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Neobroker Scalable bietet 2,3 Prozent Zinsen - doch es gibt einen Haken

Der Neobroker Scalable Capital zahlt Kunden ab Februar 2,3 Prozent Zinsen. Es ist eine Kampfansage an Mitbewerber Trade Republic.
Der Neobroker Scalable Capital zahlt Kunden ab Februar 2,3 Prozent Zinsen. Es ist eine Kampfansage an Mitbewerber Trade Republic. | Foto: Scalable Capital

Trade Republic war vorgeprescht und hat mit seiner Zwei-Prozent-Zinsaktion für mächtig Furore in der Finanzwelt gesorgt. Nun legt der Münchner Konkurrent Scalable Capital nach: Ab Februar verzinst das Fintech die Spareinlagen seiner Kunden mit 2,3 Prozent, erklärte das Unternehmen am Donnerstag. Verzinst werden also nur jene Einlagen, die nicht in Finanzprodukten wie Aktien oder ETFs investiert sind.

Die daraus generierten Zinsen sollen quartalsweise an die Kunden ausgeschüttet werden. Das Angebot gilt sowohl für Neu- als auch Bestandskunden für Guthaben bis 100.000 Euro.

Scalable reagiert auf Trade Republic

Die Ankündigung von Scalable Capital dürfte eine unmittelbare Reaktion auf Trade Republic sein. Das Berliner Fintech überraschte Kunden wie Mitbewerber Anfang des Jahres mit der Ankündigung, ab sofort allen Kunden 2 Prozent Zinsen auf Einlagen zu zahlen.

Die Aktion war Medienberichten zufolge enorm erfolgreich: Innerhalb von zwei Wochen soll Trade Republic Kundeneinlagen von mehr als einer Milliarde Euro erhalten haben. Innerhalb von zwei Wochen hätte sich der Wert damit verdoppelt. Zugleich stieg die Zahl der App-Downloads an, was auf ein hohes Neukundenwachstum hindeutet.

Auf den ersten Blick ist das Angebot von Scalable attraktiver, schließlich zahlt das Unternehmen mit 2,3 Prozent mehr Zinsen als Mitbewerber Trade Republic (2 Prozent). Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Um sich für das Zinsangebot von Scalable zu qualifizieren, müssen Kunden die Bezahloption„Prime+“ buchen. Diese kostet monatlich 4,99 Euro und ermöglicht gebührenfreien Handel mit Aktien und Sparplänen, also eine Art Trading-Flatrate. Auf das Jahr gerechnet ergeben sich somit Kosten in Höhe von 59,88 Euro, bei kleinen Anlagesummen dürfte der Zinsvorteil somit wieder von den Kosten aufgefressen werden. 

Scalable-Angebot hat Haken

Trotz der Einschränkung zahlt Scalable derzeit den höchsten Zinssatz unter allen Anbietern. Beim Tagesgeld ist die Consorsbank bislang die Nummer eins: Sie zahlt 2,1 Prozent pro Jahr, jedoch ausschließlich für Neukunden und befristet für sechs Monate. Bei Trade Republic müssen Kunden kein Abonnement abschließen, um von den Zinszahlungen zu profitieren, dafür ist das verzinste Guthaben bei 50.000 Euro gedeckelt.

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Die meisten anderen Institute zahlen im Moment deutlich niedrigere Zinsen. Immer mehr müssen sich angesichts der Fintech-Offensiven deshalb den Vorwurf gefallen lassen, die Vorteile der Zinswende nicht an die Kunden weiterzureichen. Das könnte sich bald ändern.

Neuer Wettbewerb um Kundengelder

„Egal, ob man nun (auch) ein Neobroker-Depot hat oder nicht: Vom Wettbewerb zwischen Trade Republic und  Scalable dürften mittelfristig alle Bankkunden profitieren“, schreibt Finanzexperte Christian Röhl auf Twitter. „Denn damit steigt der Druck auf die anderen Institute.“

Auch Unternehmensberater Oliver Geiseler prognostizierte schon vor wenigen Tagen einen härteren Bieterkampf um die Spareinlagen der Kunden. „Andere Neobroker wie auch klassische Banken werden erwägen müssen, ebenfalls mit spektakulären Angeboten die eigene Wettbewerbsposition zu verteidigen. Der Kampf um Neukundenwachstum, Einlagen und Marktanteile wird dafür sorgen, dass die Zinswende zum Jahresstart 2023 auch auf der Anlagenseite beim Kunden ankommt“, sagt er.

Und er gibt zu Bedenken: „Da ein Konto- beziehungsweise Depotwechsel längst binnen weniger Minuten möglich ist, dürfen sich Banken weniger denn je auf die Trägheit ihrer Kunden verlassen.“

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