Marc Drießen

Marc Drießen (Foto: Kirsten Nijhof)

Schiffsfonds: “Ehrlich kalkulieren“

DAS INVESTMENT.com: Noch leidet die Schiffsbranche unter der Finanzmarktkrise, mit einigen weiteren Schieflagen von Fonds ist zu rechnen. Für wann erwarten Sie die Erholung des Markts? Marc Drießen: Das ist abhängig von der jeweiligen Schiffsklasse zu betrachten. Wir befinden uns zurzeit in einem alles anderen als normalen Betriebsumfeld: So verdient ein 1.100-TEU-Containerschiff gegenwärtig nicht viel weniger als ein 4.000er. Das wird sich aber wieder ändern, wie diverse Studien belegen. Schiffe unter 5.000 TEU werden wohl stabil aus dem Jahr gehen. Das heißt, die aufliegende Flotte wird sich nicht vergrößern. Spätestens ab 2011 ist in diesem Segment wieder mit einer Marktbelebung zu rechnen. DAS INVESTMENT.com: Für die ganz großen Pötte soll es laut Marktstudien aber noch eine ganze Weile dauern, bis der Aufschwung kommt. Drießen: Davon ist auszugehen. Für Schiffe von 8.000 bis 12.000 TEU werden bestimmt noch mindestens fünf Jahre vergehen, bis wieder Land in Sicht ist - selbst wenn man im Containermarkt von rund 9 Prozent Wachstum in jedem Jahr ausgeht. Auch im Tankschiffbereich werden insbesondere die Produktentanker die ersten sein, bei denen das Geschäft wieder anspringen wird. Der Transport von Ölprodukten wie etwa Benzin wird mehr nachgefragt als der Öltransport selbst. DAS INVESTMENT.com: Mit Ihrem 2008 gemeinsam mit Maritim Equity konzipierten Fonds Private Shipping wollen Sie ganze Schiffe aufkaufen, jetzt setzen Sie mit Ihrem neuen Shipping Opportunity auf Zweitmarktanteile. Kann man also davon ausgehen, dass das Konzept des Erstlings nicht richtig aufgeht? Drießen: Ganz und gar nicht. Aber in diesem Marktumfeld dauert alles ein bisschen länger, als anfangs abzusehen war. Die Herausforderung bei den opportunistischen Schiffsfonds liegt darin, attraktive Schiffe mit Vercharterung zu finden. Bei einem Schiff ohne Beschäftigung müssen die Aufliegekosten realistisch mitkalkuliert werden. Man kann im Endeffekt dann bis zur Vercharterung leicht in einer Dimension landen, die deutlich über dem Kaufpreis für ein Schiff mit Beschäftigung bewegt hätte. Doch jetzt kommen vermehrt attraktive Angebote aus Notsituationen an den Markt. Unser Vorteil ist, dass wir zusammen mit unseren Partnern bereits über 50 Millionen US-Dollar zur Investition zur Verfügung haben DAS INVESTMENT.com: Könnten Sie mit Ihrem Zweitmarktfonds beim Kauf entsprechend vieler Anteile einen Zielfonds dominieren? Drießen: Nein, das ist nach unserem Fondskonzept gar nicht möglich und auch nicht gewollt. Wir planen 15 Millionen Euro in rund 100 Fondsanteile zu investieren. Keine Beteiligung darf mehr als 10 Prozent des Gesamtvolumens unseres Fonds ausmachen. Wir werden nur in Ausnahmefällen bei besonders attraktiven Anteilen mehr als 5 Prozent des Fondsvolumens investieren. Etwa die Hälfte des Fondsvolumens sollen in Anteile von Containerfrachtern fließen – in erster Linie von Schiffen mit einer Kapazität über 2.000 TEU, denn in dieser Klasse findet man ausreichend viele Beteiligungen mit Chartern bis 2011 oder 2012. Postpanamax-Schiffe kaufen wir nur in Ausnahmefällen. Für rund 30 Prozent der Investitionssumme wollen wir Anteile von Tanker-Fonds und jeweils zwischen 5 und 15 Prozent von Bulkern und Spezialschiffen erwerben. DAS INVESTMENT: Wobei aber gerade der Bulkermarkt einen extremen Höhenflug und einen rasanten Absturz hinter sich hat. Drießen: Das stimmt. Bulker machen zwar etwa 30 Prozent der gesamten Handelsflotte aus, dennoch gewichten wir in unserem Portfolio Bulker deutlich unter. Neun von zehn Schiffsfonds dieses Segments sind allein in den vergangenen drei Jahren an den Markt gekommen. In dieser Zeit waren die Charterraten und die Schiffspreise sehr hoch. In unserer Ertragskalkulationen veranschlagen wir bei Bulkern nicht den 10-Jahres-Durchschnitt, da dieser durch den Boom verzerrt ist, sondern setzen konservativ nur 70 Prozent dessen an.
 
