Drei, vier Mails hat die Redaktion an die Pressestelle der Deutschen Telekom geschickt. Zurück kam nichts. Dabei geht es um ein Produkt, das es in dieser Form in Deutschland noch nicht gibt.
Nach Informationen dieser Redaktion steigt die Deutsche Telekom über ihre Tochter Telekom Finance in das Geschäft mit dem Altersvorsorgedepot ein. Magenta Finance soll das Angebot heißen. Es richtet sich zunächst an die eigenen Mitarbeiter, kostet 0,06 Prozent plus Fondskosten und wird über das Kölner Fintech Xaver abgewickelt – dieselbe Plattform, die auch mit Oddo zusammenarbeitet.
0,06 Prozent. Der gesetzliche Kostendeckel für das Standardprodukt liegt bei einem Prozent, klassische Riester-Rentenversicherungen kosteten im Schnitt deutlich mehr. Scalable Capital, das seine Konditionen exklusiv in der Bild-Zeitung verkündete und damit den Preiskampf um knapp 15 Millionen Riester-Verträge und rund 240 Milliarden Euro eröffnete, macht das Depot kostenlos, die Fondskosten liegen nach dem ersten Gratisjahr bei maximal 0,15 Prozent.
Konzerne bieten seit Jahrzehnten betriebliche Altersversorgung an. Nur lief das immer über ein Versorgungswerk oder eine Versicherungslösung. Jetzt baut ein Unternehmen den Kapitalmarktzugang selbst. „Am Ende braucht es ja nur diese White-Label-Lösung, irgendwo eine Plattform, wo das sauber und reguliert zusammengeführt wird“, sagt Malte Dreher im Podcast „For Professional Investors Only“. Vor zehn, fünfzehn Jahren hätte sich das technisch und logistisch kaum jemand zugetraut. Heute gibt es für jeden Baustein einen spezialisierten Zulieferer, vom KYC-Start-up bis zur Depotführung.
Damit verschiebt sich die Vertriebsfrage. Scalable hat mehr als eine Million Kunden und 50 Milliarden Euro auf der Plattform und erreicht damit trotzdem nur einen Bruchteil der Bevölkerung. Ein Arbeitgeber erreicht seine Belegschaft in der Betriebsversammlung, mit einer internen Infoveranstaltung und einem Absender, dem viele seit 20 Jahren vertrauen. Wenn das in Bonn funktioniert, warum dann nicht bei Volkswagen? Warum nicht bei Amazon?
Der Preis dafür ist Nähe. Wer sein Vorsorgedepot beim eigenen Arbeitgeber führt, gibt viel über sich preis: welche Rentenanwartschaft aufgebaut wurde, wo die Lücke klafft, wie viel vom Bonus in den Kapitalmarkt fließt. „Es gibt ein ganz neues Cockpit für Mitarbeiter, und fürs Unternehmen ist das sicherlich auch nicht verkehrt“, sagt Dreher.
Offen ist, wer die Produkte liefert. Die Telekom hat keine eigenen Fonds. Wahrscheinlich ist eine White-Label-Lösung mit einem Asset Manager mit ETFs oder aktiv gemanagten Fonds. Es wäre der Anfang eines Baukastenprinzips.
Wie Magenta Finance funktionieren soll, was der Einstieg der Telekom für Banken und Fintechs bedeutet und die Preisoffensive von Scalable für andere Neobroker bedeutet, darüber sprechen Christoph Fröhlich und Malte Dreher im Podcast.