommen will, sollte zeitig aufbrechen.

Das Interview wurde DI.com von Sal. Oppenheim zur Verfügung gestellt.

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