Hannah Ritzmann

Pokémon, Magic, Yu-Gi-Oh! Sammelkarten-Profi: Vom Hobby zum Beruf – was du über Karten als Investment wissen musst

Pikachu, Yu-Gi-Oh-Karten und der eine Ring
Pikachu, Yu-Gi-Oh-Karten und der eine Ring: Ob sich Sammelkarten als Investment eignen, haben wir im Gespräch mit Magic-Profi Jamin Kauf herausgefunden.
© Hannah Ritzmann mit Canva
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Pokémon, Magic: The Gathering und Yu-Gi-Oh!: Kids der 1990er erinnern sich wohl noch an den Nervenkitzel, der beim Öffnen eines frisch gekauften Sammelkartenbooster aufkam – die Hoffnung auf den glänzenden Helden oder die seltene Kreatur, die die Freunde vor Neid erblassen lässt.

„Meine Leidenschaft für Sammelkarten habe ich von meinem älteren Bruder“, erzählt Jamin Kauf. 1997 geboren, schwamm Kauf strenggenommen nicht direkt auf der Welle aus Neonfarben und Sammelobjekten der 90s mit. Da er seinem Bruder jedoch nahestand, holte ihn dennoch das Sammelfieber ein. Welches Kartenspiel es den beiden besonders angetan hatte: Magic: The Gathering (Magic). „Obwohl mein Bruder irgendwann aufhörte, spielte ich weiter und nahm es immer ernster“, meint Kauf.

Nach seinem Schulabschluss begann der Magic-Fan ein Mathematikstudium – was jedoch bald in den Hintergrund rückte: „Als Student hat man viel Freizeit – zumindest, wenn man das Studium nicht ernst nimmt“, gibt er zu. Sein erstes internationales Magic-Turnier spielte Kauf 2015 in den Niederlanden. Kurz darauf folgten Siege und Preise, aber auch Niederlagen.

Sein bisher größter Erfolg: Die Magic-Online-Championschips – ein Turnier bei dem jedes Jahr nur 24 Teilnehmer geladen werden – und bei dem er 10.000 US-Dollar Preisgeld einsackte. Kurz danach brach Kauf sein Studium ab und startete seinen Job im Social-Media-Team des Online-Handelsplatz für Kartenspiele „Cardmarket“. Dort ist er nun auf Youtube, Instagram und Co. für die Firma unterwegs.

Eine ungewöhnliche Jobwahl? Nicht unbedingt: Denn auch heute sind Kartenspiele beliebt. Eine Analyse der Onlinedatenplattform Statista zeigt, dass der Umsatz in Deutschland 2022 bei 135 Millionen Euro lag – für 2028 gehen Analysten sogar von 179 Millionen Euro aus.

Aus diesem Grund beschäftigt sich Kauf beruflich 32 Stunden in der Woche mit Sammelstücken – allen voran Magic-Karten. Und privat? „Als Spieler bin ich nicht mehr so aktiv, aber 10.000 Karten besitze ich sicherlich noch.“ Das sei jedoch nur ein Bruchteil von dem was er mal besaß – in Spitzenzeiten waren es um die 100.000 Magic-Karten. 

Das Geschäftsmodell rund um Sammelkarten – und wo du sie kaufen und verkaufen kannst

Doch nicht nur Kauf verdient am Sammelkarten-Geschäft. „In Europa haben wir einen sehr guten Markt für Sammelkarten durch Cardmarket“, so Kauf. Wobei er betont: „Ich sage das nicht nur, weil ich dort arbeite.“ Etwa 90 Prozent der Community würden ihre Karten über die Plattform kaufen. Andere Marktplätze seien noch Ebay und Facebook. Diese sind jedoch nicht auf Sammelkarten spezialisiert und daher weniger empfehlenswert.

