Schlaflos in Manhattan

Arbeitsstress treibt Banker von Goldman Sachs und Moelis in den Selbstmord

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„Es ist zu viel“, das war das letzte, was Sunil Gupta von seinem Sohn hörte. Kurze Zeit später brachte sich der 22-jährige Sarvshreshth Gupta um. Der vielversprechende junge Goldman-Sachs-Analyst brach unter dem Druck, dem er bei seinem Arbeitgeber ausgesetzt war zusammen, vermutet sein Vater.

Seit zwei Tagen nicht mehr geschlafen

„Ich habe seit zwei Tagen nicht mehr geschlafen, morgen steht ein Kunden-Meeting an, bis dahin muss die Präsentation fertig werden, mein Chef ist verärgert und ich sitze jetzt allein im Büro“, zitiert Sunil Gupta das letzte Gespräch mit seinem Sohn. Er arbeite 100 Stunden pro Woche, müsse immer mehr in immer weniger Zeit schaffen, klagt der junge Mann. Auf die Aufforderung seines Vaters, den Job zu kündigen und nach Hause zu kommen reagiert der Jungbanker nicht. Wenige Stunden später findet die Polizei den 22-Jährigen tot vor seinem Apartment in San Francisco.

Kein Einzelfall. Nur einen Monat später wiederholt sich die Geschichte. Thomas J Hughes, 29-jähriger Mitarbeiter bei der auf Fusionen und Übernahmen spezialisierten Bank Moelis & Co., wird tot vor seinem Luxusapartment in Manhattan aufgefunden. Auch hier geht die Polizei von einem Selbstmord aus. Und auch hier berichtet der Vater des Toten über massiven Druck, dem der Banker in seinem Job ausgesetzt war.

In Hughes‘ Apartment findet die Polizei Kokain. Er habe Drogen genommen, um besser mit dem Druck umgehen und die zahlreichen Nachtschichten, die in seinem Job Usus waren, überstehen zu können, ist der Vater überzeugt. 

Mehr als zwei Selbstmorde monatlich

Insgesamt 12 Banker haben in den ersten fünf Monaten dieses Jahres Selbstmord begangen. Rein rechnerisch sind das mehr als zwei Tote im Monat. Alles Schwächlinge? Wohl nicht: Zumindest bei den beiden letzten Toten handelte es sich nach Aussagen von Kollegen um talentierte, engagierte und belastbare Fachkräfte, die eine große Zukunft vor sich hatten.

Schuld sei die in den Banken „tief verwurzelte Kultur der Überarbeitung“, ist Alexandra Michel überzeugt. Die Assistenzprofessorin an der Universität von Pennsylvania beschäftigt sich seit 13 Jahren mit den Arbeitsbedingungen bei Investmentbanken. Auf der einen Seite steigt der Druck seitens der Vorgesetzten, immer mehr in immer kürzerer Zeit erledigen zu müssen.

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