Schneller Richtungswechsel verwirrt Quant-Fonds

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Die heftigen Kursschwankungen an den internationalen Aktienmärkten machen vielen quantitativ gemanagten Fonds zu schaffen. So verlor beispielsweise der quantitativ gemanagte Hedge-Fonds Global Equity Opportunities von Goldman Sachs seit Ende Juli 28 Prozent seines Wertes. Doch auch bei anderen Gesellschaften verrechnete sich Kollege Computer. Nach den Hintergründen der aktuellen Krise bei Quant-Fonds befragte DAS INVESTMENT.com Carsten Große-Knetter, Manager des quantitativen Global Dynamik (WKN: 977 298) von Frankfurt-Trust. Dessen Preis fiel seit Ende Juli um 3,6 Prozent.

DAS INVESTMENT.com: Wie erklären Sie sich die teilweise heftigen Einbrüche bei quantitativ gemanagten Fonds?

Carsten Große-Knetter: Das liegt unter anderem daran, dass der Markt im Moment nicht auf die fundamentalen Bewertungen der Unternehmen achtet, die in Modellen wie unserem Eingang finden. Viele Anleger handeln derzeit extrem nervös. Doch dafür gibt es keinen Grund. Die Fundamentaldaten der meisten Unternehmen sind nach wie vor gut. Sie werden jedoch einfach ignoriert.

DAS INVESTMENT.com: Was bedeutet das für quantitativ gemanagte Fonds?

Große-Knetter: In diesem Verhalten zeigt sich die allgemeine Unsicherheit über die künftige Börsenentwicklung. Das ist ungünstig für einige Computermodelle. Denn sie enthalten teilweise auch eine Trendfolgekomponente. Das heißt, der Computer analysiert die Kursentwicklungen sehr vieler Aktien in der jüngsten Vergangenheit. So spürt er Trends auf, die sich in der Regel fortsetzen. Im Moment kommt es aber zu vielen Strukturbrüchen am Markt.

DAS INVESTMENT.com: Sind also die zunehmenden Schwankungen der Börsenkurse schuld an den aktuellen Verlusten der Quant-Fonds?

Große-Knetter: Nein. Die heftigen Kursausschläge sind eigentlich gut für aktives Management. Denn in einem solchen Umfeld können Stockpicker einen deutlichen Mehrertrag gegenüber dem Marktdurchschnitt erzielen. Die Spreu trennt sich dann vom Weizen. Doch das rasche Auf und Ab an den Märkten ist für alle Marktteilnehmer eine echte Herausforderung. Da heißt es Ruhe bewahren.

DAS INVESTMENT.com: Welches Argument spricht überhaupt noch dafür, in der jetzigen Situation auf quantitatives Management zu setzen?

Große-Knetter: Die Vorgaben des Computermodells geben eine klare Argumentationshilfe, um eine Baisse durchzustehen. Wer seine Positionen vorschnell glattstellt, vergibt die Chance, an einer Erholung dieser Titel teilzunehmen. Denn dann besteht die Gefahr, dass man den günstigsten Zeitpunkt zum Wiedereinstieg verpasst. Daher ist Aussitzen bei kurzfristigen Krisen die beste Strategie. Das hat sich zum Beispiel bei der kurzen Talfahrt der Börsen im Mai 2006 gezeigt. Wer damals die Nerven behielt, schnitt besser ab als der Marktdurchschnitt.

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