Was Cardmarket besonders macht: Jeder kann Karten kaufen und verkaufen, wodurch der Preis einer Karte ganz einfach durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Dadurch besitzt niemand ein Monopol – und es gibt keine großen Shops die den Preis bestimmen, wie es beispielsweise in Amerika der Fall sei.

 

Doch bevor die Karten auf Cardmarket landen müssen sie produziert werden. Im Falle von Magic heißt der Hersteller hinter den bunten Pappen „Wizards of the Coast“. Das Unternehmen verkauft jedoch ausschließlich Booster – also Packungen mit einer zufälligen Auswahl an Karten.

Wie es dann einzelne Karten auf den Markt schaffen?

Ganz einfach: „Wenn Shops davon ausgehen, dass viele gefragte Karten in den Boostern sind, dann öffnen sie diese und verkaufen die Karten einzeln weiter“, so Kauf. Dabei setzen die Anbieter auf die Normalverteilung: „Wenn ein Shop-Betreiber einen Booster für 3 Euro ersteht, weiß er, dass es zu einem Prozent möglich ist, dass eine Karte drin steckt die 50 Euro wert ist, zu 50 Prozent eine Karte die Cents wert ist und so weiter.“

Zwar kennen die Läden die Wahrscheinlichkeitsaufteilung nicht genau aber zumindest grob. Ein System das sich statistisch gesehen vor allem dann rentiert, wenn man viele Packungen kauft. „Das machen die Shops dann so lange, bis die Nachfrage gedeckt ist und es sich nicht mehr auszahlt“, so Kauf weiter. Das gilt jedoch hauptsächlich für Karten, die noch recht frisch am Markt sind.

Welche Sammelkarten sich lohnen: Der Unterschied zwischen Sammlern und Spielern

Womit geklärt ist, wie sich das Geschäft für Shops rentiert.

Doch welche Sammelkarten lohnen sich für Einzelpersonen?

„Bei der Nachfrage muss man zwischen Sammlern und Spielern unterscheiden“, meint Kauf. Während für Sammler:

  • schöne Bilder,
  • eine geringe Auflage,
  • Zustand oder
  • der Nostalgie-Faktor ausschlaggebend sind,

suchen Spieler nach mächtigen Karten, die sie im Spiel voranbringen. Dabei spielen Zustand oder Glitzereffekte keine Rolle.

„Ob sich Karten als Investment eignen, ist schwer zu sagen und hängt vom jeweiligen Spiel ab“, so Kauf. Vor allem Influencer erweckten in der Vergangenheit häufig den Anschein, dass allen voran Pokémonkarten ein lohnende Wertanlage sein können.

„Das hat viel mit Aufmerksamkeit zu tun“, meint Kauf. „Pokémon kennen die Leute durch das Videospiel und den Anime, was aber nicht bedeutet, dass dieses Spiel bessere Wertanlagen bietet als beispielsweise Magic- oder Yu-Gi-Oh!-Karten.“

Was durchaus stimmen könnte, denn erst im vergangenen Monat löste die Aufregung um die einzelne Magic-Karte „One Ring“ einen regelrechten Hype aus. Angelehnt an J. R. R. Tolkiens Geschichte „Herr der Ringe“ brachte der Kartenhersteller „Wizards of the Coast“ ein neues Set raus, mit dem Versprechen:

„Nur ein einziger englischsprachiger ‚Der Herr der Ringe: Geschichten aus Mittelerde‘- Sammler-Booster auf der ganzen Welt enthält die Karte The 1 of 1 Ring (mit Seriennummer 001 von 001). Und warum sollte es nicht deiner sein?“

Diese Ankündigung sorgte dafür, dass Fans massenweise Kartenboxen horteten – auch Collectors Booster genannt – die zwischenzeitlich für über 600 Euro gehandelt wurden, der Normalpreis lag in etwa bei 350 Euro. Das Problem: Als die Karte gefunden wurde, rauschten die Preise wieder in den Keller. Mittlerweile wurde die Karte vom US-amerikanischen Sänger Post Malone für 2,6 Millionen kanadische Dollar vom glücklichen Finder erstanden. 

