Schlechtes Omen für den Markt

US-Small Caps geraten unter Druck

Hedgefonds wenden sich in diesen Tagen von jenen Aktien ab, die während des Bullenmarktes die besten Erträge geliefert haben: Small Caps. Diese Titel von Unternehmen mit einer relativ kleinen Marktkapitalisierung sind betroffen von einem Stimmungsumschwung, der vermutlich auf eine schwache Entwicklung in den vergangenen Wochen zurückzuführen ist.

Große Spekulanten wie Hedgefonds haben im April rund 2,8 Milliarden Dollar darauf gesetzt, dass der Russell 2000 Index - ein US-Aktienbarometer für Small Caps - fallen wird. Das ist das höchste Niveau seit 2012. Diese 180-Grad-Wende erfolgte nach einem Jahr an Aufwärtswetten.

Verantwortlich für den Stimmungsumschwung ist vermutlich die schwache Entwicklung der Kleinwerte. Anfang der Woche lag der Russell 2000 rund 7,1 Prozent unter seinem Hoch von 2014, während der Standard & Poor’s 500 Index für größere US-Aktien nur 1,5 Prozent von seinem Rekordniveau entfernt war. Zudem sind die Small Caps relativ hoch bewertet.

Unternehmen von Kapstone Paper & Packaging bis zu Cardtronics sind seit März 2009 rund 20 Mal so stark gestiegen wie der S&P 500 - dank schnellerem Wachstums bei Umsätzen und Gewinnen. Die Bewertungen im Russell 2000 sind auf einem Niveau angelangt, das oberhalb der Niveaus aus der Technologieblase der 1990er Jahre liegt.

Der einsetzende Ausverkauf von Small Caps lässt Anleger langsam das Vertrauen in die fünf Jahre währende Rally am Aktienmarkt verlieren. Gerade schwächelnde Small Caps werden von einigen Analysten als ein schlechtes Omen für den breiteren Markt gesehen.

“Kleine Aktien sind so teuer, wie ich es bislang noch nie gesehen habe. Und ich bin immerhin seit 20 Jahren im Geschäft”, sagte Eric Cinnamond, der Manager des 724 Millionen Dollar schweren Aston/River Road Independent Value Fonds, in einem Interview mit Bloomberg News: “Wer als Hedgefonds beobachtet, wie die Leute mit dem Verkauf von Dingen wie Netflix und Facebook und Biotech beginnen, dann ist der Verkauf des Russell 2000 ein netter Weg, um Risiken zu senken.”

Der technische Analyst Sid Mokhtari von CIBC World Markets stimmt zu: “Wir haben defensives Verhalten am Markt gesehen. Zu einem gewissen Grad haben wir bei Small Caps den Schwung verloren.”

Im vergangenen Monat hatte der Russell 2000 eine Bewertung beim 10,8-fachen der jährlichen Gewinne seiner Mitglieder vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erreicht, zeigen Bloomberg-Daten. Es war das höchste Niveau seit mindestens 1995. Der Russell 1000 Index für größere Aktien wie Apple wurde hingegen zuletzt beim 8,7-fachen des Ebitda gehandelt. Die kleineren Aktien werden entsprechend im Vergleich zu größeren Werten mit einem Aufschlag von 18 Prozent gehandelt. Im März betrug das Plus sogar 23 Prozent.

Die Aktien kleiner Unternehmen hatten in den vergangenen Jahren stark zugelegt, nachdem sich die Gewinne zwischen 2008 und 2013 laut Bloomberg-Daten nahezu vervierfacht hatten. Im selben Zeitraum waren die Gewinne im S&P 500 Index für große Aktien nur um 86 Prozent gestiegen.

“Es kommt ein Punkt, bei dem die Bewertung von Small Caps so hoch werden kann im Vergleich zu großen Aktien, dass deren Wachstumsvorteil vollständig eingepreist ist”, sagte Stratege Kevin Caron von Stifel Nicolaus & Co. Es könne sein, dass dieses Limit erreicht sei.

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