Nach einstimmigen Medienberichten plant der Neobroker Scalable Capital, mit Eltif-Produkten seinen Kundinnen und Kunden neue Investmentmöglichkeiten zu eröffnen. Die sogenannten European Long-Term Investment Funds (Eltifs) erlauben es, bereits ab 10.000 Euro etwa in Private Equity, alternative Fremdkapitalfundings oder langfristige Infrastrukturprojekte wie erneuerbare Energien zu investieren. Bei dem ersten Partner für das neue Angebot soll es sich nach Informationen von Finance Forward um den Vermögensverwalter Blackrock handeln.

„Werden wir bringen", sagte Scalable-Capital-Gründer Erik Podzuweit im Mai auf der Finance-Forward-Konferenz zur Frage nach den Eltif-Plänen seines Unternehmens. Auf sein Eltif-Angebot legt das Münchner Fintech große Hoffnungen. Zwar gibt es die Fondskategorie bereits seit knapp zehn Jahren, allerdings blieb die Nachfrage aufgrund hoher Einstiegshürden und regulatorischer Hürden bislang deutlich unter den Erwartungen.

Auf die Nachfrage der Redaktion äußerte sich der Neobroker wie folgt: „Unser Ziel ist es, allen Menschen den Zugang zum Kapitalmarkt zu ermöglichen und dafür ein attraktives Angebot bereitzustellen. Dazu soll es in Zukunft bei Scalable Capital auch Eltif-Produkte geben. Aktuell sprechen wir bezüglich der Produktauswahl mit allen relevanten Anbietern auf dem Markt.“

 

„Besonders bei Sparplänen starkes Wachstum"

Doch das Interesse an Eltifs steigt. Der Online-Vermögensverwalter und Scalable-Konkurrent Liqid hat seit dem Start seines Eltif-Angebots im Mai nach eigenen Angaben bereits 50 Millionen Euro eingesammelt. Liqid-Chef Christian Schneider-Sickert zeigt sich von der Nachfrage zufrieden: „Wir sehen weiterhin großes Interesse eines breiten Kundenkreises. Besonders bei Sparplänen verzeichnen wir starkes Wachstum, das vor allem auf die steigende Nachfrage im Segment Young Professionals zurückzuführen ist."

Für sein Eltif-Angebot kooperiert Liqid mit der US-Investmentbank Neuberger Berman. Kunden sehen ihr Geld direkt in vielversprechende Unternehmen investiert. Das soll Gebühren sparen. Anleger können wahlweise per Einmalbetrag oder regelmäßigem Sparplan einsteigen. Schneider-Sickert stellte im Mai jährliche Renditen von durchschnittlich zwölf Prozent nach Kosten in Aussicht.

 

Reformierte EU-Richtlinie befeuert Markt

Auch bei Scalable Capital sind die Vorbereitungen für den Eltif-Start offenbar schon weit fortgeschritten. Partner Blackrock fungiert bei dem Münchner Neobroker seit längerem auch als bedeutender Anteilseigner. Der Start des ersten Eltif-Produkts noch in diesem Jahr scheint realistisch. Durch eine reformierte EU-Richtlinie rechnen Experten insgesamt mit einem Wachstumsschub für die Fondskategorie. Laut einer Prognose des Analysehauses Scope könnte der europäische Eltif-Markt bis 2028 ein jährliches Volumen zwischen 35 und 50 Milliarden Euro erreichen. 2021 waren es noch weniger als acht Milliarden Euro.

Für Anleger eröffnen Eltifs Zugang zu Märkten, die bisher vor allem professionellen Investoren offenstanden. Wie bei allen Geldanlagen gilt aber auch hier: Wo höhere Renditechancen winken, lauern auch größere Risiken. Eltifs sind weniger liquide als herkömmliche Fonds, das Geld ist langfristig gebunden. Anleger sollten sich vor einem Investment eingehend mit Chancen und Risiken beschäftigen. Im Zweifel kann eine unabhängige Beratung sinnvoll sein. Experten empfehlen Eltifs vor allem als Beimischung für ein breit gestreutes Portfolio.

Mit Scalable Capital plant nun ein weiterer großer Neobroker den Einstieg ins Eltif-Geschäft. Mit Liqid, Moonfare oder Trade Republic sind bereits mehrere Fintechs in dem Segment unterwegs. Weitere dürften folgen. Wer am Ende das Rennen macht, ist offen. Der Markt ist noch jung – und entwickelt sich dynamisch.