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Kartenverkäufe in Millionenhöhe: Ausnahme oder Regel?

Die Geschichte um den „einen Ring“ klingt zwar spektakulär, ist aber kaum etwas worauf alle Sammler hoffen können. Oder doch?

„In den vergangenen Jahren gab es keine vergleichbaren Aktionen im Magic-Universum mit nur einer Karte“, meint Kauf. Es gab allerdings sehr limitierte Auflagen, wie beispielsweise Karten die nummeriert waren von 1 bis 500. Ein Beispiel ist die Karte „Platinium Angel“, von der auf Cardmarket fünf Stück zu haben sind. Dort reichen die Angebote von 900 Euro bis 3.000 Euro. Tatsächlich verkauft wurde sie das letzte Mal im Januar für 550 Euro.

Beispielkarte Platinium Angel
Beispielkarte Platinium Angel. © Cardmarket

Ein weiteres Beispiel: „Mishra's Bauble“ von der ebenfalls nur fünf Angebote auf der Plattform zu finden sind. Diese ging das letzte Mal im Mai für 405 Euro weg. Angebote für die Karte reichen jedoch bis zu 8.000 Euro.

„Es hat auch immer mit Glück zu tun, einen Käufer zu finden, der bereit ist deine Wunschsumme zu bezahlen“, betont Kauf.

Kartenbeispiel Mishra's Bauble
Kartenbeispiel Mishra's Bauble. © Cardmarket

Ein gutes Beispiel für normale Preisvorstellungen bei einer halbwegs wertvollen Karte ist „Sheoldred, the Apocalypse“. Hier schwanken die Preise zwischen 63 Euro und 87 Euro. Die Karte sei derzeit vor allem für Tuniere relevant und daher bei Spielern besonders beliebt.

Kartenbeispiel Sheoldred, the Apocalypse
Kartenbeispiel Sheoldred, the Apocalypse. © Cardmarket

Warum man unbedingt wissen sollte, ob die Karte für Sammler oder Spieler wertvoll ist

Was Kauf jedoch zugibt: „Bei Pokémon tummeln sich zu 90 Prozent Sammler – die Leute wissen teilweise gar nicht wie man damit spielt.“ Anders sei es bei Magic. Dort hängen Preisänderungen auch häufig an den Spielern – das merke man vor allem, wenn diese sich für das nächste Turnier eindecken. Bei Yu-Gi-Oh! stehe dagegen fast ausschließlich das Spiel im Vordergrund.

Den Unterschied zwischen Sammler und Spieler zu kennen ist in der Karten-Community demnach nicht gerade unwichtig.

Allen voran bei Magic können unerfahrene Sammler schnell Verluste machen, denn Spiele werden dort regelmäßig neu gebalanced. Das bedeutet, dass Karten, die im Spiel zu mächtig geworden sind, gebannt werden und nicht mehr verwendet werden dürfen. „Wenn ich als Investor nicht viel über Magic weiß, mir eine Karte für 20 Euro schnappe, diese aber nur für Spieler interessant war und dann gebannt wird, ist sie auf einmal nur noch Cents wert“, warnt Kauf.

Anders sei es allerdings, wenn die Karte einen Nostalgiefaktor habe, weil sie beispielsweise 1995 gedruckt wurde und eine geringe Auflage hat. Dann sei die Chance, dass sie nach 1,5 Jahren wertlos ist, fast null. Selbstverständlich könne es sein, dass sie im Wert fällt oder steigt. „Aber da gibt es einfach einen riesigen Unterschied zwischen Spiel- und Sammelwert,“ betont der Magic-Liebhaber.

 

Welche Sammelkarten im Wert steigen – die Jagd nach dem Nostalgiefaktor

Sollten Investoren aus diesem Grund also nur auf alte Karten setzen?