DAS INVESTMENT.com: Nun sind eine ganze Reihe von Wettbewerbern ebenfalls mit Zweitmarkt-Fonds gestartet. Was sehen Sie als Ihr Alleinstellungsmerkmal? Drießen: Unsere Kostenstruktur ist sehr günstig. Statt hoher Provisionskosten mit Fondsstart, sieht unser Konzept eine erfolgsabhängige Ergebnisbeteiligung vor. Anleger erhalten beim Shipping Opportunity ihre Auszahlung bevorrechtigt. Die Weichkosten betragen bei unserem neuen Shipping Opportunity 12 Prozent inklusive Agio. Die Managementgebühr liegt bei 0,8 Prozent. Und erst wenn der Kunde seine jährlichen 7,5 Prozent Auszahlungen bekommen hat, werden Initiator und Vertrieb mit 25 Prozent der darüberliegenden Erträge bedient. Das halte ich für fair. Denn alle Beteiligten sitzen damit förmlich in einem Boot – mit gleichem Interesse. DAS INVESTMENT.com: Meinen Sie, dass sich dieser Ansatz durchsetzen wird? Drießen: Da könnte man jetzt philosophisch werden… Sicher ist aber doch eins: Neben der Sehnsucht nach Sicherheit erwarten Anleger Glaubwürdigkeit. Mit Blick auf das Produkt heißt das, keine falschen Versprechen in den Raum zu stellen. Für den Berater heißt dies aber vor allem Transparenz. So ärgerlich und teilweise falsch das Finanzhai-Video der Verbraucherzentrale ist, das Finanzvermittler anprangert und um das gerade der Streit entbrannt ist – an dieser einseitigen Wahrnehmung der Vertriebsbranche sind nicht nur unseriöse Finanzberater schuld. Auch wir Produkthersteller tragen eine erhebliche Mitverantwortung. Es reicht nicht, die theoretischen Risiken zu beschreiben. Produkte müssen bereits so konzipiert werden, dass die beschriebenen Risiken auch theoretisch bleiben. DAS INVESTMENT.com: Ist nicht vor allem der Berater in der Pflicht, Produkte zu prüfen und die bestmögliche Auswahl für den Anleger zu treffen? Drießen: Sicher, doch der Vertrieb kann bei geschlossenen Fonds nicht wirklich jedes Detail aus dem Prospekt genau prüfen. Der Vertrieb muss sich darauf verlassen können, dass unsere Produkte realistisch kalkuliert sind und nicht nur dann prospektgemäß laufen, wenn die Märkte über die gesamte Fondslaufzeit boomen. Die Verantwortung liegt somit bei uns. Wenn unsere Produkte in einem normalen Marktumfeld die versprochenen Ergebnisse liefern, wird der Anleger unabhängig von der Intensität der Prüfung des Vertriebs zufrieden sein – das sollte der Anspruch aller Emissionshäuser sein.  DAS INVESTMENT.com: Zentrales Argument für Vertriebe ist doch aber häufig eine satte Anfangsprovision und dass der Vertrieb schnell aus dem Risiko geht… Drießen: Das Risiko darf nicht allein beim Anleger liegen. Das haben wir bei unserem Fonds konsequent berücksichtigt, auch wenn manche Vertriebe uns hierfür im Vorfeld für meschugge erklärt haben. DAS INVESTMENT.com: Wo liegt denn Ihre anfängliche Vertriebsvergütung? Drießen: Der Berater bekommt bei diesem Fonds 5 bis 6 Prozent Provision. Daraus ergibt sich auch, mit welchen Vertriebskanälen wir operieren: Dies sind zu 85 Prozent freie Finanzdienstleister, der Rest geht über Banken und Sparkassen. Für Pools ist die von uns kalkulierte Marge in der Regel zu gering. Ich denke aber, das jetzige Marktumfeld könnte für unseren Vorstoß nicht besser sein. Im freien Vertrieb kommt unsere Sache gut an: Wir haben bereits für 40 Millionen Euro Vertriebszusagen, wollen aber nur 15 Millionen Eigenkapital einsammeln. DAS INVESTMENT.com: Die Investitionsquote Ihres Fonds beträgt rund 88 Prozent, wenn man die 3 Prozent Agio einbezieht. Andere Fonds bieten mehr als 90 Prozent. Drießen: Auch in dieser Hinsicht sind wir transparent und kalkulieren ehrlich. Zum einen haben alle mir bekannten Fonds 5 Prozent Agio – alleine das lässt die Investitionsquote optisch 2 Prozent höher aussehen. Bei Investitionsquoten von mehr als 90 Prozent ist die Frage wie diese berechnet sind. Zum Teil wird nicht auf das Eigenkapital bezogen, sondern es werden dann etwa Kontokorrentkredite mit hineingerechnet, um nur ein Beispiel zu nennen. DAS INVESTMENT.com: Was halten Sie von einer Option für Anleger, die Anteile nach einer gewissen Laufzeit zurückgeben zu können? Drießen: Davon halte ich nur dann etwas, wenn es ehrlich gemeint ist und nicht nur ein Marketing-Instrument. Was soll es bringen, wenn das Andienungsrecht von Gesellschaften gegeben wird, die 25.000 Euro Stammkapital haben oder noch besser: Die Fondsgesellschaft. Da die Anteile wohl nur in größerem Stil zurückgegeben werden, wenn es für den Fonds ohnehin schlecht läuft, hätte dies unmittelbare Auswirkungen auf die Liquiditätslage der Fondsgesellschaft. Sofern diese ins Obligo muss, ist die Rückgabeoption wohl eher als Marketing-Gag zu bewerten - es zahlen die Anleger, die im Fonds bleiben.

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