Mark Mobius (4. von rechts) und seine Königliche Hoheit Sultan Nazrin Muizzuddin Shah (4. von links) auf dem Franklin Templeton Islamic Forum in Dubai im Kreis weiterer Teilnehmer von Franklin Templeton und malaysischer Finanzexperten.

Mark Mobius (4. von rechts) und seine Königliche Hoheit Sultan Nazrin Muizzuddin Shah (4. von links) auf dem Franklin Templeton Islamic Forum in Dubai im Kreis weiterer Teilnehmer von Franklin Templeton und malaysischer Finanzexperten.

Scharia-konforme Anlageprodukte

Chancen durch Wachstum des islamischen Finanzwesens

//
Erst vor kurzem besuchte ich eine Konferenz zum Thema islamische Investitionen, die Franklin Templeton in Dubai veranstaltete. Die Eröffnungsansprache hielt Seine Königliche Hoheit Sultan Nazrin Muizzuddin Shah, Sultan von Perak Darul Ridzuan und königlicher Schirmherr der malaysischen Islamic Finance Initiative (islamische Finanzinitiative). Er ging auf die im islamischen Finanzwesen in den letzten Jahren erzielten Fortschritte ein, aber auch auf weiterhin bestehende Herausforderungen.

Die Teilnahme des königlichen Schirmherren der malaysischen islamischen Finanzinitiative an unserer Konferenz in Dubai war kein Zufall. Denn Malaysia und Dubai zählen zu den weltweit größten Befürwortern eines Scharia-konformen Finanzsystems. Beide Länder haben aktiv institutionelle Strukturen entwickelt, die den Weg für die internationale Entwicklung Scharia-konformer Produkte bereiten – darunter auch Scharia-Aktien und Sukuk, wie islamische Anleihen genannt werden. Insbesondere die malaysischen Behörden gehen bei der Förderung der Entwicklung eines umfangreicheren Angebots an Scharia-konformen Finanzprodukten proaktiv vor. Dubai ist Sitz einer der ersten islamischen Banken. Sie wurde 1975 gegründet. Das Emirat will zum großen, globalen Zentrum des islamischen Finanzwesens werden.

Volumen Scharia-konformer Anlagen nach wie vor relativ gering

Die Bestrebungen der Befürworter Scharia-konformer Anlagen waren 2014 erfolgreich. Mehrere Sukuk-Emissionen kamen aus nicht-muslimischen Ländern – darunter Großbritannien, Hongkong, Südafrika und Luxemburg. Das ist ein großer Durchbruch für eine Produktgattung, die in der Vergangenheit stark lokal geprägt war und nur in einigen wenigen islamischen Ländern emittiert wurde. Im Verhältnis zu den globalen Finanzmärkten ist das Volumen Scharia-konformer Aktien und Sukuk-Anlagen nach wie vor relativ gering.

Im Vergleich zu seinem konventionellen Gegenstück ist das islamische Finanzwesen nach wie vor eine junge Branche. Sie wächst zwar schnell, stellt aber immer noch nur einen geringen Teil der globalen Finanzanlagen. Die Vermögenswerte der Branche entfallen nach wie vor größtenteils auf Bareinlagen bei islamischen Banken. Aspekte des islamischen Rechts wirken sich auch auf Investitionen aus. So ist zum Beispiel die Zahlung von Zinsen, das sogenannte Riba, verboten. Auch andere Geschäftszweige und Produkte, die Muslimen verboten sind, sind tabu: Alkohol, Waffen und eine Reihe von Lebensmitteln und Aktivitäten im Zusammenhang mit Lebensmitteln. Diese Verbote scheinen prinzipiell recht einfach. In der Praxis kann aber die Auslegung, was Scharia-konform ist und was nicht, durchaus komplex sein. Das macht die aktive Einbeziehung islamischer Gelehrter erforderlich – insbesondere bei der Entwicklung neuer Investmentprodukte zur Erweiterung des Angebots der islamischen Investmentbranche. Dieses Thema bedarf noch ausführlicherer Diskussionen. Außerdem legt jeder Islamwissenschaftler die Scharia-Grundsätze anders aus. Die Festlegung einheitlicher Produktstandards kann daher problematisch sein, und es bestehen von Land zu Land Unterschiede. Viele Produkte erfüllen dann möglicherweise nicht überall die gesetzten Standards.

„Scharia-konforme Anlagen werden immer bedeutsamer“

Da Unternehmen an der Entwicklung zunehmend komplexer Schariainstrumente arbeiten, so zum Beispiel als Derivate oder im Bereich der Währungsabsicherungen, können Interpretationsfragen ein Hindernis für die Marktakzeptanz darstellen. Meiner Ansicht nach steigt aber die Akzeptanz vieler der unausgesprochenen Konzepte der islamischen Investmentphilosophie über den Gedanken ethischer oder sozial verantwortlicher Anlagen zunehmend auch in konventionellen Märkten. Das erzeugt eine offensichtliche Schnittstelle zwischen der Scharia-konformen Finanzwelt und einem immer größeren Bereich des herkömmlichen Finanzwesens. Außerdem dienen Scharia-konforme Anlagen der guten Sache. Sie haben soziale Auswirkungen, die dem Gemeinwesen zugutekommen. Dieser Aspekt passt gut zu dem hohen Bedarf an Infrastrukturinvestitionen in weiten Teilen der Schwellenmärkte sowohl in der islamischen Welt, als auch in anderen Ländern. Diese Investitionen benötigen Finanzierungsquellen, die weit über die Kapazitäten einzelner Staaten hinausgehen.

Angesichts des hohen Aufwands für die Entwicklung international akzeptabler Infrastruktur-Sukuk dürfte dieser dringende globale Bedarf eine ausgezeichnete Gelegenheit darstellen. Da islamische Länder zu den bevölkerungsreichsten und wachstumsstärksten Volkswirtschaften der Welt zählen, bin ich absolut überzeugt, dass Scharia-konforme Anlagen nicht nur immer bedeutsamer werden, sondern auch ein durch und durch würdiges Unterfangen darstellen, das den Idealen unseres Mentors, Sir John Templeton, entspricht.

Mehr zum Thema