„Alle Hersteller haben einen Rahmen von ein bis zwei Jahren, in dem sie neue Sets nachdrucken“, so Kauf. Danach ist die Nachfrage meist zu gering und die Produktion wird eingestellt.

Was bedeutet: Wenn ein Investor direkt nach dem Erscheinungsdatum eine Karte kauft, weil er hofft, dass sie im Wert steigt und andere kommen auch auf die Idee, wird sie nachgedruckt. Wenn ein Anleger jedoch eine Karte kauft, die schon seit ein paar Jahren draußen ist, kann da in der Regel kein zusätzliches Angebot nachkommen.

Doch auch dabei gibt es Ausnahmen: Bestimmte Hersteller drucken die gleiche Karte wieder in einer neuen Edition. Wie sich sowas auf den Wert der alten Edition auswirkt, ist schwer zu sagen. „Je mehr die Karte mit Turnierspiel zu tun hat, desto mehr drückt es den Preis, weil das Interesse dann nicht auf dem Sammlerwert liegt – und dann ist die neue Karte genauso gut wie die alte“, so Kauf.

Was bei Magic besonders ist: Die sogenannte „Reserved List“. Dort können Sammler Karten sehen, die nie wieder neu aufgelegt werden dürfen. Ob es sich dabei tatsächlich um einen bindenden Vertrag handelt oder nur um ein Versprechen an Magic-Fans ist ungewiss.

Fakt ist: Bisher hat sich Wizard of the Coast in der Regel darangehalten.

„Diese Liste ist dementsprechend auch beliebt bei Leuten, die investieren oder sammeln. Weil sie damit mehr oder weniger die Garantie haben, dass die Karte nicht wieder aufgelegt wird “, so Kauf.

Trotzdem hält der Cardmarket-Experte fest: „Reine Turnierkarten eignen sich nicht als langfristige Investition.“  Aber, wenn man spekulieren möchte, dann sind diese Karte gerade gut. „In dem Fall kann man auf der ersten Welle mitschwimmen, wenn Spieler ihren Wert entdecken“, meint Kauf. Dafür aber notwendig: das Knowhow.

 

Die größten Risiken bei Sammelkarten-Investments

  • Investoren sollte sich mit der Materie auskennen. Wenn man nicht genug Research betreibt, kann es passieren, dass man was übersieht. Zum Beispiel kauft man eine falsche Edition oder ähnliches.
  • Sammelkarten sind illiquide – was bedeutet: Du musst für die Karte erstmal einen Käufer finden, der bereit ist, deine Wunschsumme zu bezahlen.
  • Wenn die Karte nur wegen des Spielwerts interessant ist, brauchst du viel Glück, dass sie nicht im Spiel verboten wird.
  • Je neuer die Karte, desto eher gleicht eine mögliche Wertsteigerung Spekulation und Glückspiel.
  • Man sollte einen guten Plan haben, wie man seine Karten versichern möchte und aufbewahrt: Feuchtigkeit, Hitze und äußere Einflüsse können die Karte im schlimmsten Fall wertlos machen.
  • Außerdem: Es kann vorkommen, dass das Spiel in zehn Jahren nicht mehr hip ist und dann hat man nur noch schöne Pappe.

Dennoch ist Kauf sich sicher: „In jedem Spiel kann man Karten finden, die sich als Investment eigenen, wenn man sich genug mit dem Spiel und den treibenden Kräften dahinter beschäftigt.“ 

 

 

Was bist du, Sammler oder Spieler?

Auf jeden Fall Spieler!
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Ich bin Sammler, mich faszinieren einfach die Karten
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Bisher gehöre ich in kein Lager - aber ich könnte es mir vorstellen
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Ich sammle und spiele, für mich gibt es da kein Unterschied
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So ein Quatsch, ich halte beides für Zeitverschwendung
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